Kletter-Weltmeisterschaften in Hachioji/Japan

WM-Silber im Lead-Klettern: Megos nur Zentimeter hinter Ondra

Alexander Megos

Holte Silber im Lead-Klettern bei der WM im japanischen Hachioji: Der Erlanger Alexander Megos. picture-alliance

Der Tscheche erreichte an der überhängenden Wand einen Griff mehr als Megos. 34 Griffe erreichte Ondra, Megos streckte sich nach 33 Griffen nach der Goldmedaille, doch in der extrem schwierigen Querpassage rutschte ihm der linke Fuß weg - Sturz ins Seil zu Silber.

Auf dem Boden wieder angekommen, blickte Megos für einige, lange Augenblicke ins Leere, wohlwissend, dass Gold sprichwörtlich in Reichweite war. Kurz darauf umarmten sich Ondra, Megos und der österreichische Bronze-Gewinner Jakob Schubert und gratulierten sich gegenseitig zu ihren fast gleichwertigen Darbietungen. Megos und der Titelverteidiger Schubert lagen im Finale gleichauf, der Erlanger holte den zweiten Platz aber aufgrund der besseren Platzierung im Halbfinale (40 zu 30). Die drei Medaillengewinner gelten als die besten Kletterer der Welt.

Ich hätte gedacht, dass Alex gewinnt. Er war so stark. Ich bin glücklich, weiß aber, dass ich nur wegen des Fehlers von Alex gewonnen habe.

Adam Ondra

Als Gewinner des Halbfinales war Megos bei der Entscheidung der letzte von acht Startern - Ondra hatte mit 34 erreichten Griffen vorgelegt, Schubert schaffte einen weniger. "Ich hätte gedacht, dass Alex gewinnt", sagte Weltmeister Ondra danach. "Er war so stark. Ich bin glücklich, weiß aber, dass ich nur wegen des Fehlers von Alex gewonnen habe."

"Am Ende hatte ich nicht mehr genug Power", berichtete Megos der dpa nach dem Wettkampf. "Es war in Griffweite", sagte auch Bundestrainer Urs Stöcker und ärgerte sich über die verpasste Möglichkeit. Aber das war Hadern auf hohem Niveau. "Alex war der fitteste im ganzen Feld", resümierte Stöcker. Weil sein Schützling aber schlecht in die Route reinkam, früh etwas patzte und dabei Kraft vergeudete, reichte es nicht zu Gold. "Ich habe zwei, drei Fehler eingebaut. Aber eine WM-Medaille ist immer ein Gewinn. Da muss ich glücklich sein", so Megos.

Ich habe zwei, drei Fehler eingebaut. Aber eine WM-Medaille ist immer ein Gewinn. Da muss ich glücklich sein.

Alex Megos

Der Aachener Yannick Flohé hatte am Dienstag WM-Bronze im Bouldern geholt und dem DAV das erste Edelmetall beschert. Weil Megos da nicht unter die Top 20 kam, stand er in seiner Paradedisziplin unter Druck. "Er musste einen raushauen und einen Spitzenplatz erreichen", erklärte Bundestrainer Stöcker im Hinblick auf die Olympia-Quali.

Am Freitag ist bei der WM ein Ruhetag, ehe am Samstag der Speed-Wettkampf ansteht. Nach den drei Einzel-Disziplinen Speed (15 Meter-Wand auf Tempo), Lead (klassisches Vorstiegsklettern mit Seilsicherung) und Bouldern (Klettern ohne Sicherung in Absprunghöhe) werden die Ergebnisse der Athleten miteinander verrechnet. Die 20 Besten bestreiten dann eine Qualifikation mit nochmal allen drei Disziplinen um den Einzug in das Finale. Am Ende sichern sich die besten sieben Athleten ihr Ticket für die Sommerspiele in Tokio.

Nur in diesem Dreikampf, der "Olympic Combined" getauft wurde, werden 2020 in Tokio zum ersten Mal Olympiamedaillen vergeben.

Frauen: Janja Garnbret auch im Lead-Klettern eine Klasse für sich

Klettert in ihrer eigenen Liga: Die Slowenin Janja Garnbret gewann auch den Lead-Wettbewerb der Frauen.

Klettert in ihrer eigenen Liga: Die Slowenin Janja Garnbret gewann auch den Lead-Wettbewerb der Frauen. picture-alliance

Am Mittwoch hatte sich bei dem Frauen Janja Garnbret schon Gold im Boulder-Wettkampf um den Hals gehängt, am Tag danach folgte der erste Platz im Lead-Wettbewerb. Die 20-jährige Slowenin ist derzeit eine Klasse für sich und ließ die Konkurrenz abermals hinter sich.

Dabei feierte Slowenien auch dank Mia Krampl mit der Silbermedaille einen Doppelsieg, der dritte Platz ging an die Japanerin Ai Mori.

bst