Italienisches "Enfant Terrible" ist zurück in Italien

Balotelli: "... dann war es nicht schwierig, Brescia zu wählen"

Mario Balotelli

Zurück in Italien - und zwar in seiner Heimat Brescia: Mario Balotelli. imago images

Mit langen, silbernen und mit Kreuzen versehenen Ohrringen sowie einem breiten Grinsen im Gesicht präsentierte sich Mario Balotelli am Montag den Medien bei seiner offiziellen Vorstellung bei Brescia Calcio, winkte zudem aus dem Fenster in Richtung der frenetisch feiernden Fans.

Der Stürmer wirkte dabei voller Tatendrang und gab unter anderem Folgendes an: "Der Präsident (Massimo Cellino; Anm.d.Red.) und ich hatten uns schon einmal in England vor vielen Jahren getroffen. Am Ende hat Mino Raiola (Berater von Balotelli, Zlatan Ibrahimovic, Paulo Pogba, Gianluigi Donnarumma oder Romelu Lukaku; Anm.d.Red.) in diesem Transferfenster die Idee vom Wechsel aufgebracht - und dann war es für nicht mehr schwierig, Brescia zu wählen."

Der Hintergrund liegt bei einem genaueren Blick auf der Hand: Balotelli ist zwar als Sohn ghanaischer Immigranten (Thomas Barwuah und Rose) in Palermo, Hauptstadt der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien, geboren. Aufgewachsen ist er allerdings im nördlichen Italien in der Lombardei - in Brescia. Denn 1993 und damit zwei Jahre nach seiner Geburt wurde der Sprössling einst in die Obhut der Familie Balotelli aus Concesio in der Provinz Brescia gebracht, wo der kleine Mario aufwuchs und den Fußball lieben lernte.

Balotelli spricht über seine Eltern

Mario Balotelli

Der Mann am Fenster: Mario Balotelli. imago images

Sorge, nun auf heimischem Boden scheitern zu können, verspührt Balotelli nicht: "Ich habe nullkommanull Angst. Mein Ziel ist es, dem Team beim Wachsen zu helfen, meine Teamkameraden zu unterstützen und sie von mir zu überzeugen - und zwar so gut es geht."

Sein Schritt zurück nach Italien hat dennoch reichlich Emotionen hervorgerufen: "Ich habe wahrscheinlich mehr Zeit in meiner Karriere außerhalb Italiens verbracht. Meine Mutter (Pflegemutter Silvia; Anm.d.Red.) hat deswegen geweint, als ich ihr von der Möglichkeit erzählt habe, nach Brescia zu kommen. Ich fragte sie, was sie davon halten würde - und sie hat direkt angefangen zu weinen. Sie ist aktuell sehr glücklich. Mein Vater stammte direkt aus Brescia, unterstützte das Team in seinem Leben. Sein Wunsch war es immer, mich im Trikot dieses Klubs zu sehen - also denke ich, er wäre jetzt ebenfalls glücklich." Im Jahr 2015, während Balotellis Zeit beim FC Liverpool, war Ziehvater Francesco Balotelli gestorben.

"Du kannst nicht von jedem geliebt werden..."

Was die in den vergangenen Jahren immer wieder aufgetauchten Schlagzeilen rund um seine Person angeht (z.B. erfahrener Rassismus von den Rängen, Beiträge auf Social Media, verpasster Trainingsauftakt in Nizza 2018/19), sagte Balotelli, der die italienische Staatsbürgerschaft erst im Alter von 18 erhalten hatte (er wurde offiziell nicht adoptiert; Anm.d.Red.) nur so viel: "Ich gucke nicht wirklich TV oder lese Berichterstattungen über mich. Wenn es negative Storys über mich gibt, dann erzählen mir das immer andere Leute - und daran bin ich inzwischen längst gewöhnt. Du kannst nicht von jedem geliebt werden..."

Mehrere Jahre unter Vertrag

Sein Wechsel zum Serie-A-Aufsteiger hatte bereits am Sonntag die Runde gemacht - und in der Lombardei rund um Brescia einen Sturm der Vorfreude ausgelöst. Fans verbreiteten zum Beispiel via Twitter zahlreiche Botschaften. Balotelli, der zuletzt für Olympique Marseille spielte, kam ablösefrei zu den Biancazzurri (Weiß-Blauen), zur La Leonessa (Die Löwin), und unterschrieb einen Vertrag über mehrere Jahre.

Der Traum von der EURO 2020

In Erinnerung ist Balotelli bei vielen Deutschen vor allem wegen der EM 2012 geblieben, als der bullige Angreifer mit zwei Toren das deutsche Aus im Halbfinale besiegelt und mit nacktem Oberkörper und angespannten Muskeln gefeiert hatte. Insgesamt legte Balotelli eine kleine Europa-Tour zurück. Der inzwischen 29-Jährige, der immer wieder für Eskapaden auf und neben dem Platz gesorgt hatte, spielte für Inter und AC Mailand, Manchester City, den FC Liverpool, OGC Nizza und zuletzt Marseille. Sein großes Talent deutete er dabei oftmals nur an.

Mario Balotelli

Doppelpack gegen Deutschland 2012: Mario Balotelli. imago images

Für Italien bestritt er 36 Länderspiele und erzielte dabei 14 Tore. Seit September 2018 wurde er vom neuen Nationaltrainer Roberto Mancini, der das "Enfant Terrible" noch aus gemeinsamen ManCity-Zeiten kennt, nicht mehr berücksichtigt.

Schluss soll mit dem Traum von der Nationalmannschaftsrückkehr aber noch nicht sein, das stellte Balotelli an diesem Montag ebenfalls klar: "Ich habe mit absoluter Gewissheit das Ziel in die Augen gefasst, bei der EURO 2020 Teil des italienischen Kaders zu sein. Ich habe auch schon mit Mancini gesprochen, als er mir zum Geburtstag gratuliert hat (12. August; Anm.d.Red.)."

Die Zuversicht für dieses Unterfangen zieht der Stürmer aus der Tatsache, ab sofort "daheim" zu sein: "Brescia ist meine Stadt - und das gibt mir mehr als jeder andere Ort, genauso hoffe ich, dass ich Brescia mehr geben kann als jedem anderen Ort."

mag

Mario Balotelli: Das italienische "Enfant Terrible"