Premier-League-Vorschau, Teil 2

Bayerns Problem braucht Zeit - Chelsea im Check

Frank Lampard

Wie schwierig wird das Comeback? Frank Lampard als Chelsea-Trainer. Getty Images

Endlich wieder Umbruch! Geduld! Übergangsjahr!

Ob Roman Abramovich diese Begriffe überhaupt kannte? Zumindest wird er sie beigebracht bekommen oder in den letzten Wochen öfter gehört haben. Man lernt ja nie aus, also hat sich vielleicht auch Chelseas chronisch ungeduldiger Besitzer in dieser Richtung weiterentwickelt.

Die Verpflichtung von Frank Lampard (41) als neuen Chelsea-Trainer lässt auf jeden Fall darauf schließen. Lampard, die Klubikone, der Fanliebling und Rekordtorschütze der Blues, hat eine Aufgabe übernommen, die natürlich reizvoll, aber für alle Parteien auch riskant ist. Während seiner Zeit als Spieler hat Lampard selbst gesehen, wie Abramovich einen Trainer nach dem anderen verschlissen hat; seit der Übernahme 2003 inzwischen 13. Wird es dieses Mal anders? Bekommt Lampard Zeit, sein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen?

Lampards Vorteil - und die hohe Messlatte

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Er hat gerade erst in seiner Debütsaison als Profi-Trainer mit Derby County fast den Aufstieg in die Premier League geschafft, dort eine junge Mannschaft geformt. Jetzt lässt Lampard das liegen und kehrt zu seinem Herzensverein zurück, um mit Chelsea inmitten einer ganzjährigen Transfersperre wieder um die Top 4 zu konkurrieren. Und das ohne Eden Hazard.

Natürlich war es auch eine emotionale Entscheidung: Fans und Vereinsführung schätzen Lampard, der als Spieler und emotionaler Leader alle Titel gewonnen hat. Vor allem ist es nach dem von Wutausbrüchen und grotesken Szenen begleiteten Jahr mit Maurizio Sarri (60) ein kompletter Turnaround.

Sarris Erfolge werden unter Lampard kaum der Maßstab

Aber Lampard wird es schwerhaben, denn so sehr Sarri auch bei Publikum und einzelnen Spielern angeeckt ist: Mit ihm wurde Chelsea Dritter und gewann die Europa League. Da kommen Abramovich und die restliche Führungsriege der Blues wieder ins Spiel, die sehr wohl einkalkuliert haben dürften, dass diese Erfolge nicht der Maßstab für die kommende Spielzeit sein werden (zumal Chelsea in der Champions League antritt).

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Zwei Transferphasen muss Chelsea nun die Füße stillhalten, während Arsenal 80 Millionen Euro in den Angriff investiert (Pepé), ManUnited über 140 in die Abwehr (Maguire und Wan-Bissaka), ManCity und Liverpool ohnehin gut aufgestellt sind - und sogar Tottenham Geld ausgibt! Ja gut, Christian Pulisic (20) ist nach seiner direkten Weiterleihe zum BVB im Grunde ein Neuzugang. Und Mateo Kovacic (25, durfte aufgrund der vorherigen Leihe fest verpflichtet werden) war fast halb so teuer wie Hazard.

Christian Pulisic

Empfahl sich in der Vorbereitung: Christian Pulisic. Getty Images

Dennoch fühlt es sich an der Stamford Bridge nicht so an, als hätte Chelsea entscheidend aufgeschlossen. Hazard ist sowieso nicht zu ersetzen, das wird von Pulisic, der dessen Rolle auf dem linken Flügel einnehmen dürfte, auch nicht erwartet. Gonzalo Higuain war nicht der erhoffte Neuner, nach dem seit Didier Drogba vergeblich gesucht wird. Um diese Rolle streiten sich nun Olivier Giroud (32) und die Leih-Rückkehrer Michy Batshuayi (25) und Tammy Abraham (21), der Aston Villa mit 25 Toren zum Premier-League-Aufstieg verholfen hat.

Lampards Jahr in Derby dürfte nicht nur Abraham Mut machen. Auch bei den Rams hatte der 41-Jährige eingeschränkte finanzielle Mittel, lieh deshalb Mason Mount (20, der jetzt wieder bei Chelsea spielt und langfristig verlängert hat), und Harry Wilson (22, Liverpool) aus und baute - zusammen mit Co-Trainer Jody Morris, einem früheren Chelsea-Jugendcoach, der ihm auch jetzt weiter zur Seite steht - auf die Youngster, was er jetzt (notgedrungen) auch an der Stamford Bridge vorhat. Zum Leidwesen von Hasan Salihamidzic.

Unter Lampard sieht Hudson-Odoi eine Perspektive - und geht wohl nicht zum FC Bayern

Der Sportdirektor des FC Bayern hätte Callum Hudson-Odoi (18) gerne (schon im Winter) nach München geholt, und Hudson-Odoi wäre aufgrund der ausbaufähigen Einsatzzeiten unter Sarri auch gerne gegangen. Doch weil Lampard auf den zweimaligen Nationalspieler, der sich noch von einem Achillessehnenriss erholt, setzt und in ihm eine zentrale Figur schon für diese Saison sieht, wird er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag wohl in Kürze um fünf Jahre verlängern. Der Trainerwechsel erweist sich als Problem für die Bayern.

In Lampards bevorzugtem 4-2-3-1-System haben Abraham, Mount und Hudson-Odoi gute Chancen, in der Offensive zu wirbeln. Pulisic sowieso. Gesetzt sein dürften vorerst noch die Routiniers Willian (30) und Pedro (32). Genauso wie N'golo Kanté (28), der in Sarris Formation seine Qualitäten nur eingeschränkt zeigen konnte, und Jorginho (27) auf der Doppelsechs.

Im Abwehrverbund hatte Emerson (25) Marcos Alonso (28) zum Ende der vergangenen Saison den Rang auf der linken Seite abgelaufen, rechts hat Kapitän Cesar Azpilicueta (29) seinen Platz sicher. Im Zentrum werden Andreas Christensen (23) und Rückkehrer Kurt Zouma (24) auf eine Chance hoffen, zuletzt hatte Sarri dort Nationalspieler Antonio Rüdiger (26) und David Luiz (32, jetzt Arsenal) vertraut. Ethan Ampadou (18) hat sich wegen mangelnder Perspektive vorerst nach Leipzig verleihen lassen.

Obwohl der Kader bis auf Hazard eigentlich fast der gleiche ist, hat es beim FC Chelsea einen Anflug von Neuanfang. Und für diesen sollte Lampard Zeit bekommen, von einer erneuten Champions-League-Qualifikation niemand ausgehen.

Chelsea 2019/2020: Wer kam, wer ging

Platzierung in der letzten Saison: 3.

Neuzugänge: Mateo Kovacic (25, Mittelfeld, Real Madrid)

Abgänge: Eden Hazard (28, Angriff, Real Madrid), Ola Aina (22, Abwehr, FC Turin), Tomas Kalas (26, Abwehr, Bristol City), Danny Drinkwater (29, Mittelfeld, Burnley, Leihe), Gary Cahill (33, Abwehr, Crystal Palace), David Luiz (32, Abwehr, Arsenal), Trevoh Chalobah (20, Abwehr, Huddersfield, Leihe), Gonzalo Higuain (31, Angriff, Juventus)

mkr

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