Deutscher Mittelfeldspieler von Dudelange im Interview

Stolz über Sevilla-Los: "Das ist natürlich ein absolutes Brett"

Stolz auf das Erreichte: Dudelanges Zehner Dominik Stolz.

Stolz auf das Erreichte: Dudelanges Zehner Dominik Stolz. imago images

Zum zweiten Mal in Folge hat sich F91 Dudelange aus Luxemburg sensationell für die Europa-League-Gruppenphase qualifiziert. Dabei hatte das Team des deutschen Stürmers Dominik Stolz (29, kam vor drei Jahren aus Sandhausen) in diesem Sommer einen massiven Umbruch erlebt: 23 Spieler gingen, sechs davon gemeinsam mit Trainer Dino Toppmöller zum belgischen Zweitligisten Excelsior Virton, weitere sechs zum luxemburgischen Zweitligisten Swift Hesperange - beides Klubs aus dem Imperium des Investors Flavio Becca, der sich seit dieser Saison ja auch beim 1. FC Kaiserslautern finanziell engagiert.

Unter dem neuen Coach Emilio Ferrera, einem 52 Jahre alten Belgier, scheiterte Dudelange in der Champions-League-Qualifikation wegen der Auswärtstor-Regelung am maltesischen Klub FC Valetta (2:2, 1:1). Nach Erfolgen über Tetovo (Nordmazedonien), Namme (Estland) und am Donnerstag im Elfmeterschießen gegen Erewan (Armenien) aber steht der Klub aus dem 20.000-Einwohner-Städtchen zum zweiten Mal in der Europa-League-Gruppenphase.

Dort treffen sie auf den FC Sevilla, APOEL Nikosia aus Zypern mit dem deutschen Trainer Thomas Doll sowie Qarabag Agdam aus Aserbaidschan. Die Chancen auf den zweiten Platz hinter Sevilla bewertet Stolz, der aus Mittelfranken kommt und bis zu seinem 25. Lebensjahr in der Regionalliga Bayern kickte, als "minimal".

Herr Stolz, hätten Sie gedacht, dass Sie noch einmal beruflich nach Sevilla kommen?

Beruflich? Auf keinen Fall. Aber nun ist es so gekommen, der Fußball schreibt komische Geschichten. Gott sei Dank ist es diesmal der andere Verein, nicht Betis wie im vergangenen Jahr, sondern der FC.

Kann man sich daran gewöhnen, in der Europa League zu spielen?

Dass wir es erneut schaffen, hätte vor ein paar Wochen gar keiner erwartet, auch nicht die fünf, sechs Spieler, die noch aus dem Vorjahr übrig sind. Es fehlt schlicht an Erfahrung, letztes Jahr hatten wir einen Altersschnitt von 27, nun einen von 22. Das sind talentierte Jungs, aus Anderlecht zum Beispiel oder aus der französischen Liga, aber die brauchen vermutlich noch ein paar Jahre. Jetzt aktuell aber ist die Qualität nicht die gleiche wie letztes Jahr. Dennoch: Das Aus gegen das Team aus Malta war nicht geplant, da hatten wir uns schon eine Chance ausgerechnet. Als wir dann aber gesehen haben, wer die Gegner in der Europa-Legaue-Quali sind, da schien die Gruppenphase plötzlich machbar.

Das Spiel gegen den FC Sevilla, der die Europa League seit 2006 fünfmal gewann, ist sicherlich ein Karriere-Highlight für Sie?

Das ist natürlich ein absolutes Brett, solche Lose wünschst du dir, wenn du vorher in Seligenporten oder Bayreuth gespielt hast (lacht). Die beiden weiteren Gegner hätten meinetwegen andere Klubs sein dürfen. Aber es hätte uns auch schlimmer erwischen können.

Sie kennen ja beide Mannschaften bereits.

Ja, 2016 haben wir in der Champions-League-Quali gegen Qarabag gespielt und 2017 gegen Nikosia - und beide Male sind wir rausgeflogen. Insofern hätte ich mir persönlich andere Gegner gewünscht.

Rechnen Sie sich gegen Nikosia und Qarabag nicht eine kleine Chance aus?

Ja, man hat schon im Hinterkopf, dass in den beiden Heimspielen was zu holen sein könnte. Es gibt Menschen, die glauben, wir könnten diese Gruppe überleben. Ich halte das für ein bisschen übertrieben. Nikosia hat sich gegen Ajax teuer verkauft, und Qarabag hat gute Kicker in seinen Reihen. Die kennen nur viele nicht.

Bestimmt hätten Sie gerne gegen ein deutsches Team gespielt.

Eintracht Frankfurt hätte ich wirklich gerne gehabt. Meine Wunschgruppe war mit Manchester United, der Eintracht und Espanyol Barcelona.

Und da macht es nichts, dass solche Gegner Ihnen turmhoch überlegen sind und Sie womöglich mit einer Packung nach Hause schicken?

Das ist mir egal. Im Normalfall verlierst du gegen Nikosia und Qarabag 0:2. Da kriege ich lieber vier oder fünf Stück von Manchester - aber dafür habe ich einmal im Leben im Theatre of Dreams gespielt.

Sie haben noch ein Jahr Vertrag in Dudelange. Was planen Sie dann? Dann sind Sie 30.

Tja, schwierig. Ich denke, dass es nach zwei Jahren in der Europa League schlechtere Positionen gibt. Und da ich auch noch ablösefrei bin, hoffe ich, dass etwas Interessantes reinkommt. Vielleicht werde ich mich aber auch nochmal mit Dudelange unterhalten. Es ist echt nicht schlecht hier.

Hatten Sie nicht mal von England geträumt?

Wenn wir jetzt gegen einen englischen Klub gespielt hätten, dann wären meine Chancen vielleicht gestiegen. Aber so… Auf einen Vertrag in England habe ich schon viel zu oft gehofft, und nie hat es geklappt. Jetzt muss das auch nicht mehr sein.

Interview: Peter Nickel