Union kann sich das 0:4 gegen Leipzig nicht erklären

Fischers Forderung: "Einsehen, dass es so nicht geht"

Urs Fischer

Hatte keine Erklärung für die schwache Vorstellung beim 0:4 gegen Leipzig: Union-Coach Urs Fischer. imago images

Alles ist bekanntlich relativ, und deshalb erzählte Urs Fischer am Tag nach der deutlichen Niederlage gegen RB Leipzig auch, dass er als Spieler mal mit dem FC Zürich 1:6 gegen Sion und gar 1:9 gegen Xamax Neuchatel verloren habe. "Solche Resultate", sagte der Trainer des 1. FC Union Berlin, "vergisst du nicht so schnell." Gegen diese Klatschen wirkt das 0:4 gegen Leipzig im ersten Bundesligaspiel mit Union moderat. Und dennoch hat auch diese Niederlage Spuren hinterlassen.

"Auf dem Boden angekommen", "ernüchtert": Diese Worte wählte Fischer, um zu beschreiben, wie er am Morgen nach dem misslungenen Start in das Abenteuer Bundesliga die Stimmung seiner Spieler beim Auslaufen erlebt habe. Das klare Resultat war dabei das eine, die Art und Weise der Niederlage das andere. Von der Stabilität, der Ordnung und der Aggressivität, welche die Mannschaft in der vergangenen Zweitliga-Saison ausgezeichnet hatte, war beim Aufsteiger im Duell mit dem Champions-League-Teilnehmer aus Sachsen nichts zu sehen.

"Nicht genügend, schlecht, chancenlos": Fischer findet deutliche Worte

"Was uns am meisten enttäuscht, ist, dass wir das, was wir von uns gewohnt sind, nicht abrufen konnten", sagte Fischer, bevor er dann ungewohnt deutlich wurde. "Es war einfach nicht gut. Nicht genügend, schlecht, chancenlos - das kann man sagen, wie man will", meinte der 53-Jährige über den Auftritt seiner Mannschaft, der er zudem zu Recht attestierte, gerade im Spielaufbau "naiv oder unvorsichtig" agiert zu haben.

Wir haben im Gesamten nicht das hinbekommen, was wir hätten liefern müssen.

Union-Trainer Urs Fischer nach dem 0:4 gegen Leipzig

Für die Defizite lieferte der Trainer allerdings auch auf Nachfrage keine Erklärung, und "auch die Jungs haben keine Antwort", meinte er. Falsche taktische Entscheidungen habe man jedenfalls nicht getroffen. Dann vielleicht personelle? "Die Tagesform eines Spielers kann ich nicht beeinflussen", sagte Fischer und betonte lieber: "Wir haben im Gesamten nicht das hinbekommen, was wir hätten liefern müssen."

Wichtiger als derartige Diskussionen sei ohnehin, "dass wir einsehen, dass es so nicht geht" und dass man sich "schnellstmöglich zurechtfinde" in der höchsten deutschen Spielklasse. Idealerweise sollen Fortschritte bereits am kommenden Samstag in Augsburg (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) zu sehen sein.

Erst in Augsburg - und dann gegen Europapokal-Anwärter

Um neue Zuversicht zu schöpfen, brauche es vor allem eine andere Vorstellung als noch beim Ligastart. Auch angesichts des weiteren Programms nach dem Auswärtsspiel beim FCA - es folgen die Partien gegen Dortmund und Bremen sowie in Leverkusen und gegen Frankfurt - würde ein Punktgewinn "natürlich guttun. Aber in erster Linie geht es mal darum, das auf den Platz zu bekommen, wo du sagen kannst: Damit können wir leben", sagte Fischer.

Die unerwartet deutliche Niederlage gegen Leipzig überlagerte bei den Eisernen im Übrigen alles. So auch die Auslosung im DFB-Pokal, die während des Spiels am Sonntagabend über die Bühne gegangen war. Dass Union erneut auswärts antreten muss und es mit Ligarivale SC Freiburg zu tun bekommt, war für die Eisernen zunächst nur eine Randnotiz. "Ich habe es gestern irgendwo nach dem Spiel gehört, aber eigentlich nicht zur Kenntnis genommen. Wir hatten gerade 0:4 gegen Leipzig verloren. In dem Moment war mir die Auslosung - mit Verlaub - egal", sagte Fischer und meinte: "Ich hätte uns ein Heimspiel gegönnt. Eine einfache Aufgabe sieht ganz anders aus."

Ein besonderes Spiel für Schlotterbeck

Für Freude könnte die Nachricht in Köpenick allenfalls bei Keven Schlotterbeck gesorgt haben, trifft der aus Freiburg ausgeliehene Innenverteidiger doch nun binnen eineinhalb Wochen in der Liga und im Pokal auf seinen jüngeren Bruder Nico, der im Breisgau unter Vertrag steht. Fischer hingegen konnte am Montag auch die Bemerkung, dass der Pokal-Spielort Freiburg immerhin nahe seiner Schweizer Heimat liege, keine Jubelstürme entlocken. "Ich komme ja von Berlin", konterte der Coach mit einem Schmunzeln.

Jan Reinold

Bilder zur Partie 1. FC Union Berlin - RB Leipzig