Lutz Michael Fröhlich über die nicht gegebenen Elfmeter auf Schalke

"Perisic orientiert sich schon deutlich zum Ball"

Ivan Perisic

Bekommt Daniel Caligiuris Freistoß an den Arm: Ivan Perisic. imago images

Als erstes und als letztes war es David Wagner nach dem Topspiel am Samstagabend wichtig, dem FC Bayern zum "verdienten Sieg" auf Schalke zu gratulieren. Hängen blieb aber vor allem seine zarte Kritik an Schiedsrichter Marco Fritz: "Jetzt mal ganz ehrlich: Ich bin einfach auf die Erklärung gespannt, denn ich verstehe das für den Moment nicht."

Wagner verstand nicht, warum Fritz sowohl beim Handspiel von Benjamin Pavard als auch beim Handspiel von Debütant Ivan Perisic nicht einmal zur Review-Area gegangen war, um sich ein genaues Bild zu verschaffen. Fritz erklärte später, es habe in beiden Situationen "eine Kommunikation mit Köln" gegeben, "jede Situation wurde überprüft. Ich bin nicht rausgeschickt worden, weil es keine 100-prozentig falsche Entscheidung war."

Einen Tag später nahm Lutz Michael Fröhlich, Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter beim DFB, beim "Doppelpass" auf "Sport1" Platz, verteidigte und korrigierte Fritz zugleich. Die erste strittige Szene, als Matija Nastasic Pavard den Ball an den Arm köpfte, sei "sehr kritisch aufzulösen, weil der Spieler sich in einer Drehbewegung befindet und er keine klare Orientierung zum Ball hat. In dieser Situation sieht der Schiedsrichter zwar, dass der Arm weit abgespreizt ist, aber die Frage ist auch - und das ist der zweite Aspekt im Regelwerk -, ob es eine unnatürliche Bewegung war. Wenn man sieht, dass es eine Drehbewegung des Spielers ist, die im ersten Bild sehr unscheinbar aussieht, ohne Orientierung zum Ball, dann kann man schon dafür Verständnis haben, dass der Schiedsrichter diesen Vorgang am Ende als 'nicht strafbar' einordnet."

Beim Handspiel von Perisic wurde Fröhlich deutlicher: "Das ist für uns der kritischste Fall, weil hier die Bewegung des Spielers zum Ball augenscheinlicher ist. Das sehe ich bei der Handspiel-Situation mit Pavard nicht ganz so. Perisic orientiert sich schon deutlich zum Ball und führt den Arm etwas in dessen Richtung. Die Frage ist letztendlich: 'Inwieweit hat der Schiedsrichter diese Situation tatsächlich erfasst?'"

Fröhlichs Fazit: Ein "On-Field-Review" wäre "in beiden Fällen wahrscheinlich die beste Lösung gewesen. Aber hierzu ist es notwendig, dass man sich die Kommunikation noch einmal anhört, wie genau diese zwischen Schiedsrichter und Video-Assistent abgelaufen ist. Wir sehen auch, dass der Schiedsrichter in der Situation mit Perisic selbst eine sehr gute Sicht auf die Dinge hatte - bei Pavard ist es anders. Am besten wäre es gewesen, bezogen auf die Überzeugungskraft und Außenwirkung, wenn sich der Schiedsrichter zu beiden Situationen selbst noch ein Bild gemacht hätte. Ob der Schiedsrichter dann aufgrund des Bildmaterials zu anderen Entscheidungen gekommen wäre, ist eine andere Frage."

mkr

Bilder zur Partie FC Schalke 04 - Bayern München