Voss-Tecklenburg über ihre WM-Erkenntnisse

"Das System der 'offenen Tür' hat nur bedingt funktioniert"

Martina Voss-Tecklenburg

Will ihren Spielerinnen künftig mehr Feedback geben: Martina Voss-Tecklenburg (Mitte). picture alliance

Stabilität war das entscheidende Wort in der Nachbetrachtung einer aus deutscher Sicht insgesamt enttäuschenden Frauen-Weltmeisterschaft im Juni in Frankreich. Für das DFB-Team war bereits im Viertelfinale gegen Schweden Endstation. Die 1:2-Niederlage in Rennes am 29. Juni bedeutete auch gleichzeitig, dass das Minimalziel - die Qualifikation für Olympia 2020 in Tokio - nicht erreicht wurde.

"Wir brauchen mehr Stabilität und eine stabile Achse", sagte Martina Voss-Tecklenburg am Dienstag in Frankfurt. Die Bundestrainerin forderte aber auch "mehr mutige Entscheidungen" auf dem Platz und eine "größere Widerstandsfähigkeit. Wir müssen die Spielerinnen stärken." Diese Punkte hatte die 51-Jährige mit ihrem Trainerteam für das (zu) frühe Aus in Frankreich ermittelt.

Weitere Gründe: Die kurze Vorbereitungszeit, die Kommunikation

Aber auch die kurze Vorbereitungszeit sei ein Faktor dafür gewesen, warum bei dem Turnier nicht alles nach Plan lief. Voss-Tecklenburg hatte erst Ende November ihre Arbeit beim DFB als Nachfolgerin von Interimscoach Horst Hrubesch aufnehmen können und danach lediglich in vier Testspielen gegen Frankreich, Schweden, Japan und Chile Zeit gehabt, um ihre Formation für die WM zu finden.

Außerdem habe die Kommunikation während der vierwöchigen Turnierphase nicht reibungslos geklappt. "Das System der 'offenen Tür' hat nur bedingt funktioniert", gibt Voss-Tecklenburg zu und folgert: "Wir müssen zukünftig mehr auf die Spielerinnen zugehen, ihnen mehr Feedback geben."

Wir wollen den eingeschlagenen Weg weitergehen, werden aber nicht den Anspruch haben können, permanent auf Top-Niveau zu spielen.

Martina Voss-Tecklenburg

Insgesamt sei der Weg, den das neue Trainerteam seit November eingeschlagen habe, aber der richtige, um erfolgreich zu sein bzw. wieder zu werden, ist die Bundestrainerin überzeugt. "Wir wussten, dass wir im Umbruch sind. Und die WM gehört zu diesem Prozess dazu. Wir wollen den eingeschlagenen Weg weitergehen, werden aber nicht den Anspruch haben können, permanent auf Top-Niveau zu spielen", blickte Voss-Tecklenburg nur bedingt optimistisch in die Zukunft.

In der kommenden Woche will das Trainerteam seine erarbeiteten WM-Erkenntnisse auch der Mannschaft vorstellen. Am Montag treffen sich die Nationalspielerinnen zur Vorbereitung auf das erste Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft 2021 in England. Gegner am 31. August (12.30 Uhr) in Kassel ist Montenegro. Und Voss-Tecklenburg hat ihren Kader nur in Nuancen verändert.

Torhüterin Almuth Schult (VfL Wolfsburg) und Innenverteidigerin Marina Hegering (SGS Essen) fallen verletzungsbedingt aus. Die Wolfsburgerin Lena Goeßling hatte nach der WM ihren Rücktritt aus dem DFB-Team erklärt. Torhüterin Lisa Schmitz (HSC Montpellier), Felicitas Rauch (VfL Wolfsburg) sowie Lena Lattwein (TSG Hoffenheim), die alle aus dem WM-Kader gestrichen worden waren, sind wieder nominiert worden.

Gunnar Meggers