NFL 2019: Reichlich Tradition - und der Kampf um vielleicht nur ein Ticket

Vorschau NFC North: Bears, Vikings, Packers, Lions

Khalil Mack

Kann es mit allem aufnehmen: "Monster-Bear" Khalil Mack. imago images

Chicago Bears (Vorjahresbilanz 12:4)

Es hallt bis heute nach, was die Defense aus Chicago in der abgelaufenen Spielzeit vollbracht hat. Mit nur 17,7 zugelassenen Punkten im Schnitt dominierte die Abwehr die komplette NFL, Rushing Yards ließ man nur 1280 zu (Platz 1). Auch die einzelnen Stats der Spieler hatten es in sich: Cornerback Kyle Fuller (sieben Interceptions) und Safety Eddie Jackson (sechs) drehten ebenso auf wie natürlich Star-Linebacker Khalil Mack (12,5 Sacks, sechs Forced Fumbles). Nach der verdienten ersten Play-off-Teilnahme seit 2010 träumt Chicago nun vom ganz großen Coup - zumal dem Einzug in die Divisional Play-offs vergangene Saison nur ein verschossenes Field Goal samt Doppel-Alu von Cody Parkey (noch im Frühjahr entlassen nach elf vergebenen Field Goals) im Wege stand.

Es bewegt sich was unter Head Coach Matt Nagy, wenngleich sich in der Offense Quarterback Mitch Trubisky (5416 Yards, 31 Touchdowns, zehn Interceptions in seinen ersten beiden Jahren) schon noch steigern darf - und vielleicht auch muss (2018 mit 421 Punkten "nur" der neuntbeste Angriff). Denn womöglich finden Kontrahenten inzwischen etwas besser durch die sicherlich weiterhin gefürchtete Defense, die modernen 'Monsters of the Midway'. Hier sollten Akteure wie Tarik Cohen, Allen Robinson oder Neuzugang Cordarrelle Patterson (ehemals Patriots) noch flexibler agieren, um Gegner zu verwirren. Sicher ist: Insgesamt ist das Team der Bears weiter richtig stark - Play-offs und mehr sind absolut möglich. Wenngleich es ein divisionsinternes Problem gibt (dazu später mehr).

Minnesota Vikings (Vorjahresbilanz 8:7:1)

Kirk Cousins

Steht unter Beobachtung: Vikings-Quarterback Kirk Cousins. imago images

Kassiert hat Kirk Cousins schon einmal ordentlich: 26 Millionen US-Dollar für sein erstes Jahr bei den Vikings. Weitere 28 (2019) und 30 (2020) sind ihm bei seinem Top-Vertrag über 84 Millionen US-Dollar schon sicher - der erste vollgarantierte Vertrag der NFL-Geschichte. Der Ertrag dabei: deutlich zu wenig. Mit einer Bilanz von 8:7:1 verfehlten die Vikes nach dem NFC Championship Game 2017/18 (7:38 gegen Philadelphia, noch mit Quarterback Case Keenum) das Endrunden-Ticket. Die Cousins-Werte allein (4298 Yards, 30 Touchdowns, zehn Interceptions) zeigen dabei nicht, was das Problem ist. Stichwort große Bühne: Mit der Week-14-Pleite in Seattle (7:21) ging eine Horrorserie weiter. Cousins rangiert nun in Primetime-Games bei 5:13, seine Bilanz gegen Teams mit über 50 Prozent Siegen liegt bei 5:25 (2018 bei 1:6), auswärts sieht es in seiner Laufbahn mit 13:23:2 ebenfalls nicht allzu rosig aus - und an Monday Night hat er gar alle sieben Partien seiner siebenjährigen Karriere verloren. Alles Zahlen, an denen der 31-jährige Spielmacher weiter strengstens gemessen wird - und 2019 sich besser steigert. Sonst schmettern die Fans aus Minneapolis und die Kritiker womöglich folgenden Satz: "We don't like that!"

