Das Südwest-Derby elektrisiert

Kaiserslautern vs. Mannheim: 18 Jahre Warten auf das 19. Duell

Fans von Kaiserslautern und Mannheim

Wiedersehen nach vielen Jahren: Kaiserslautern und Mannheim treffen am Sonntag wieder aufeinander. imago images

"Blaulicht, Verkehrschaos, Schlägereien, Sicherheitsstufe 1 in Mannheim rund ums Carl-Benz-Stadion. In der Arena 21.000 Zuschauer, Rekordbesuch! Bengalische Feuer, Rauchtöpfe, das Spiel kurz vor dem Abbruch" - Mit diesen Worten begann der TV-Bericht von ZDF-Kommentator Rolf Töpperwien im November 2001, als sich der SV Waldhof und der FCK das letzte Mal in einem Pflichtspiel gegenüberstanden. Von Ausschreitungen und Spielverzögerungen begleitet, lieferten sich beide Mannschaften ein rasantes Zweitrunden-Duell im DFB-Pokal, das für den FCK ein spätes Happy End fand: Olaf Marschall köpfte die Pfälzer in der 90. Minute zum 3:2-Sieg gegen den damals im Zweitliga-Abstiegskampf steckenden SV Waldhof.

An diesem Abend wusste noch keiner: Es sollte für 18 Jahre das letzte Derby zwischen beiden Profimannschaften bleiben. Der FCK hielt sich bis 2018 in den Bundesligen, die Mannheimer stürzten zwischenzeitlich sogar in die Oberliga ab. Das Spiel elektrisiert jedoch noch immer, die Rivalität schlief nie ein. Beide Städte trennen schließlich nur rund 50 Kilometer und der SV Waldhof forderte auf dem Weg zurück in den Profifußball mehrmals die Zweitvertretung der Roten Teufel. Die Feindschaft beider Fanlager lebt bis heute.

Ursprung in den 1980er Jahren

Dabei wuchs Rivalität nicht über Jahrzehnte hinweg. Beide Klubs standen sich in gerade mal 18 Pflichtspielen gegenüber. Ihren Ursprung nahm die Ablehnung 1983, als der SV Waldhof Mannheim, vom FCK und seinen Fans kaum beachtet, in die Bundesliga aufstieg. Weil in der Quadratestadt keine adäquate Spielstätte zur Verfügung stand - das heutige Carl-Benz-Stadion wurde erst Mitte der 1990er Jahre erbaut - wichen die Mannheimer ins benachbarte Ludwigshafen aus. Die linksrheinische Industriestadt zählte jedoch schon immer zum Lauterer Einzugsgebiet.

Konflikte waren vorprogrammiert und diese entluden sich bis zur Saison 1989/90 in 14 intensiven Bundesliga-Partien, die teilweise bis heute auf beiden Seiten Legendenstatus haben. Im April 1987 etwa entschied der SV Waldhof das Duell im Ludwigshafener Südweststadion mit 4:3 für sich. In einem rasanten Spiel gab es vier Elfmeter, von denen Kaiserslauterns heutiger Torwarttrainer Gerry Ehrmann noch zwei hielt. Oder die krachende 0:4-Klatsche für die Roten Teufel im Februar 1990, die sich jedoch bis heute als Startschuss einer neuen Ära im Lauterer Bewusstsein verankert hat. Nach der Pleite übernahm Karl-Heinz Feldkamp beim FCK das Traineramt. Wochen später führte er die Pfälzer zum Klassenerhalt, gewann ein Jahr später den DFB-Pokal und in der darauffolgenden Saison die Meisterschaft. Mannheim stieg trotz des deutlichen Siegs ab.

Die überschaubare Derby-Gesamtbilanz spricht für den FCK, der die beiden Pokalbegegnungen für sich entschied, wie auch das letzte Ligamatch. 1997 schlugen die Roten Teufel Mannheim im Fritz-Walter-Stadion 5:0. Eine bis heute ebenfalls legendäre Randnotiz aus dieser Begegnung: der Platzverweis für Atilla Birlik, der Ehrmann eine Ohrfeige verpasst hatte - was ihn schlagartig berühmt gemacht hatte.

Ehrmann sorgte schon im Sommer für Derbyfieber

Ehrmann ist ohnehin eines der prägenden Gesichter der Rivalität. Und der 60-Jährige befeuerte das Derbyfieber bereits im Sommer, als er bei einer Fanversammlung auf eine Nachfrage zum SV Waldhof lapidar antwortete: "Gibt es den Verein denn immer noch?" Am Sonntag wird Ehrmann wieder an der Seitenline dabei sein, wenn sich Kaiserslautern und Mannheim zum 19. Mal in einem Pflichtspiel duellieren.

