"Das Problem ist die Grauzone"

Deutsche Spitzenpolitiker sprechen sich erneut für eSport aus

DebattleRoyale2019: Fünf Spitzenpolitiker diskutierten beim Debatt(l)e Royale über eSport und Gaming.

DebattleRoyale2019: Fünf Spitzenpolitiker diskutierten beim Debatt(l)e Royale über eSport und Gaming. kicker eSport

Eigentlich ist eine Diskussion, in der führende Politiker zusammenkommen und sich mit eSport beschäftigten, etwas außergewöhnlich Gutes. Eigentlich. Wenn sich dann aber alle einig sind und statt Fortschritt nur guter Wille demonstriert wird, verpufft alles Gute sofort wieder. Das diesjährige Debatt(l)e Royale auf der gamescom hatte viel Verpuffungswert.

Schon vor einem Jahr standen sich Politiker von CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke gegenüber, um sich mit Gaming und eSport zu befassen. Bereits damals herrschte der Konsens: Wir wollen diese moderne Szene fördern.

In eine ähnliche Kerbe schlugen Paul Ziemiak (CDU), Lars Klingbeil (SPD), Linda Teuteberg (FDP), Michael Kellner (Bündnis 90/Die Grünen) und Jörg Schindler (Die Linke) dieses Jahr. Die Einigkeit war groß bei den meisten Themenfeldern, auch wenn die Oppositionsparteien vereinzelt verbal gegen die Bundesregierung austeilte.

Gemeinnützigkeit für eSport-Vereine?

Kellner forderte zu Beginn der Debatte eine Unterstützung von eSport in der Vereinsumgebung. In Sportklubs, aber auch Schulen, solle eSport ebenso angeboten werden, wie Fußball oder Basketball.

Eng verbunden damit ist die Gemeinnützigkeit von eSport-Vereinen. Sollte die Bundesregierung in der Abgabenverordnung eine entsprechende Klausel einfügen, würde eine große finanzielle Last von den Vereinen fallen und der Aufbau von Breitensport gefördert. Das unterstützen die Spitzenpolitiker. Für Luftsprünge auf Klubseite ist es aber noch zu früh. Paul Ziemiak fasste es in Worte: "Das Problem ist die Unklarheit, die Grauzonen zwischen gemeinnützigen und kommerziellen Vereinen." Er betonte die Notwendigkeit einer Kriterienliste, die einordnet, wann ein Verein mit Gaming-Angebot gemeinnützig ist. Das wird allerdings eine Menge Zeit in Anspruch nehmen und hilft den Vereinen erst Mal nicht weiter.

Politiker kritisieren DOSB

Ebenfalls Thema der Debatte war die Anerkennung von eSport als Sport. Die Parteien sehen dabei weiterhin den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Verantwortung. Der Verband sträubte sich zuletzt aber noch deutlich, diesen Schritt zu gehen. Das kritisierten insbesondere Michael Kellner und Lars Klingbeil. Für Kellner ist das Verhalten des DOSB eine "Fehlentscheidung", Klingbeil forderte ein "progressiveres" Vorgehen, also eine dauerhafte Weiterentwicklung. Die traditionellen Sportstrukturen würden es bereuen, wenn sie diesen Sprung in die Moderne verpassen, so der SPD-Politiker. Er warnte zudem davor, zwischen eSport und eGaming zu unterscheiden, wie es der DOSB handhabt.

Nach der Debatte bleibt die Frage, was die Parteien nun machen werden. Konkrete Besserungen konnten die Politiker nur beim Thema Visa für eSportler versprechen. Die sollen zukünftig einfacher vergeben werden. Ansonsten gleichen die Ansichten jedoch denen aus dem Vorjahr. Und viel hat sich seitdem nicht geändert. Ob es in zwölf Monaten besser aussieht - da sind selbst die Politiker skeptisch. Und so bleibt das Debatt(l)e Royale über eSport für den Moment nicht mehr als ein positives Zeichen aus der Politik.

Christian Mittweg