Wide Receiver der Green Bay Packers äußert sich vor der neuen Saison

Equanimeous St. Brown: "Im Privatjet mit Aaron Rodgers" - und der Super Bowl

Equanimeous St. Brown

Visiert seinen ersten NFL-Touchdown und die Play-offs an: Wide Receiver Equanimeous St. Brown (Green Bay Packers). imago images

Er ist der Sohn von Ex-"Mister Universe" John Brown und der deutschen Auswanderin Miriam Steyer, hat sowohl auf der Highschool Servite in Anaheim/Kalifornien als auch auf dem College der Notre Dame Fighting Irish in Indiana überzeugt, ist im NFL-Draft 2018 spät in der sechsten Runde an 207. Stelle gezogen worden, hat in seiner ersten Regular Season als Rookie in zwölf Spielen ordentliche 21 Receptions sowie 328 Yards eingesackt (kein Touchdown) und jüngst zum Start der Preseason 2019 seinen ersten Score für "The Pack" verbucht. Nun geht Equanimeous Tristan Imhotep J. St. Brown ins zweite NFL-Jahr, gilt als Sophomore - und hat gegenüber dem kicker zu diversen Themen Stellung bezogen.

kicker: Über ein Jahr ist seit dem NFL-Draft 2018 und dem späten Pick an 207. Stelle vergangen. Kurz und knapp, Equanimeous St. Brown: Mit welchen drei Worten wären die vergangenen Monate am besten beschrieben?
Equanimeous St. Brown: Drei Worte zur letzten Saison wären für mich: "Lang" - es sind viel mehr Spiele als auf dem College; "Aufregend" - weil die ganze Zeit vom Draft bis zu meinem ersten Einsatz alles neu gewesen ist; "Traurig" - weil wir es nicht in die Play-offs geschafft haben.

Der Unterschied zu diesem Jahr ist einfach der, dass ich nicht mehr mit der Ausrede, ein Rookie zu sein, ankommen kann.

Equanimeous St. Brown

kicker: In der ersten NFL-Saison sind es in zwölf Partien 21 Receptions und 328 Yards geworden - darunter ein Catch über ganze 54 Yards. Zufrieden?
St. Brown: Im Großen und Ganzen war ich schon zufrieden mit meinem ersten Jahr. Aber natürlich hätte ich schon gerne noch mehr Catches oder auch einen Touchdown gehabt.

kicker: Nach der ersten Regular Season als Rookie steht nun die zweite Spielzeit als Sophomore an. Steigt dabei der Druck, den man sich selbst auferlegt?
St. Brown: Eigentlich nein... Der Druck ist derselbe - und gute Leistungen bringen steht außer Frage. Der Unterschied zu diesem Jahr ist einfach der, dass ich nicht mehr mit der Ausrede, ein Rookie zu sein, ankommen kann.

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Spricht Englisch, Deutsch, Französisch fließend - und möchte mit Taten auf dem Football-Feld überzeugen: "EQ" St. Brown. imago images

kicker: Was ist das oberste Ziel für die kommende Saison? Was soll als Allererstes erreicht werden?
St. Brown: Ich will Starter werden - und in den Super Bowl!

kicker: Davante Adams (26) geht unumstritten als Green Bays Number-One-Receiver in die neue Regular Season, kommt in fünf Spielzeiten für die Packers auf 39 Touchdowns in 74 Partien (13 Scores 2018). Wie stehen die Chancen, sich dahinter als zweitbester Passempfänger zu etablieren?
St. Brown: Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, zum Beispiel auch Verletzungen. Das muss man einfach abwarten...

kicker: Im Roster von "The Pack" befinden sich etliche Receiver - darunter zum Beispiel Geronimo Allison (25) oder der mit Ihnen in die Liga gekommene Marquez Valdes-Scantling (24, Fünftrunden-Pick, 174. Stelle, 581 Yards und zwei Touchdowns in 16 Spielen). Wie ist das Verhältnis untereinander?
St. Brown: Wir verstehen uns alle gut, ab und zu treffen wir uns auch außerhalb des Footballs. Davante gibt mir auch immer wieder Tipps während des Trainings. Trotzdem sind wir natürlich auch Konkurrenten auf dem Feld.

