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Karius erzählt: Darum bin ich vom VfB zu ManCity gewechselt

Loris Karius

Will auch in Zukunft international spielen: Keeper Loris Karius. picture alliance

Derzeit ist Karius vom FC Liverpool noch für ein weiteres Jahr an Besiktas Istanbul ausgeliehen. Doch was gerne vergessen wird: Sein erster Verein auf der Insel war Manchester City. Denn dort heuerte er als 16-Jähriger an. Ein eher ungewöhnlicher Schritt, für den es aber Gründe gab, wie Karius erklärt.

Damals stand das Torhütertalent nicht nur beim VfB Stuttgart unter Vertrag, sondern spielte auch für die deutsche U-16-Auswahl, was im Rückblick sein Sprungbrett war. Bei den Spielen mit dem DFB-Team seien stets viele Scouts vor Ort gewesen, was zahlreiche Anfragen für ihn zur Folge gehabt habe. "Die Leute von Manchester City haben sich extrem bemüht und mir einen Weg aufgezeigt, den ich beim VfB leider nicht erkennen konnte - auch wenn es mein Verein war, ich wahnsinnig gern dort gespielt habe und die nächsten Schritte gern gegangen wäre", erzählt Karius und sieht seinen Ex-Verein durchaus kritisch: "Aber der Weg des VfB hat mich nicht so überzeugt, wie es bei ManCity der Fall war."

Private Probleme beim Start in Manchester

In Manchester durfte Karius als B-Jugendlicher bei den A-Junioren spielen, beim Profitraining der Keeper mitmischen und im zweiten Jahr schon für die U 23 auflaufen. Doch als minderjähriger Jugendlicher hatte er abseits des Platzes mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Zusammen mit Nils Zander, der von Schalke kam, lebte er zunächst in einer Gastfamilie. Wohlgefühlt hat sich das Duo dort aber nicht und eine familiäre Atmosphäre vermisst.

"Das hat uns gar nicht gefallen und wir haben versucht, dort rauszukommen, was aber gar nicht so einfach war." Denn die Gastmutter habe damals gegenüber dem Verein gesagt, dass alles super sei. Erst nach zwei, drei Monaten kamen Karius und Zander in einer anderen Familie unter und jetzt stimmte alles. "Die Familie war mega. Man hat sich gefühlt wie zu Hause." Bis heute steht der gebürtige Biberacher noch in Kontakt zur Gastfamilie.

Doch Karius' Hoffnung, über ManCity den schnelleren Weg in den Profifußball gefunden zu haben als beim VfB, sollte sich nicht bewahrheiten. Durch die rasante Entwicklung von Manchester City in dieser Zeit, sei es für junge Spieler immer schwieriger geworden, den Durchbruch zu schaffen. Die Chance auf baldige Einsatzzeiten bei den Profis war immer weniger gegeben. Den vermeintlichen Rückschritt nach Mainz hat Karius in der Folge ganz bewusst vollzogen. Nach zwei Jahren in England wollte er mehr Spielerfahrung sammeln, was in England nicht auf vergleichbarem Wettkampfniveau möglich gewesen sei, wie in Deutschland.

Ich war anfangs zu überzeugt, dass ich da direkt durch die Decke schieße und an beiden vorbeifliege.

Lorius Karius über seinen Start in Mainz und der Konkurrenz mit Wetklo und Müller

In Mainz standen ihm aber zunächst Christian Wetklo und Heinz Müller im Weg. Im Rückblick gibt er zu, dass er sich die Situation beim FSV einfacher vorgestellt habe. "Ich war anfangs zu überzeugt, dass ich da direkt durch die Decke schieße und an beiden vorbeifliege. Aber im Endeffekt war es wieder die beste Entscheidung, die ich treffen konnte." Dort wurde er unter Trainer Thomas Tuchel in der Saison 2013/14 zur Nummer 1. Liverpool, wo er 2016 unterschrieb, bezeichnet Karius heute als nächsten logischen Schritt seiner Karriere.

Nach zwei Jahren, 29 Premier-League-Spielen und einem völlig verpatzten Champions-League-Finale gegen Real Madrid (1:3) folgte der Schritt nach Istanbul zu Besiktas (Leihe bis 2020). "Im Grunde ging es ja immer nur bergauf", bilanziert Karius. "Es war eine Situation, die ich in der Form noch nicht hatte. Es war auch kein Davonlaufen. Letztlich ging es für mich darum, eine neue Herausforderung zu suchen und mich auch als Persönlichkeit weiterzuentwickeln."

"Es fehlt an nichts", berichtet er von seiner neuen Stelle in der Millionenstadt am Bosporus. Auch sportlich hat sich der 26-Jährige nach schwierigem Start etabliert, zeigte eine gute Rückrunde zwischen den Pfosten und ging mit seinem Team als Dritter über die Ziellinie.

Vertrag in Liverpool läuft bis 2021

Doch wie geht es für ihn weiter? Karius hat in Liverpool noch einen Vertrag bis 2021, eine Rückkehr scheint er derzeit aber nicht in Betracht zu ziehen. "Für einen Torhüter bin ich noch jung, kann nochmal angreifen und habe Ambitionen", berichtet Karius, ohne Liverpool zu erwähnen. "Ich will auf jeden Fall international spielen und kann mir alles vorstellen. Wo das sein wird, kann ich derzeit nicht einschätzen." Die Reds scheinen - derzeit zumindest - wohl keine Rolle zu spielen. Dort muss Trainer Jürgen Klopp aktuell den verletzten Alisson Becker ersetzen und eine Verpflichtung von Andy Lonergan gilt als wahrscheinlich.

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