Vorwurf des Amtsmissbrauchs und der falschen Anschuldigung

Zwanziger: Strafanzeige gegen Schweizer und Frankfurter Ermittler

Theo Zwanziger

Äußerte sich im Rahmen eines Pressegespräches: Theo Zwanziger. picture alliance

"Sowohl die deutschen als auch die Schweizer Ermittlungsbehörden haben versagt", sagte Zwanziger in Diez nahe Limburg. Denn die tatsächliche Verwendung des Geldes ist nach wie vor ungeklärt. Dennoch hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft vergangene Woche Anklage erhoben gegen Zwanziger, den ebenfalls in Diez anwesenden Ex-DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und dessen FIFA-Pendant Urs Linsi wegen des Verdachts des Betrugs in Mittäterschaft. Bei Wolfgang Niersbach sieht die Berner Behörde, deren Leiter Michael Lauber wegen diskreter Treffen mit FIFA-Boss Gianni Infantino in der Kritik steht, eine Gehilfenschaft. Das Verfahren gegen den damaligen Chef des Organisationskomitees der WM 2006, Beckenbauer, der sich eine Vernehmungsunfähigkeit von seinen Ärzten hat attestieren lassen, wurde abgetrennt, um keine Verjährung zu riskieren.

"Der nichtaufgeklärte Verwendungszweck ist auch ein FIFA-Problem"

Zudem kündigten Zwanziger und sein Rechtsanwalt Hans-Jörg Metz Strafanzeigen gegen den zuständigen Schweizer Bundesanwalt Cedric Remund und dessen Assistentin wegen falscher Anschuldigung und Amtsmissbrauch an. Auch gegen FIFA-Boss Infantino hatte Zwanziger Strafanzeige gestellt. Denn: "Der nichtaufgeklärte Verwendungszweck ist auch ein FIFA-Problem." Der Weltverband könnte, so der Jurist, Bin Hammam zur Aufklärung zwingen, auch indirekt mit der bis heute sagenumwobenen Vergabe der WM 2022 an Katar. Das habe man der FIFA auch mehrfach vorgehalten. Stattdessen "stellt sich ein Ganove wie Bin Hammam vor Kameras und sagt: Das Geld habe er bekommen. Nur wofür, das sagt er nicht. Und die Schweizer Ermittler sind offenbar Teil eines viererbandenähnlichen Konstrukts mit Katar, dem Krebsgeschwür des Weltfußballs, Mohammed Bin Hammam und der FIFA mit Infantino, der sich mit Schweizer Ermittlern im Gebäude der katarischen Botschaft trifft. Das ist ein Skandal", ärgert sich Zwanziger.

Schmidt springt Beckenbauer zur Seite

Die 6,7 Millionen Euro wurden 2005 von einem DFB-Konto an die FIFA zurückgezahlt als Zuschuss zur später abgesagten Eröffnungsgala. Der Weltverband löste in der Folge Beckenbauers Schuld bei Louis-Dreyfus ab. Beckenbauer behauptet, er habe einen Vorschuss leisten müssen, um einen späteren Zuschuss für die WM-Organisation in Höhe von 170 Millionen Euro zu erhalten. Der zuletzt schweigsame Schmidt sprang Beckenbauer am Dienstag zur Seite: "Er hat es geschafft, dass die FIFA einen Zuschuss zahlte. Ich habe monatelang vergeblich verhandelt. Der DFB ist nicht geschädigt, er ist Profiteur des Zuschusses und wir konnten auf einer sicheren Basis arbeiten." Sollte diese Version stimmen, so wäre die Deklaration als Betriebsausgabe gerechtfertigt.

"Man wirft uns Täuschung vor, verstehen Sie also bitte, dass ich extrem empfindlich reagiere"

Eine Steuerverkürzung, wie von der Frankfurter Staatsanwaltschaft vermutet, jedenfalls läge dann nicht vor. Auch gegen die dort zuständige Ermittlerin, Dr. Anna-Elisabeth Krause-Ablaß, hat Zwanziger bereits im Mai eine Strafanzeige gestellt wegen falscher Verdächtigung. Der Vorwurf: Es habe bei der Vernehmung Stefan Hans', der die Finanzen im WM-Organisationskomitee 2006 mitabwickelte, eine Pflichtverletzung gegeben. Konkret habe, so ist es im Schreiben von Zwanziger und Metz an die Ermittler formuliert, "die Staatsanwaltschaft indes seine Aussage (gemeint ist Hans, d. Red.), zurückhaltend formuliert, verändert". Das Landgericht Frankfurt/Main hatte eine Verfahrensöffnung im Oktober 2018 abgelehnt, die zuständige Staatsanwaltschaft daraufhin beim Oberlandesgericht Beschwerde eingereicht. "Und in diesem Schriftsatz hat die Ermittlerin gelogen", lautet der Vorwurf Zwanzigers, der Vorverurteilung, extrem kurze Fristen und ein stark verkürztes Verfahren bemängelt. Der 74-Jährige rechtfertigt dieses Vorgehen: "Man wirft uns Täuschung vor, verstehen Sie also bitte, dass ich extrem empfindlich reagiere, wenn die Gegenseite mit solchen Maßnahmen arbeitet."

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt, die sich mittlerweile um den Sachverhalt kümmert, bestätigt das Vorliegen einer entsprechenden Strafanzeige auf kicker-Nachfrage und weist auf die Unschuldsvermutung hin. Ein Sprecher erklärte: "Es kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, ob überhaupt ein Anfangsverdacht besteht und ob in die Ermittlungen eingetreten wird."

Benni Hofmann