"Der richtige Weg, um zu wachsen"

Rainbow Six Siege - der kontrolliert langsame eSport-Aufstieg

Das Six Invitational ist das prestigeträchtigste Rainbow-Six-Turnier des Jahres

Das Six Invitational ist das prestigeträchtigste Rainbow-Six-Turnier des Jahres. ESL | Pawel Bastrzyk

Noch spielt der Name Rainbow Six Siege nicht im Konzert der Großen mit. Obwohl der Taktik-Shooter von Ubisoft schon seit Dezember 2015 existiert, fällt der Name nur selten in der Konversation der weltweit größten eSport-Titel. Sorgen macht das Ubisofts Senior eSports Director Che Chou nicht: "Das ist nicht unser Ziel. Es wäre schön, wenn wir dahinkommen. Doch bei uns hat es Priorität, ein zukunftsfähiges, hochqualitatives Erlebnis für Zuschauer und Spieler zu schaffen, damit wir Rainbow Six eSport weitermachen können. Unser Ziel ist es, dass es in über zehn noch existiert." Damit zeigt Chou, wie es in der Führungsetage bei Ubisoft aussieht. Hier drückt niemand aufs Tempo, hier versucht niemand, den Hype eines Fortnites per Battle-Royal-Modus zu imitieren.

Langsames Wachstum

Im Kern von Rainbow Six Sieges eSport-Strategie steht das Wort langsam. Esports Director Wei Yue erklärt, was darunter zu verstehen ist: "Für uns ist es wichtig, Preisgelder nicht künstlich in die Höhe treiben. Wir wollen ein Ökosystem aufbauen, das nachhaltig ist." Gerade inflationäre Gehälter sind in den letzten Jahren zum Problem für eSport-Titel geworden. Verstecken muss sich Rainbow Six Siege beim Thema Geld trotzdem nicht. Nach 200.000 US-Dollar in 2017, schüttete der Entwickler beim größten Turnier 2018 500.000 US-Dollar und dieses Jahr sogar zwei Millionen US-Dollar aus.

Das langsame Wachstum beschränkt sich aber nicht nur aufs Preisgeld, sondern auch auf andere Aspekte, wie die Community. Was sich im ersten Moment wie ein Nachteil anhört, ist laut Chou jedoch zur Stärke geworden: "Unsere Zuschauerschaft und Fangemeinde ist über die Jahre ganz natürlich gewachsen. Jetzt gibt es ein gewisses Vertrauen auf beiden Seiten. Meiner Meinung nach ist das der richtige Weg, um als eSport zu wachsen."

Für uns ist es das Wichtigste, dass Rainbow Six zukunftsfähig ist.

Wei Yue, Esports Director von Rainbow Six Siege

Das langsame Tempo zeigt sich auch bei Ingame-Charakteren, den sogenannten Operatoren. Ubisoft hat es sich als Ziel gesetzt, 100 Stück herausbringen. Der Entwickler veröffentlicht jedes Jahr aber nur acht Neue und ist erst bei 50 angelangt. Sechs Jahre muss das Spiel daher mindestens noch halten. Zudem werden Operatoren langsam an den eSport herangeführt. Eine ausführliche Test-Phase, in der Community-Feedback gesammelt wird, folgt auf jeden Release. Das ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt für Chou und Yue. Sie wollen das Spiel stets ausgewogen halten, um möglichst gute Bedingungen für die eSportler zu schaffen.

Hier, um zu bleiben

Aktuell arbeitet Ubisoft an einer weiteren Säule der eigenen eSport-Strategie, am Pilotprojekt. Das Programm bindet eSport-Organisationen langfristig ans Spiel. Aktuell sind es 14 Stück, zu denen auch das deutsche PENTA Sports zählt. Im Gegenzug erhalten sie einen Teil der Erlöse von Ingame-Gegenständen, wie eSport-Skins. Chou beschäftigt sich aber auch mit langfristigen Fragen: "Wie können wir die Übertragung verbessern, wie das Storytelling und wie können wir das nächste Level erreichen?" Antworten hat er darauf noch nicht. Eine Sache steht jedoch fest: "Wir sind hier, um zu bleiben."

Christian Mittweg