Fünf Titel mit den Lakers, für immer mit Bird verbunden

Ein Mann, ein Lächeln, ein Name: Magic wird 60

Earvin

Magische Hände: Earvin "Magic" Johnson gilt als bester Spielmacher der Basketball-Geschichte. imago images

Der Profisport, ein Zirkus der Extreme, lebt auch von großen Namen. Und vielleicht wäre Earvin Johnson Jr. nur ein ziemlich guter Spieler geworden, zumindest keiner, von dem auch 30 Jahre nach seiner Karriere selbst heranwachsende Basketballer mindestens schon einmal gehört haben. Ja, wenn Earvin denn Earvin geblieben wäre.

Per Triple-Double zum Spitznamen

Johnson war noch grün hinter den Ohren, als er als 15-jähriger Sophomore für die Everett High School einen seiner unvergesslichen Abende erwischte und Reporter Fred Stabley Jr. vom Lansing State Journal angesichts der Art und Weise, wie das Triple-Double von 36 Punkten, 18 Rebounds und 16 Assists zustande gekommen war, erstmals von "Magic" schrieb.

Namen verpflichten. Und wenn du als Teenager Magic getauft wirst, ist das eine Bürde, an der du auch zerbrechen kannst. Erst recht, wenn dir - und deinem Rivalen, der ein Leben lang dein Rivale bleiben sollte - zudem nahegelegt wird, dass du doch bitte auch eine krisengebeutelte NBA retten sollst. Doch dieser Junge setzte sein berühmtes Lächeln auf, raffinierte Bounce-Pässe auf den Hallenboden und sich schon als Rookie in der Profiliga durch.

Die Leichtigkeit des Seins

Bereits in seinem ersten Jahr führte Magic die Los Angeles Lakers 1980 zur Meisterschaft, als er, der mit 2,06 Metern ungewöhnlich große Point Guard, in Game 6 der Finals den verletzten Star-Center Kareem Abdul-Jabbar positionsgetreu vertrat und 42 Punkte sowie 15 Rebounds sammelte. Und da behaupten manche, die positionslose Ära beginne erst jetzt. Er war der General des Parketts, der das Spiel besser lesen und gestalten konnte als jeder, der ihm gegenüberstand. Magic Johnson - nie sah Basketball so unbeschwert, so logisch und doch so unlogisch aus.

Sein trickreiches Spiel wie auch seine hollywoodtaugliche Persönlichkeit machten Johnson sofort zu einem Aushängeschild der wiederbelebten Profiliga. Und dann war da immer dieses Lächeln. Mitspieler wie Gegenspieler hechelten teils ungelenk neben Magic her, während auch er irgendwie rannte, kämpfte, Bälle verteilte und warf.

Unter Druck gerate ich nicht in Panik. Ich sehe mich um und treffe die richtige Entscheidung.

Earvin "Magic" Johnson

Nur erweckte Johnson stets den Eindruck, als sei all das überhaupt nicht anstrengend, als sei das, was er da tat - und sonst in dieser Form kein anderer konnte - die leichteste und spaßigste Sache auf der Welt. Er schien allen anderen einfach immer einen Schritt voraus zu sein: "Unter Druck gerate ich nicht in Panik. Ich sehe mich um und treffe die richtige Entscheidung."

Doch der stets lächelnde Magic, den selbst die eingefleischten Fans des Erzrivalen Boston Celtics nicht so richtig verabscheuen konnten, avancierte auch zu einer erbarmungslosen Erfolgsmaschine. Zumindest nach kleineren Querelen, Gegenpart Larry Bird erreichte früher den Status als bester Spieler der Liga, fokussierte sich Johnson auf das Wesentliche und führte die "Showtime Lakers", ein spektakulär auftretendes Fastbreak-Team, zu insgesamt fünf Meisterschaften.

1987, 1989 und 1990 wurde er zum Regular Season MVP, bei drei seiner Meisterschaften auch zum Finals MVP gekürt. Vor Michael Jordan wollten Kinder wie Magic Johnson sein (manche auch wie Larry Bird).

Earvin

Wenn das Lächeln schwindet: Am 7. November 1991 verkündet Johnson HIV-Diagnose und Karriereende. Getty Images

Noch auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft, im Herbst 1991, folgte ein Schock, der sogar das Lächeln aus dem Gesicht des magischen Mannes wischte. Johnson gab seine HIV-Diagnose und damit einhergehend sein sofortiges Karriereende bekannt. Umjubelt machte er für das All-Star-Game 1992 und die Olympischen Spiele im selben Jahr, als er zum legendären "Dream Team" gehörte, erfolgreiche Ausnahmen - 1996 versuchte er sich sogar an einem kurzen Comeback, um danach aus freien Stücken zurücktreten zu können.

Earvin "Magic" Johnson, den mit seinem Langzeit-Rivalen Bird inzwischen eine tiefe Freundschaft verbindet, wird für immer mit dem Basketball verbunden sein - speziell mit "seinen" Lakers. In L.A. war er kurzzeitig Trainer, Anteilseigner und von 2017 bis 2019 zudem President of Basketball Operations. Und sowieso lebenslanger Repräsentant.

Larry Bird (li.) und Earvin

"Halte du meine Trophäe, ich rede": Magic Johnson und Larry Bird (li.) verbindet ein besonderes Verhältnis. Getty Images

Kopiert LeBron Magics Prinzip?

Das neu aufgestellte Franchise um Superstar LeBron James muss es nun aber ohne Magic bewerkstelligen, seinen ersten Titel seit 2010 zu gewinnen. Speziell nach der Verpflichtung von Anthony Davis soll sich der für diese Verhältnisse hoch aufgeschossene James überlegt haben, endgültig in die Rolle des Spielmachers zu schlüpfen. Also ganz ohne Magic? Es lässt sich wohl erahnen, an wem sich James dabei orientiert.

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