Beim Bundesliga-Auftakt wird in den ersten 15 Minuten geschwiegen

Union-Ultras kündigen Stimmungsboykott gegen Leipzig an

Stimmungsboykott zum Bundesliga-Auftakt: Gegen Leipzig werden die Union-Fans zwar da, in den ersten 15 Minuten aber nicht zu hören sein.

Stimmungsboykott zum Bundesliga-Auftakt: Gegen Leipzig werden die Union-Fans zwar da, in den ersten 15 Minuten aber nicht zu hören sein. imago images

Das Wuhlesyndikat, die führende Ultra-Gruppierung des 1. FC Union, teilte am Freitag mit, dass man sich bei der Ansetzung über das Heimspiel zum Saisonstart gefreut habe, aber nicht über den Gegner. Das sei ein großer Makel. "Leipzig wird der erste Gast in unserer Bundesligageschichte sein. Ein Konstrukt, das mit unserer Vorstellung von Fußball absolut nichts gemein hat. Ein Gebilde, gegen das wir in der Vergangenheit eindrucksvolle Proteste hingelegt haben. Diese sorgten für ordentliches Aufsehen und konnten unsere Idee des Fußballs deutschlandweit transportieren", heißt es in dem Statement der Ultras.

Und weiter: "Einen Fußball, der geprägt ist von Mitbestimmung, Treue, Stehplätzen, Emotionen, Financial Fairplay, Tradition, Transparenz, Leidenschaft, Geschichten, Unabhängigkeit und Ehrenamt."

All diese Dinge vermissen die Anhänger von Union nach wie vor beim Leipziger Ligakonkurrenten. Deshalb könne es bei dieser Partie keinen normalen Spieltags-Ablauf geben. Neben einer optischen Aktion, die die Vorstellungen der Union-Fans von Fußball dokumentieren soll, kündigen die Ultras "als Zeichen des Unmuts" einen Schweigeprotest für die ersten 15 Minuten der Begegnung an. Da in der Regel auch die Fanklubs die Entscheidungen der Ultras mittragen und noch über eine Woche Zeit für die Information nicht organisierter Union-Zuschauer bleibt, wird es in der Startviertelstunde wohl nur im ausverkauften Gästeblock laut.

Auch die Aktion "Endlich dabei" wird Aufmerksamkeit erregen

Dem Wuhlesyndikat fällt der Aufruf zum Stimmungsboykott am 1. Spieltag des Neulings schwer. Die Ultras sehen aber auch die große Bühne als Chance, ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Der Verein und die Mannschaft seien informiert worden, dass sich der Boykott nicht gegen die eigenen Spieler richte. In der restlichen Spielzeit werde es die bestmögliche Unterstützung von den Rängen geben, heißt es von Seiten des Wuhlesyndikats.

Schon vor dem Spiel wird Union mit der Aktion "Endlich dabei" Aufmerksamkeit erregen. Verstorbene Fans, Spieler und Mitarbeiter, die die Bundesliga nicht mehr erleben können, werden auf besondere Weise geehrt. Angehörige und Freunde können noch bis Sonntagnacht Banner (Größe 70 x 70 Zentimeter) produzieren lassen, auf denen Schwarz-Weiß-Porträts der Toten zu sehen sind. Bisher liegen rund 300 Bestellungen vor. Die Banner werden vor Spielbeginn beim Intro und der Vereinshymne hochgehalten. Kurz darauf folgt der Stimmungsboykott.

Im DFB-Pokal tritt Union bei Germania Halberstadt an

Sportlich gilt das Augenmerk zunächst noch der DFB-Pokal-Partie am Sonntag (15.30 Uhr) bei Regionalligist Germania Halberstadt. Innenverteidiger Nicolai Rapp (Erkältung) fällt definitiv aus.

Neuer und alter Kapitän ist Rechtsverteidiger Christopher Trimmel. Im Gegensatz zur letzten Saison, als es mit Abwehrmann Marvin Friedrich und Mittelfeldspieler Felix Kroos noch zwei Stellvertreter gab, verbleibt nur Friedrich als Vize im Amt. Kroos gehört aber wie Allrounder Michael Parensen, Angreifer Sebastian Polter und Sechser Manuel Schmiedebach weiter dem Mannschaftsrat an. Dazu gestoßen ist noch der Ex-Stuttgarter Christian Gentner.

Matthias Koch