Torhüter patzt und schwingt sich zum Helden auf - Höger und Schaub verletzt

Horn: "Das ist Balsam für die Seele"

Timo Horn

Glänzte beim finalen Showdown: Kölns Keeper Timo Horn. imago images

Fußball ist schnelllebig. Manchmal sogar extrem schnelllebig. Fragen Sie mal bei Timo Horn nach. Kölns Torhüter stand nach dem 3:2-Sieg im Elfmeterschießen beim SV Wehen Wiesbaden mit der Trophäe für den Spieler des Spiels in der Mixed Zone, nachdem er drei Versuche des Zweitligisten vom Punkt pariert hatte. Doch das Kölns Nummer 1 diese Auszeichnung bekommen würde, war nach 120 Minuten noch nicht absehbar gewesen.

Im Gegenteil: Schließlich hatte Horn einen für einen Keeper bis dahin undankbaren Tag erlebt. Erst ließ er vor dem 1:2 einen Schuss nach vorne abprallen. Dann kassierte er ein Fernschusstor und stand schließlich beim dritten Gegentreffer, als sich die FC-Abwehr völlig desorientiert zeigte, bei Kyerehs Heber zum 3:3 auf halben Weg völlig zwischen Baum und Borke.

Doch das Elfmeterschießen und Horns starker Auftritt sorgten dafür, dass nachher nicht über den Torhüter diskutiert wurde. Horn hielt drei von fünf Wiesbadener Versuchen und erklärte danach: "Ich freue mich, dass wir hintenheraus so weitergekommen sind. Das ist Balsam für die Seele eines Torhüters. Andererseits haben wir es aber unnötig spannend gemacht."

Horn: "Da versteht man die Welt nicht mehr"

In der Tat blieben neben der Freude über das Erreichen der nächsten Runde auch einige Fragezeichen. Erlaubte sich der Bundesligaaufsteiger doch zu viele unerklärliche Schwächen. "Wir hatten nach der 2:0-Führung alles in der Hand und geben das Spiel so leichtfertig wieder her", monierte Horn, den die drei Gegentreffer natürlich wurmten: "Es ist nie zufriedenstellend, drei Gegentore zu bekommen. Auf der anderen Seite ist es so, dass wir die Bälle viel zu leichtfertig hergegeben haben. Das ist uns schon in der ersten Hälfte hier und da passiert. Da hätte Wehen schon in Führung gehen können. In den ersten Minuten waren wir nicht so richtig auf dem Platz", urteilte der Torhüter.

Doch was danach geschah, irritierte ihn. "Nach der Halbzeit, als man denkt, man hat alles im Griff und spielt das locker nach Hause, kommt dieser Ball, den ich so gut es geht nach außen abzuwehren versuche. Bei nassem Boden ist so ein Aufsetzer immer ekelhaft für einen Torhüter. Dann kommt noch ein leichtfertiger Ballverlust in der Mitte dazu, ein Sonntagsschuss, der vom Innenpfosten reinrutscht. Da versteht man die Welt nicht mehr."

Und auch die Historie des dritten Gegentreffers missfiel Horn. "Hinten heraus hatten wir Riesenchancen. Und schließen dann bei einem einfachen langen Ball die Mitte nicht, sodass der Stürmer einlaufen kann. Das ist viel zu einfach. Das wissen wir auch", so der 26-Jährige, "das darf uns in der Bundesliga auf keinen Fall passieren."

Defensiv zeigte sich der FC wiederholt nicht auf der Höhe. Und auch personell warf die Partie ein paar Fragezeichen auf. So erlitten Marco Höger (Schlag aufs Sprunggelenk) und Louis Schaub, der umknickte, offenbar mehr als nur leichte Blessuren und konnten nicht beim Elfmeterschießen antreten. "Bei beiden ist der Knöchel dick. Da schaut es nicht so gut aus", erklärte Trainer Achim Beierlorzer, der zudem Rechtsverteidiger Kingsley Ehizibue mit muskulären Problemen vom Platz nehmen musste.

Stephan von Nocks