Cousins hat allerdings auch nicht die beste Offensive Line gehabt (40 Sacks kassiert, in Sachen Rushing mit mageren 1493 Yards auf Platz 30), was inzwischen zum Beispiel mit Guard Josh Kline (von den Titans) und Center Garrett Bradbury (1. Runde, 18. Stelle) adressiert ist. Doch auch darüber hinaus gibt es Fragezeichen: Wie inkonstant bleibt die Kicker-Situation in Minneapolis? Liefert Kicker Dan Bailey ab? Kaare Vedvik (kam aus Baltimore), schaffte es jedenfalls nicht, sich als Kicker und Punter zugleich durchzusetzen (Cut). Und wie wird eigentlich Defensive Tackle Sheldon Richardson (Browns) ersetzt? Shamar Stephen steht hier im Fokus. Head Coach Mike Zimmer wird sich mit Sicherheit über all das Gedanken machen - schließlich steht sonst seine Position in der Kritik (seit 2014 im Amt, Play-offs bislang nur 2015 und 2017 erreicht). Außerdem darf sich kein Fehlstart erlaubt werden (gegen Atlanta, in Green Bay, gegen Oakland, in Chicago). Klar ist aber auch, dass die Vikings über eine starke Abwehr (Defensive Ends Danielle Hunter, Everson Griffen, der doch nicht gewechselte Linebacker Anthony Barr und die Cornerbacks Xavier Rhodes, Trae Waynes) und über ein starkes Passempfänger-Corps (Receiver Adam Thielen und Stefon Diggs, Tight End Kyle Rudolph) groß aufspielen können. Für letztere Athleten ist eben wieder Cousins zuständig - also jener top-bezahlter Quarterback, der endlich auch einmal über die volle Saison stark sein soll.

Green Bay Packers (Vorjahresbilanz 6:9:1)

Aaron Rodgers

Gute oder schlechte Laune 2019? Aaron Rodgers und die Green Bay Packers wollen und können wieder angreifen. imago images

13 Titel in der NFL-Geschichte, darunter vier Super Bowls, 32 Play-off-Teilnahmen seit 1936 - und seit zwei Jahren ohne Endrunden-Auftritt (schlechtestes Abschneiden seit 1990/91). Das passt aus Sicht der Packers (13:18:1 in den vergangenen zwei Jahren) ganz und gar nicht zusammen, erst recht nicht für den nach der Saison mediel kritisierten Star-Quarterback Aaron Rodgers, der selbst noch nie zweimal in Folge die Play-offs verpasst hat. Also was tun? Einige Antworten darauf haben offenkundig die Bosse gefunden: Der langjährige Trainer Mike McCarthy (55) wurde vor die Tür gesetzt, Matt LaFleur (39) nach zehn NFL-Assistenzjahren als neuer Head Coach installiert - und altgediente Lieblinge wie Linebacker Clay Matthews (Rams), Receiver Randall Cobb (Cowboys) oder Defensive Tackle Mike Daniels (Lions) mussten aufgrund von Cap-Angelegenheiten weichen. Hiermit konnte in der Free Agency unter General Manager Brian Gutekunst (Nachfolger des zuletzt immer lauter kritisierten und in der Free Agency immer ruhig agierenden Ted Thompson) ordentlich investiert werden: Outside Linebacker Za'Darius Smith (vier Jahre, 66 Mio. US-Dollar) und Preston Smith (vier Jahre, 52 Mio.), Strong Safety Adrian Amos (vier Jahre, 37 Mio.), Offensive Lineman Billy Turner (vier Jahre, 28 Mio.). Mit beiden First-Round-Picks wurde außerdem in die Rookies Rashan Gary (24. Stelle, Outside Linebacker) und Darnell Savage (21., Safety) investiert.

