Premier-League-Vorschau, Teil 5

Klopps Bitte und die Idioten - Liverpool im Check

Jürgen Klopp

Ärgerliches Ende beim Community Shield: Jürgen Klopp. Getty Images

Wie viel besser kann's noch werden?

Innerhalb von vier Jahren wurde Jürgen Klopp in England vom "Normal One" zu Europas Nummer eins. Er hat den FC Liverpool zum Leben erweckt, auf links gekrempelt und Mohamed Salah & Co. zur besten Mannschaft der jüngeren Vereinsgeschichte geformt.

Die Champions League hat Liverpool in Madrid gewonnen, Klopp seinen inoffiziellen Titellos-Titel abgelegt. In 116 von 119 Premier-League-Spielzeiten hätten die 97 Punkte, die Liverpool 2018/19 in der Liga sammelte, zur Meisterschaft gereicht. Nur verlor Meister ManCity dummerweise nach Januar keinen Punkt mehr und holte 98.

Trotzdem: Wie viel besser kann's noch werden?

Die Messlatte liegt unglaublich hoch für die Reds. Natürlich geht es in der kommenden Saison nicht darum, den Henkelpott in Anfield zu behalten, sondern darum, die im Mai dreißigjährige Dürrezeit zu beenden und endlich wieder Meister zu werden. "Ich sage es wieder und wieder", bremst Klopp wieder und wieder, "andere Teams stehen nicht still".

"Und bitte, das heißt nicht, dass wir noch mehr Punkte brauchen"

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Der Meisterschaftskampf, prophezeit der deutsche Trainer, gehe nicht wieder nur über ManCity und Liverpool. "Jeder, der das denkt, ist ein Idiot." Tottenham? "Weltklasse und sie werden noch besser". Arsenal? "Weltklasse und werden noch besser". ManUnited? "Das gleiche". Chelsea? "Das gleiche". "Wisst ihr was? Ich könnte die ganze Liga nennen." Natürlich. Eine Saison wie die letzte reiche in dieser nicht aus. "Und bitte, das heißt nicht, dass wir noch mehr Punkte brauchen, weil das wohl unmöglich ist."

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Erst recht, wenn in dieser Spielzeit noch zwei Titel mehr zu holen sind und ein weiterer (Community Shield, eher semi-wichtig) schon verspielt wurde. Am 14. August geht es in Istanbul gegen Chelsea um den europäischen Supercup, im Dezember in Katar um die Klub-WM. "Wir gehen in jeden dieser Wettbewerbe mit dem Wissen, ihn gewinnen zu können", erzählte Vorstandsboss Tom Werner kürzlich "The Athletic". "Ich finde das ziemlich cool."

Allerdings geht Liverpool in jeden dieser Wettbewerbe quasi ohne neue Spieler. Die einzigen Einkäufe waren zwei Teenager (Innenverteidiger Sepp van den Berg, 17; Außenstürmer Harvey Elliott, 16) und ein erfahrener Ersatztorwart (Adrian, 32). "Jürgen", versichert Werner, "hat uns (der Führungsetage, d. Red.) nochmal klargemacht, wie stark wir bereits sind und was wir noch zurückbekommen."

Oxlade-Chamberlain und Brewster sind im Grunde wie Neuzugänge

Gemeint ist zum Beispiel Alex-Oxlade Chamberlain (25), der fast anderthalb Jahre wegen einer schlimmen Knieverletzung zuschauen musste. Er bringt Liverpool viel mehr Flexibilität, kann sowohl der kreative Part im Mittelfeld sein als auch der wuselige Angreifer auf außen.

Gemeint ist auch Rhian Brewster (19), Liverpools größtes Versprechen. Das Eigengewächs verpasste 14 Monate seiner Entwicklung wegen Knöchel- und Knieoperationen, jetzt soll er hinter Roberto Firmino (27) (und Divock Origi, 24) bereitstehen und seine Einsätze bekommen. Brewster gilt als schneller, starker und hart arbeitender Stürmer mit einem kaltschnäuzigen Abschluss. Der ideale Klopp-Spieler also.

Rhian Brewster

Hofft auf seinen Durchbruch: Liverpool-Youngster Rhian Brewster. Getty Images

Darüber hinaus wird viel von Naby Keita (24) erwartet, der eine Achterbahnsaison hinter sich hat. Mal zeigte der ehemalige Leipziger, warum er Liverpool 60 Millionen Euro wert war, nur um sich im nächsten Spiel nervös und fehleranfällig aus der Mannschaft zu spielen.

Keita konkurriert wie auch im letzten Jahr mit Kapitän Jordan Henderson (29) und Dauerbrenner James Milner (33) um die zwei Halbpositionen vor Fabinho (25). In der Innenverteidigung kämpfen Joel Matip (28), Dejan Lovren (30) und der wiedergenesene Joe Gomez (22) um den Platz neben Weltfußballer-Kandidat Virgil van Dijk (28). An Trent Alexander-Arnold (20) und Andrew Robertson (25) führt sowieso kein Weg vorbei.

Salah, Firmino, Mané - und Klopps Umstellung

Und so grandios Salah (27), Firmino und Sadio Mané (27), die inzwischen alle langfristig verlängert haben, in den letzten zwei Jahren waren (91 Tore in 2017/18, 69 in 18/19): Endgültiger Meisterschaftskandidat wurden die Reds auch dadurch, dass Klopp den Vollgas-Fußball etwas umgestaltet hat. Liverpool war im vergangenen Jahr deutlich ausbalancierter und mehr auf Kontrolle aus; das Resultat: die beste Abwehr der Premier League und der Goldene Handschuh für Copa-America-Champion Alisson (26).

Liverpools Kader hat keine Schwachstelle mehr, welche Spieler sollte Klopp also holen? Ganz ehrlich, sagt Werner, "so gut, wie unsere Mannschaft schon ist, wird es schwierig, noch bessere Spieler auf dem Transfermarkt zu finden".

Auf das gleiche Team zu setzen, das im letzten Ligajahr nur ein Spiel verlor und gegen Barcelona in der Königsklasse ein 0:3 in ein 4:3 drehte, ist kein allzu großes Risiko. Vor allem mit dem Henkelpott im Hintergrund. Für Liverpool geht es ab heute Abend gegen Norwich (21 Uhr, LIVE! bei kicker.de) darum, kein Prozent nachzulassen - und zu hoffen, dass ManCity dieses Mal vielleicht nur 96 Punkte holt.

FC Liverpool 2019/20: Wer kam, wer ging

Platzierung in der letzten Saison: 2.

Neuzugänge: Sepp van den Berg (17, Abwehr, PEC Zwolle), Harvey Elliott (16, Angriff, Fulham), Adrian (32, Torwart, West Ham United)

Abgänge: Danny Ings (26, Angriff, FC Southampton), Simon Mignolet (31, Torwart, FC Brügge), Alberto Moreno (27, Abwehr, FC Villarreal), Daniel Sturridge (29, Angriff, vereinslos), Harry Wilson (22, Angriff, Bournemouth, Leihe)

mkr

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