Equanimeous St. Brown

Großer Moment: Equanimeous St. Brown verbucht im ersten Spiel der Preseason 2019 seinen ersten Touchdown für "The Pack". imago images

kicker: Über ein Jahr im US-Bundesstaat Wisconsin, über ein Jahr in Green Bay, über ein Jahr Packers-Community. Inwieweit färbt das Leben dort auf einen ab, was zeichnet dieses besondere und inzwischen 100 Jahre alte Team mit seiner titelreichen Geschichte aus?
St. Brown: Dieser Ort "Green Bay" ist sozusagen das Team selbst. Hier gibt es eigentlich nichts außer das Team. Das Team ist Teil des Ortes und der Bewohner - und die Bewohner verehren das Team. Das ist schon einzigartig!

kicker: Seit zwei Jahren warten die stolzen Packers allerdings schon auf eine weitere Play-off-Teilnahme, nachdem zuvor achtmal in Folge die Endrunde erreicht worden ist. Gelingt es in diesem Jahr wieder?
St. Brown: Ja! Wir werden die Endrunde erreichen.

kicker: Die NFC North könnte die schwierigste Division der kommenden und zugleich 100. NFL-Saison werden. Am Ende reicht womöglich, weil sich die Teams gegenseitig die Siege stibitzen, nur Platz 1 für das Play-off-Ticket. Wer ist der größte Konkurrenz um den ersten Platz im Norden - Bears, Vikings, Lions?
St. Brown: Die Bears sind definitiv der größte Konkurrent. Auf sie treffen wir ja auch direkt in der Saisoneröffnung (in der Nacht vom 5. auf den 6. September; Anm.d.Red.). Es gibt aber auch eine große Rivalität zwischen Packers und Vikings, dennoch ist man vor allem gegen die Bears nochmals extra motiviert.

kicker: Mit Matt LaFleur (39) ist ein junger, ambitionierter Head Coach auf den im Dezember entlassenen Mike McCarthy (55) gefolgt. Wie ist der neue Trainer einzuschätzen - seine Art, seine Methoden?
St. Brown: Ich mag sein Art und ich weiß, dass er auch sehr gut beim Team ankommt. Er ist immer auf dem Platz und fährt mit einem Golfcart von Position zu Position. Er gibt zudem immer direkt Feedback - was früher nicht so gemacht wurde...

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Equanimeous St. Brown & Co.: NFL-Profis "Made in Germany"

kicker: Über Star-Quarterback Aaron Rodgers (35, Super-Bowl-Champion von 2010/11) wird immer viel gesprochen, geschrieben - auch Kritik schwingt stets mit. Wie tickt dieser Spielmacher wirklich, wie wirkt er im täglichen Geschehen?
St. Brown: Er hat die führende Rolle im Team - und jeder weiß das. Er kann die Gegner sehr gut einschätzen und bringt das auch zum Ausdruck. Er wird vielleicht kritisiert, aber er weiß genau, was er macht. Und dabei genießt er den vollen Respekt des Teams.

Er hat mich spontan mit seinem Privatjet mit nach New York City genommen.

Equanimeous St. Brown über Aaron Rodgers

kicker: Spricht Rodgers auch mal individuell, also unter vier Augen, mit seinen Wide Receivern?
St. Brown: Ja, das macht er. Er spricht mit uns allen Receivern zusammen und manchmal auch mit uns im Einzelnen. Es hat am Anfang sicher etwas gedauert, bis er mit mir allein sprach, aber inzwischen kommt das recht häufig vor. Eine ganz nette Geschichte: In der letzten Saison nach dem Spiel gegen die Seahawks (24:27 im November; Anm.d.Red.) haben wir zwei freie Tage bekommen - und er hat mich spontan mit seinem Privatjet mit nach New York City genommen.