In erster Linie hängt aber vieles an "Gunslinger" Rodgers, wenngleich dessen persönlich schlechtestes komplettes Jahr 2018 (25 Touchdowns, nur zwei Interceptions) für viele andere Quarterbacks dieser Liga top gewesen wäre. Es wird spannend sein, wie die neue Offense der Packers aussieht. Mehr Rushes über den starken Aaron Jones sowie Jamaal Williams dürften genauso wie variantenreiche Schemen Einzug finden. Doch gleichzeitig müssen sich Trainer LaFleur und "A-Rod", der sich selbstredend nicht wieder verletzten darf, auch bestens verstehen - schließlich erkennt der Spielmacher von "The Pack" auch oft auf eigene Faust Möglichkeiten und narrt Abwehrreihen. Dazu benötigt er dann aber auch neben Top-Receiver Davante Adams weitere "Rising Stars" wie Jake Kumerow, Marquez Valdes-Scantling, Geronimo Allison oder den Rodgers-Privatjet-Gast sowie Deutsch-Amerikaner Equanimeous St. Brown (auf IR, verpasst die gesamte Saison). "Wir haben definitiv einen der tiefsten Roster der vergangenen Jahre", sagt Rodgers selbst - und ergänzt: "Einige Jungs haben das Zeug dazu, es ins Team zu schaffen. Ich bin äußerst angetan von dieser Gruppe."

Detroit Lions (Vorjahresbilanz 6:10)

Matt Patricia

Geht ins zweite Jahr bei den Lions: Matt Patricia. imago images

Den letzten von vier NFL-Titel 1957 gewonnen und außerdem seit 2016 ohne Play-off-Auftritt: Die Detroit Lions durchschreiten ein tiefes Tal - da hat auch ein vor Jahren vollzogener Top-Vertrag für Quarterback Matthew "Matt" Stafford genauso wenig geholfen sowie die Verpflichtung von Matt Patricia als neuen Head Coach im vergangenen Jahr (4:10 zum Start). Der langjährige und höchst erfolgreiche Defensive Coordinator der Patriots (2012-2017) genießt aber vollste Wertschätzung. Ihm wird zugetraut, aus dem NFC-North-Restmaterial wieder die erste Geige zu bauen. Doch wie - zumal unter dem früheren Trainer Jim Caldwell zwischen 2014 und 2017 im Schnitt neun Siege und zwei Play-off-Teilnahmen eingefahren wurden? Es scheint auf folgendes Prinzip gesetzt worden zu sein: Via anfänglichem Rückschritt unter Patricia soll es nun nach vorn gehen, so die Devise.

Zumal Verbesserungen deutlich zu erkennen waren: Im zweiten Abschnitt der 2018er Regular Season hat die Defense nur noch 18,3 Punkte im Schnitt kassiert und unter anderem 17:3 bei den Cardinals sowie 31:0 (!) bei den Packers gewonnen. Mit dem zweimaligen Super-Bowl-Sieger Trey Flowers (Defensive End, fünf Jahre, 90 Mio. US-Dollar) hat sich das Gebilde außerdem noch verstärkt - genauso könnte der aus Green Bay gekommene Defensive Tackle Daniels eine Rolle spielen. Für den in zehn Jahren noch ohne Play-off-Sieg dastehenden Spielmacher Stafford (31), von dem mehr Konstanz verlangt wird, gibt es mit den Tight Ends T.J. Hockenson (Erstunden-Pick, 8. Stelle) und Jesse James neues Material. Außerdem ist die Defensive Line bärenstark - genauso wie Kicker Matt Prater (87,5 Prozent Erfolgsquote). In "Motor City" hat man aber auch eingebüßt: Defensive End Ziggy Ansah (48, 5 Sacks in sechs Jahren) ist bei den Seahawks, Offensive Guard T.J. Lang (früher Green Bay) hat aufgehört. Außerdem glänzte die Secondary um Cornerback Darius Slay zuletzt wenig: nur sieben Interceptions bedeuteten Platz 29. Auch Forced Fumbles glückten wenige (elf, 24. Rang). Wenn aber in der Saison jedes Rad ins andere greift und Head Coach Patricia den Kader auch mit noch größerer Autorität zusammenhält, dann ist was möglich.

Die NFC-North-Besonderheit

Klar ist bei all diesen Stories auch eins - vor allem weil die NFC North von Rivalität lebt: Diese Division könnte eine der härtesten 2019 werden und somit letztlich nur dem Champion das Play-off-Ticket sichern. Denn sollten Bears, Vikings, Packers und Lions jeweils stark auftreten, klauen sie sich gegenseitig die Siege. Mit einer Wild Card wird es dann mit ziemlicher Sicherheit extrem schwierig.

mag

Die Head Coaches und Coordinators der 32 NFL-Teams