Der Club bringt sich selbst um den verdienten Lohn

Nürnberg "zockt" gut - und schläft bei Einwürfen

Johannes Geis

Sein Traumtor reichte dem 1. FC Nürnberg nicht zum Sieg: Johannes Geis. imago images

Blickte man nach Abpfiff in die Gesichter der Nürnberger Spieler und Fans, dann hätte man meinen können, der Club wäre gerade mit 0:5 gegen den 1. FC Heidenheim untergegangen. Genau das Gegenteil war allerdings der Fall, 82 Minuten lang machten die Franken ihr bis dato bestes Spiel der noch jungen Saison. Einen keineswegs leicht zu bespielenden Kontrahenten von der Ostalb dominierte die Elf von Damir Canadi phasenweise komplett und führte nach 70 Minuten völlig verdient mit 2:0, als Johannes Geis den Hammer auspackte und per Volley das Nürnberger Stadion endgültig in Party-Stimmung versetzte.

Acht Minuten später war von dieser Party-Stimmung aber nichts mehr zu hören, das bereits abgeschriebene Heidenheim kam aus dem Nichts innerhalb von zwei Minuten zum Ausgleich. Wie sehr die Nürnberger Hintermannschaft in dieser Phase in den Ruhemodus schaltete, zeigt die Entstehung beider Treffer recht deutlich auf. Sowohl der Anschlusstreffer von Niklas Dorsch als auch das Tor zum 2:2 durch Stefan Schimmer resultierte aus Einwürfen von der rechten Seite.

Mathenia hat Mitschuld

Die davor blendend funktionierende Dreierkette bekam jeweils keinen Zugriff auf die nochmals Hoffnung schöpfenden Heidenheimer Angreifer, zudem sah Torhüter Christian Mathenia beim 1:2 alles andere als souverän aus. Der Schlussmann war bis dato wie sein gesamtes Restteam bestens aufgelegt, parierte stark im Eins-gegen-eins gegen Maurice Multhaup und bereitete gar den Führungstreffer von Nikola Dovedan mit einem punktgenauen Abstoß auf den Kopf von Michael Frey vor. Den Schuss von Dorsch sah Mathenia zwar spät, da er allerdings sehr zentral aufs Nürnberger Tor kam und der 27-Jährige sogar noch dran war, ist er keineswegs von Mitschuld freizusprechen.

Man hat gemerkt, dass es hier lange keine 2:0-Führung gab.

Club-Trainer Damir Canadi

So blieben am Ende ratlose Gesichter im Nürnberger Dress zurück, lediglich Trainer Canadi fand eine zutreffende Erklärung: "Man hat gemerkt, dass es hier lange keine 2:0-Führung gab. Wie spielt man das nach Hause? Wir haben bei den Toren nur begleitet, rücken nicht raus und kriegen so noch zwei Gegentreffer", ärgert sich der Österreicher über den verspielten Sieg, gratulierte seiner Mannschaft nach der Partie dennoch zur Leistung: "Mit dem Ergebnis sind wir nicht zufrieden, mit der Art und Weise schon."

Traumtorschütze Geis, der bereits gegen Osnabrück sehenswert zum 1:0 traf, trauerte ebenfalls mehr den verschenkten Punkten nach, als sich über sein 2. Saisontor zu freuen: "Das ist für uns alle sehr ärgerlich, dass wir das noch aus der Hand geben. Wir haben gut gespielt, haben gut gezockt und waren mit Leidenschaft dabei. Wir führen 2:0 und schlafen dann zweimal."

tso

Aaron Hunt, Marc Schnatterer, Hanno Behrens (v.li.)

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