kicker: Kann Rodgers auch streng sein?
St. Brown: Auf jeden Fall! Er kann nicht nur streng, sondern auch laut werden.

kicker: Zurück zur persönlichen Situation in Green Bay. Wie hat sich das Leben in den letzten Monaten verändert? Was ist schön, was stört vielleicht? Das Wetter?
St. Brown: Ich habe, bevor ich nach Green Bay gekommen bin, bereits drei Jahre in South Bend (Indiana; Anm.d.Red.) gewohnt, wo das Klima ähnlich ist. Also von daher ist die Kälte für mich keine Neuigkeit. Schöner wäre es aber natürlich, wenn ich immer die Sonne von Kalifornien hätte. Ansonsten ist seit dem Draft Dexter Williams (194. Pick, Running Back; Anm.d.Red.) bei mir eingezogen, den ich noch von Notre Dame kenne. Dadurch bin ich seitdem nicht mehr ganz so alleine. Mein direkter Nachbar ist weiterhin Deshaun Kizer (Quarterback, seit 2017 in der Liga und ebenfalls vom College Notre Dame; Anm.d.Red.) - und ab und zu machen wir auch was zusammen."

In Green Bay gibt es (fast) nichts zu tun.

Equanimeous St. Brown über seine Freizeitgestaltung während der Saison in Green Bay

kicker: Wie fällt die Freizeitgestaltung während der inzwischen wieder intensiven Trainingszeit und während der Regular Season aus? Wie verlief die Sommerpause?
St. Brown: In meiner Off-Zeit bin ich in Kalifornien bei meinen Eltern. Diesen Sommer hatte ich ein Haus am Strand in Newport Beach gemietet. Ich habe dabei natürlich trainiert, aber auch das Beach-Leben genossen. Ich habe Freunde in New York besucht und war auch ein paar Tage in Las Vegas. Ansonsten trainiere ich natürlich auch mindestens fünfmal die Woche - ich habe einen privaten Receiver-Coach, und mit meinem Vater gehe ich ins Gym. In Green Bay ist es dagegen anders, da gibt es (fast) nichts zu tun. In meiner Freizeit bin ich meistens zu Hause und Spiele X-Box - ganz oft FIFA gegen meinen Bruder Amon-Ra. Und ab und zu gehe ich mal ins Kino oder mit den anderen Receivern essen.

Equanimeous St. Brown (links)

Am 26. Januar zu Gast im ZDF-Sportstudio: Equanimeous St. Brown und Onkel Mike Steyer (hier mit Moderator Jochen Breyer). Mike Steyer

kicker: Kurz und knapp zum Abschluss: Mit welchen drei Worten würde man gern die kommende Saison am Ende beschreiben wollen?
St. Brown: Die neue Saison soll verletzungsfrei bleiben - mit ganz vielen Vorstößen von mir in die Endzone. Und dann am Ende um den Super Bowl spielen...

kicker: Wie viele Lambeau Leaps wird es von "EQ" in den kommenden 16 Partien der Regular Season geben?
St. Brown: Hoffentlich jede Menge!

Der deutsch-amerikanische Wide Receiver Equanimeous St. Brown wuchs in Anaheim/Kalifornien auf, ist Sohn einer Deutschen (Miriam) und wird nach wie vor von seinem Vater John Brown (ehemaliger Bodybuilder und Mr. Universe in den Jahren 1981 und 1982) trainiert. Außerdem hat "EQ" zwei Brüder (Osiris und Amon-Ra), die jeweils ebenfalls dem Football verbunden sind und ebenfalls die Position des Passempfängers bekleiden. Osiris spielt an der Stanford University, Amon-Ra an der University of Southern California für die USC Trojans.

In der Vergangenheit hat sich St. Brown gegenüber dem kicker außerdem schon über eine "10.000 US-Dollar-Rechnung", über das Wetter in Green Bay und sein Debüt bei den Packers geäußert.

Interview: Markus Grillenberger

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