Die Nachlese zum Ungarn-Grand-Prix

Der fröhlich-traurige Max Verstappen

Champagner ja, überschäumende Freude nein: Red-Bull-Pilot Max Verstappen.

Champagner ja, überschäumende Freude nein: Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Getty Images

Dauerbrenner: Nach zwölf gefahrenen Großen Preisen 2019 sind nur noch zwei Fahrer mit weißer Weste übriggeblieben. Allein Spitzenreiter Lewis Hamilton und Max Verstappen (3.) kamen nicht nur in allen Rennen ins Ziel, sondern fuhren auch stets in die Punkte. Je einen Ausfall verzeichnen Valtteri Bottas (2.) und Sebastian Vettel (4.).

Abstauber: Lewis Hamilton entwickelt sich zum Spezialisten, wenn es darum geht, Rennen zu gewinnen, in denen er bei weitem nicht die meiste Anzahl an Führungsrunden aufzuweisen hat. Dazu bedarf es standfester Technik, guter Taktik und außergewöhnlicher Fahrfähigkeiten. In Bahrain genügten ihm zehn Runden in Front (Leclerc hatte 41), in Kanada zwei (Vettel 63) und im Ungarn-Rennen, das 59 Runden lang von Verstappen dominiert wurde, deren drei.

Safety-Car: Ungarn war bereits das vierte Rennen des Jahres ohne Einsatz des Safety-Cars bzw. des virtuellen Safety-Cars. Dies ist insofern bemerkenswert, als es in der gesamten Saison 2018 lediglich zwei Rennen ohne das Führungsfahrzeug der Rennleitung gegeben hatte.

Zweiklassengesellschaft: Nur vier Fahrer (Hamilton Verstappen, Vettel, Leclerc) beendeten den Ungarn-GP in derselben Runde. 15 Fahrer, schon zum zweiten Mal in diesem Jahr (nach Österreich), kamen verspätet ins Ziel, für sechs von ihnen (Sainz, Gasly, Räikkönen, Bottas, Norris und Albon) gab es noch WM-Punkte. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, überrundeten Fahrern nur noch die Hälfe der vorgesehenen Punkteanzahl guzuschreiben.

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Hamiltons Freude: Impressionen vom Hungaroring

Langsamkeit: Der Oberbegriff dieser Meldung ist bitte in An- und Abführungszeichen zu verstehen. Die 1:17,103 Minuten für die schnellste Rennrunde, gefahren von Verstappen in der vorletzten Runde, sind neuer Rundenrekord in Ungarn. Auch wenn sie das Maximale dessen darstellen, was in diesem Rennen möglich war, sind sie mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 204,552 km/h die zweitlangsamste schnellste Rennrunde des Jahres. Traditionell den geringsten Wert weist Monaco auf (161,730 km/h, Pierre Gasly).

Aufsteiger: Max Verstappen gehört seit Ungarn zum Kreis jener nun genau 100 Fahrer, die mindestens eine Pole-Position ergattert haben. Im Kreis der aktuellen 20 Piloten haben elf Fahrer noch nie die beste Startposition eingenommen.

Wartezeit: Bis zur ersten Trainingsbestzeit musste sich Verstappen, gemessen an seinem unzweifelhaften Talent, sehr lange gedulden. Erst der 93. Anlauf führte ihn ans Ziel. In der Geschichte der Formel 1 mussten lediglich sechs Fahrer länger warten, ehe sie erstmals Trainingsbeste waren: Mika Häkkinen (94 GP), Daniel Ricciardo (94), Nico Rosberg (111), Thierry Boutsen (115), Jarno Trulli (117) und Mark Webber (130).

Umsetzung: Ehe Max Verstappen kurz vor Rennende von seinen extrem abbauenden Reifen im Stich gelassen wurde, schien er auf dem Weg, der 25. Fahrer der F1-Geschichte zu werden, der seine erste Pole-Position auch gleich in einen Sieg verwandelt. Immerhin erging es ihm mit Platz 2 deutlich besser als dem größten Pole-Pechvogel überhaupt: Der Franzose Jean-Pierre Jarier ist der einzige Fahrer, der den Grand Prix, zu dem er auf Pole gestanden hätte, erst gar nicht bestritt. Ein Getriebeschaden auf dem Weg zum Start des Argentinien-GP 1975 brachte ihm das vorzeitige Ende aller Träume.

Stefan Bomhard