Schalke tritt am Samstag bei Drochtersen-Assel an

Tönnies, Nübel, Raman: Wagners "Witz" folgen ernste Worte

"Der Junge hat nullkommanull falsch gemacht": David Wagner über Alexander Nübel. imago images

"Bitte nur sportliche Fragen zum Spiel", sagte Wagner, noch ehe er Platz genommen hatte. Doch er wusste natürlich, dass ein anderes Thema alles überschattet, und so fügte er schnell hinzu: "Das war ein Witz."

Witzig waren die vergangenen Tage auf Schalke so ganz und gar nicht. Klubboss Clemens Tönnies lässt sein Amt bei Schalke in Folge seiner rassistischen Äußerungen für drei Monate ruhen, der Ehrenrat nickte die Entscheidung artig ab. Am 15. August wird die DFB-Ethikkommission in ihrer Sitzung über den Fehltritt diskutieren.

Wenig verwunderlich, dass auch Wagners Meinung gefragt war. "Prinzipiell haben wir relativ viele schlaue Leute in diesem Verein, sowohl im Ehrenrat als auch im Vorstand", sagte der Coach. Diese Personen hätten ihr Statement dazu abgegeben. Man müsse "jeden Kommentar und jede Meinung" zu dieser Geschichte respektieren.

Wagners generelles Statement

Wagner selbst betonte immer wieder, dass seine folgenden Worte nur allgemein gelten sollen und nicht auf den Fall Tönnies bezogen. "Ich persönlich bin der Meinung: Wenn eine Person des öffentlichen Lebens in verantwortungsvollen Positionen einen Fehler macht, der zu verurteilen ist, dann total überzeugende Reue zeigt, so etwas vorher nie aufgetreten ist, sanktioniert wird und ich der vollen Überzeugung bin, dass so etwas nie wieder vorkommt, dann sollte man diesen Menschen die Chance geben zu zeigen, dass sie es besser können und dass so etwas nie wieder vorkommt." Der Vorstand und der Verein habe sich positioniert, "das gilt es auch von meiner Seite zu respektieren".

Auch unter den Spielern wurden die Tönnies-Aussagen diskutiert. "Wir haben das in der Mannschaft gemeinsam mit Jochen Schneider thematisiert", verriet Wagner. "Jeder hatte die Gelegenheit, Gehör zu finden. Auch da gilt es für mich, den Umgang eines jeden damit zu respektieren." Vereinsgremien, die Mannschaft - fehlen noch die Fans. Beim Spiel in Drochtersen drohen Proteste gegen Tönnies. Wagner hat aber "keine Sorge", dass das Team davon beeinflusst wird. Auch das gelte es, wiederholte er sich wissentlich, zu respektieren. "Aber es gibt dann einen Moment, in dem es nur noch über das Spiel gehen darf: Und das ist am Samstag ab 15.30 Uhr", so sein Appell an den eigenen Anhang.

Was wäre denn das für ein Quatsch, ein Kapitänsamt zu vergeben aufgrund von Vertragslaufdauer?

David Wagner über Alexander Nübel

Erstmals in einem Pflichtspiel wird Alexander Nübel die Mannschaft am Samstag aufs Feld führen. Dass ein Spieler, dessen Vertrag ausläuft, zum Kapitän ernannt wurde, stößt nicht bei allen auf Verständnis. Wagner kann jedoch überhaupt kein Risiko erkennen, Nübel erfülle alle seine Voraussetzungen für das Amt. Und: "Der Junge hat nullkommanull falsch gemacht. Er hat noch einen Vertrag bis 2020. Da sind wir die glücklichsten Menschen der Erde darüber", sagte er. "Da gilt es, ihn so gut wie möglich zu supporten und zu versuchen, dass er länger als ein Jahr hier spielt. Ich habe da eine klare und rationale Ansicht." Und, fragte Wagner in die Runde: "Was wäre denn das für ein Quatsch, ein Kapitänsamt zu vergeben aufgrund von Vertragslaufdauer?" Auch bei einem Spieler mit einem mehrjährigen Kontrakt sei schließlich nicht garantiert, dass er wirklich so lange für S04 spielt.

Caligiuri in den Startlöchern - Hoffnung bei Raman

Personell wird er übrigens auf die angeschlagenen Alessandro Schöpf, Rabbi Matondo und Mark Uth sowie auf Salif Sané (kam wegen des Afrika-Cups verspätet ins Training) verzichten müssen. Daniel Caligiuri hingegen wird wohl auflaufen können, auch Benito Ramans Einsatz ist noch nicht ausgeschlossen. Die letzten zwei Trainingseinheiten vor dem Spiel werden weiteren Aufschluss geben.

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