Dass es dabei nur um Sportliche geht, ist unter anderem das Anliegen der Sicherheitsbehörden, die sich seit Wochen auf das Derby vorbereiten. "Das Aufgebot der Bundespolizei wird sicher höher sein als bei anderen Drittliga-Spielen", kündigt Christian Altenhofen, Sprecher der zuständigen Bundespolizeidirektion Koblenz, an. Von rund 5000 Mannheimer Fans rechnet er mit etwa 1500 bis 2000 Anhängern, die per Zug nach Kaiserslautern reisen.

Für die Polizei eine Herausforderung, denn Hochrisikospiele haben in Kaiserslautern aufgrund der komplizierten Infrastruktur eine besondere Dimension. Immer wieder gab es Diskussionen um einen zusätzlichen Bahnsteig unterhalb des Lauterer Stadions, um Gästefans direkt zu ihrem Bereich im Stadion zu leiten. Da es bislang bei unverbindlichen Plänen geblieben ist, kreuzen sich die Wege von Heim- und Gästefans noch immer direkt am Fuße des Betzenbergs. Ein neuralgischer Punkt: Der Elf-Freunde-Kreisel von dem sich auf der einen Seite der Weg zur Westkurve - Heimat der FCK-Fans - und zur anderen Seite zur Osttribüne und dem Gästebereich abzweigt. Für kurze Zeit muss der Kreisverkehr vor und nach Spielen deshalb abgeriegelt werden, um Konfrontationen zu vermeiden.

Elf-Freunde-Kreisel in Kaiserslautern

Beschädigte Figuren am Elf-Freunde-Kreisel in Kaiserslautern. picture allaince

Gerade hier kam es vor Kurzem zu einem bedeutenden "Zwischenfall", der sogar überregional Schlagzeilen machte. Zwei der dort stehenden Figuren, die die legendäre Walter-Elf darstellen sollen, wurden die Köpfe abgeschlagen. Offenbar eine Reaktion Mannheimer Anhänger auf Lauterer Schmierereien in der Quadratestadt. Die Polizei nahm sofort Ermittlungen auf. "Sachbeschädigungen, wie sie kürzlich in Kaiserslautern und Mannheim erfolgten, sind ebenfalls Mosaiksteinchen, die in das Lagebild der Bundespolizei einfließen", sagt Altenhofen. Die Sicherheitsbehörden sind gewarnt.

Auch aus sportlicher Sicht ein brisantes Duell

Es sind Einzelfälle, aber eben auch Vorboten eines Spiels, das auf beiden Seiten hohen Stellenwert besitzt. So hatte Lauterns Geschäftsführer Martin Bader vor dem Pokalspiel gegen das 70 Kilometer entfernte Mainz (2:0) erklärt: "Unsere Fans fiebern dem Derby gegen Mannheim deutlich mehr entgegen."

Auf Mannheimer Seite ist die Vorfreude nicht kleiner, auch will der SV Waldhof einen guten Start in die Saison hingelegt hat. "Dementsprechend hoch ist die sportliche Brisanz. Wir waren viele Jahre hinter dem FCK, jetzt stehen wir vor ihnen. Das ist eine schöne Momentaufnahme", sagt Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp.

"Wir dürfen nicht den Fehler machen, uns so unter Druck zu setzen, dass die Mannschaft verkrampft ist", betont derweil FCK-Trainer Sascha Hildmann mit Blick auf die Ausgangslage. Mannheim sei "ein bisschen die Mannschaft der Stunde". Der gebürtige Kaiserslauterer fuhr früher selbst als Jugendlicher zu Derbys nach Ludwigshafen und hat seine Erfahrungen an die Spieler weitergegeben: "Diese Mannschaft weiß zu 100 Prozent, was auf sie zukommt." Schon vor Saisonbeginn hatte Hildmann betont, dass für ihn das Spiel gegen Mannheim ein ganz besonderes sei.

So wird es auch am Sonntag mit viel Leidenschaft und Einsatz zur Sache gehen. Letzten Schwung holten sich beide Mannschaften noch einmal am vergangenen Spieltag: Mannheim bezwang Duisburg in einem hochemotionalen Spiel 4:3. Kaiserslautern trumpfte in Zwickau auf und fuhr einen 5:3-Sieg ein. Mit beiderseitigem Rückenwind geht es in das 19. Derby.

pau/pak/mk