Stuttgarts Trainer kann mit den beiden Abwehrspielern gegen Aue rechnen

Entwarnung bei Stenzel und Kempf

Marc Oliver Kempf und Pascal Stenzel

Werden wohl beide in Aue auflaufen können: Marc Oliver Kempf (l.) und Pascal Stenzel. imago images

Die Freude über den späten Sieg war kurzzeitig spürbar eingetrübt. Würde der sowieso vom Verletzungspech drangsalierte VfB in naher Zukunft auch auf zwei weitere Stammkräfte verzichten müssen? Doch sowohl Kempf als auch Stenzel gaben noch beim Verlassen des Stadions eine erste Entwarnung. "Nix Wildes", seien die Oberschenkelprobleme, die den Kapitän zur Auswechslung zwangen. "Halb so wild", empfand sein Kollege Rechtsverteidiger das Ziehen in der linken Hüfte, das ihn zur Aufgabe zwang.

Entsprechend erleichtert wirkte Walter auch am Sonntag, den die beiden Abwehrspieler stressfrei im Kraftraum verbrachten. Am Dienstag sollen sie wieder ins Training einsteigen. "Alles gut", so der 43-Jährige. "Die Muskeln sind zugegangen. Bei Pascal wegen einer Grätsche, bei Kempfi nach einer blöden Bewegung. Wenn der Kopf müde ist, werden die Beine müde." Eine Entwicklung, die nur allzu verständlich sei, nachdem sich die zwei Führungsspieler im Dauereinsatz befinden. "Es ist extrem viel, was auf sie einprasselt", erklärt Walter. "Da bekommen sie das Gefühl, dass sie müde werden." Ein Gefühl, kein Fakt für den Coach, der entsprechend dagegen anarbeitet. "Indem man sie immer wieder im Training überfordert", verrät der VfB-Trainer. "Über Spielformen, in denen sie lernen, Abläufe zu automatisieren. Irgendwann haben sich Kopf und Körper angepasst. Dann werden die Beine auch nicht mehr müde."

"Solche Siege sind ganz, ganz wichtig für eine Saison."

Sven Mislintat

Das beste Gegenmittel gegen Müdigkeit sei dennoch ein anderes: Erfolg. Einen ganz besonderen habe es am Samstag gegeben. "Solche Siege sind ganz, ganz wichtig für eine Saison", sagt Sven Mislintat. "Jeder hat gesehen, dass wir in der ersten Halbzeit Probleme hatten." Das habe auch die Mannschaft gespürt, die durch den Trainer in der Pause eine passende Hallo-wach-Kur verpasst bekam. "Tim hat in der Pause super reagiert in seiner Emotionalität und Analyse. Er hat einen ganz großen Teil dazu beigetragen, das Spiel in die richtige Richtung zu drehen", lobt der Stuttgarter Sportdirektor, der das Kompliment auch ausweitet. "Das geht nicht, ohne die richtige Einstellung, die richtige Mentalität der Jungs."

Der Anpfiff in der Pause durch den Coach, den dieser "human und bestimmend" nennt, hat jedenfalls gewirkt und eine wichtige Erkenntnis geliefert. Der mühsame Erfolg über die Hamburger, der den VfB erst einmal auf Platz 2 geführt hat, sei deswegen wertvoll, "weil die drei Punkte nicht nur durch individuelle und mannschaftstaktische Klasse geholt wurden, sondern mit Herz, Mentalität und Leidenschaft". Für Mislintat das beste Zeichen für eine funktionierende Gemeinschaft. "Wenn wir an Spieltagen, an denen es nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, auf diesem Weg gewinnen können, dann haben wir vieles richtig gemacht und eine tolle Truppe. Das hat man diesmal wieder gesehen."

George Moissidis