Bayern-Lehren aus dem 0:2 in Dortmund

Neuer bestreitet System-Problem - Lewandowskis Déjà-vu

Manuel Neuer in Dortmund

Monierte nach dem 0:2 in Dortmund "zu viele Fehler": Manuel Neuer. imago images

Wenn es stimmt, dass Selbsterkenntnis der erste Weg zur Besserung ist, befindet sich der FC Bayern trotz des 0:2 bei Borussia Dortmund im Supercup auf dem richtigen Weg. Mit Kritik an sich sparten die Münchner Spieler jedenfalls nicht. "Wir sind sauer, weil wir das Spiel selbst verloren haben", sagte Robert Lewandowski, "uns sind zu viele einfache Fehler unterlaufen."

Zum Beispiel der Fehlpass Thiagos vor dem 0:1. Auch vor dem 0:2 spielte der sonst so passsichere Spanier den Ball in die Füße eines Dortmunders, anschließend verteidigte Jerome Boateng zu offensiv, verlor ebenfalls den Ball, beim anschließenden Konter war der Rekordmeister viel zu offen.

Neuer mahnt: "Da müssen wir in Zukunft aufpassen"

"Es waren ähnliche Fehler wie in der letzten Saison", merkte Lewandowski zu Recht an, Stichwort Konterabsicherung. Bereits in den ersten 45 Minuten wäre das beinahe zweimal schiefgegangen. "Unser Problem war, dass wir zu viele Fehler im eigenen Ballbesitz gemacht haben. Dortmund konnte seine Stärken im Kontern ausnutzen", analysierte Manuel Neuer, der zunächst zweimal glänzend parierte, bei einem missratenen Ausflug Glück hatte und bei den Gegentoren machtlos war. Die Schlussfolgerung des Kapitäns: "Man muss hellwach sein. Da müssen wir in Zukunft aufpassen."

Eine Systemdebatte wollten die Münchner vermeiden, dazu sollte der Härtetest mitten in der Vorbereitung auch keine finalen Schlüsse zulassen. Dennoch ist es auffällig, dass das 4-3-3 mit Thiago als alleinigem Sechser gefährlich ist. "Wir hatten nicht so viele hochstehende Mittelfeldspieler - Leon und Coco standen nicht näher an Lewy als an Thiago", widersprach Neuer zwar mit Verweis auf die Achter Goretzka und Tolisso. Dennoch dürfte Trainer Niko Kovac während der Saison in Duellen mit starken Gegnern sehr genau abwägen, ob er mit Javi Martinez lieber eine zusätzliche Sicherung einbaut. Der Baske fehlte im Supercup wegen Knieproblemen, eine Vorsichtsmaßnahme.

"Ich hoffe, dass uns solche Fehler nie mehr passieren"

Sind die Transferaktivitäten der Bayern abgeschlossen, wird Kovac außerdem mehr Spielraum in punkto Impulse von der Bank haben. In Dortmund blieb ihm ohne Serge Gnabry (Muskelprobleme) nur Alphonso Davies als offensive Option nach dem Rückstand. Renato Sanches auf dem linken Flügel kann ebenso nur eine Notlösung gewesen sein wie Kimmich auf die Sechs zu schieben und dafür Verteidiger Benjamin Pavard einzuwechseln.

Lewandowski forderte daher erneut mit Vehemenz Verstärkungen, Leroy Sané soll schon in der kommenden Woche die Königslösung werden. Unabhängig vom Personal sagt Kimmich: "Egal, gegen wen du spielst: Wenn du so viele Fehler machst, wird es schwierig ein Spiel zu gewinnen." Lewandowski setzt auf die richtigen Lehren: "Ich hoffe, dass uns solche Fehler nie mehr passieren." Ab dem Pflichtspielauftakt im Pokal bei Energie Cottbus (12. August) kosten die nicht nur Prestige wie am Samstag, sondern wichtige Punkte in der Bundesliga oder gar Titel in den Pokalwettbewerben.

Frank Linkesch

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