Liverpools Trainer will gegen Chelsea kein Favorit sein

Alarmglocken und Frust: Klopp sorgt sich um das "wunderbare Spiel"

Liverpools Trainer Jürgen Klopp

Freut sich auf seinen ersten Supercup und macht sich Sorgen um die Zukunft der Spieler: Liverpools Trainer Jürgen Klopp. picture-alliance

Doch diesmal ist der 52-Jährige, der mit Borussia Dortmund das CL-Finale von 2013 gegen Bayern München und mit Liverpool das Endspiel der Königsklasse 2018 gegen Real Madrid verloren hatte, dabei. Auch 2016 hatte er die Chance auf diesen Supercup gehabt, aber er verlor das Europa-League-Endspiel gegen Sevilla. Alles Geschichte, alles ein alter Hut für Klopp, also "lasst uns loslegen", sagte er den internationalen Medienvertretern.

Deren Fragen rankten sich allerdings zunächst nicht um das Spiel gegen den aktuellen Europa-League-Sieger FC Chelsea, sondern konfrontierten Klopp mit weiteren Erlebnissen aus der Vergangenheit. Ob er als Liverpool-Trainer spüre, wie wichtig Istanbul für die Reds sei, wurde er beispielsweise auf die legendäre Aufholjagd von 2005 angesprochen, als die Reds im Champions-League-Finale gegen Milan ein 0:3 zur Pause noch drehten? "Kein Liverpool-Fan wird Istanbul je vergessen", sagte Klopp, schob dann aber schnell hinterher, dass auch er schon mit dem BVB hier gegen Galatasary gespielt habe - "in einer unglaublichen Atmosphäre, die wir dann mit dem Ergebnis etwas gedämpft haben". "Aber", und damit landete Klopp wieder in der Gegenwart, "ich werde alles versuchen, dass wir am Ende dieser Saison wieder hier in Istanbul sind". Dann nämlich, wenn der neue Titelträger der Königsklasse in der Metropole am Bosporus gekürt wird.

kicker.tv Hintergrund

"Die Information hätte ich lieber nicht bekommen" - Supercup mit historischer Bedeutung

alle Videos in der Übersicht

Doch erst einmal geht es für die Liverpooler laut Klopp in "einem sehr wichtigen Spiel für Millionen Menschen" um den Beweis, dass "wir wieder Titel gewinnen können". Aus dem Premier-League-Start am vergangenen Wochenende wollte Klopp definitiv keine Favoritenrolle für sein Team ableiten - auch wenn die Reds 4:1 gegen Norwich gewannen und die Blues mit 0:4 bei ManUnited unterlagen. "Wir sollen der Favorit sein?", konterte er die Feststellung eines Journalisten leicht irritiert. "Danke, dass sie das sagen, weil ich das nämlich noch nicht wusste", so Klopp, der daraufhin den Gegner aus London lobte. "Der Start in der Liga hat überhaupt keine Bedeutung für das Spiel morgen. Bei Chelsea ist alles frisch: Sie haben eine richtig interessante Mannschaft, Frank Lampard als Trainer, der mit seinem alten Klub den ersten gemeinsamen Titel gewinnen kann. Wir müssen gegen sie alles ausblenden, was uns daran hindert, zu gewinnen."

Keine Pausen, keine Verantwortlichen: Klopps Zukunftssorgen

Nachdenklich wurde der Liverpool-Coach, als es um das Thema der Belastung der Profis aus den großen internationalen Ligen ging. "Ich mache mir keine Sorgen um die Fitness der Spieler in dieser Saison, aber ich mache mir richtig große Sorgen um die Zukunft der Spieler. Man kann mal ein Jahr durchstehen mit dieser Vielzahl an Spielen. Aber man kann das nicht für mehrere Saisons machen - die Jungs in Turniere während der Sommervorbereitung hetzen und eine sehr enge Pre-Season. Dann wird es zu einem Problem", kritisierte Klopp den Umstand, dass Spieler kaum noch echte Ruhephasen haben. Zudem verwies er darauf, dass man "selbst als Fußballtrainer keinen Ansprechpartner oder Verantwortlichen findet, um dieses Problem zu besprechen. Jeder - sei es die UEFA, die FIFA, die Premier League oder die Bundesliga - kann immer auf einen anderen deuten, um dieses Problem von sich zu weisen. Vielmehr sollten sich aber alle diese Leute zusammensetzen, um eine Lösung zu finden, damit dieses wunderbare Spiel von diesen sensationellen Spielern in ihrer besten Verfassung gespielt werden kann. Das ist sehr wichtig."

Endlich ist es soweit. Es ist eine sehr weise Entscheidung, eine Frau ein solch' großes Spiel leiten zu lassen.

Jürgen Klopp

Richtig positiv empfindet Klopp, dass der europäische Supercup von der französischen Schiedsrichterin Stéphanie Frappart geleitet wird. "Endlich ist es soweit. Es ist eine sehr weise Entscheidung, eine Frau ein solch großes Spiel leiten zu lassen", sagte Klopp. "Es wurde Zeit und wir sind sehr glücklich, dass wir Teil dieses historischen Moments sein können." Klopp, der während seiner Trainerkarriere schon den einen oder anderen Zwist mit Referees hatte, versprach zudem, dass wir alle "helfen werden, dass es nicht unnötig schwierig wird" für die Schiedsrichterin. "Ich werde mich von meiner besten Seite zeigen - sonst würde meine Mutter sauer werden."

bst

30

Die wichtigsten internationalen Transfers des Sommers