WM-Affäre 2006: Vorwürfe gegen Ex-DFB-Funktionäre

Schweizer Bundesanwaltschaft erhebt Anklage - Zwanziger: "Lächerlich!"

Der Vorstand des WM-OKs 2006: Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach und Fedor H. Radmann (v.l.). picture alliance

Der Vorwurf lautet, "arglistig über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in der Höhe von 6,7 Millionen Euro getäuscht zu haben". Zwanziger und Schmidt sowie dem früheren FIFA-Generalsekretär Urs Linsi wird Betrug in Mittäterschaft vorgeworfen, Niersbach die Gehilfenschaft zu Betrug, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Den Beschuldigten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Eingestellt wurde im Juli laut Bundesanwaltschaft das Verfahren wegen des Verdachts auf Geldwäscherei. Die Beschuldigten haben die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Gleichzeitig erklärte die BA, dass das Verfahren gegen den damaligen OK-Boss Franz Beckenbauer separat weitergeführt wird. Grund ist der gesundheitliche Zustand Beckenbauers, der "eine Teilnahme oder Einvernahme an der Hauptverhandlung vor dem Bundesstrafgericht nicht zulässt". Dadurch könnte das Verfahren wegen Verjährung eingestellt werden.

Das Ganze ist lächerlich und unter der Würde einer seriösen Strafverfolgungsbehörde.

Theo Zwanziger

Zwanziger sieht der Anklage ohne Sorge entgegen. "Ich mache mir um diesen Vorgang gar keine Gedanken, weil er mit rechtsstaatlichem Vorgehen nichts zu tun hat", erklärte der 74-Jährige der dpa. "Auch Unsinn hat seinen Marktwert. Die Schweizer Ermittler sind Getriebene, die Millionen für Ermittlungen in den Sand gesetzt haben." Zwanziger wirft ihnen "blindwütigen Eifer" vor: "Das Ganze ist lächerlich und unter der Würde einer seriösen Strafverfolgungsbehörde."

Auch Niersbach reagierte angesichts der Umstände ungehalten. "Es ist bezeichnend für dieses unsägliche Verfahren, dass man als Betroffener nach über drei Jahren über die Medien erfahren muss, dass Anklage erhoben wird", sagte der 68-Jährige dem SID: "Materiell wird sich herausstellen, dass die erhobenen Vorwürfe völlig haltlos sind."

DFB tritt im Verfahren als Privatkläger auf

Der DFB teilte mit, im Schweizer Strafverfahren als Privatkläger aufzutreten, "um etwaige Ansprüche geltend zu machen und so seiner gesetzlichen Vermögensbetreuungspflicht zu genügen. Sollte der DFB durch ein schuldhaftes Verhalten der Beschuldigten Vermögensschäden erlitten haben, so ist er rechtlich verpflichtet, mögliche Ersatzansprüche zu prüfen und durchzusetzen."

In dem Verfahren geht es um die weiterhin nicht geklärten Zahlungen von umgerechnet 6,7 Millionen Euro aus den Jahren 2002 und 2005. Beckenbauer hatte vom Unternehmer Robert Louis-Dreyfus einen Kredit in dieser Höhe erhalten. Das Geld floss auf Konten des damaligen FIFA-Funktionärs Mohammed Bin Hammam. Die Rückzahlung drei Jahre später wurde von einem DFB-Konto über die FIFA abgewickelt.

Um die Rückzahlung zu ermöglichen, hätten die Beschuldigten gegenüber dem Präsidialausschuss des WM-OK den Vorgang "wahrheitswidrig als einen Mitfinanzierungsbeitrag des DFB bzw. des OK WM 2006 an die FIFA- Auftaktveranstaltung der WM 2006" ausgewiesen, schrieb die Bundesanwaltschaft. Um eine Verjährung zu verhindern, muss bis April 2020 ein erstinstanzliches Urteil gefällt werden.

Die WM-Affäre 2006 - eine Chronologie der Ereignisse

kon/sid/dpa