Denkwürdiger Abend für Gäste aus Tallin

Paciencia nutzt seine Chance - Hütter bekommt "Angstgegner"

Adi Hütter klatscht zufrieden mit Goncalo Paciencia ab.

Steigerung: Adi Hütter klatscht zufrieden mit Goncalo Paciencia ab. imago images

Damit beschenkte sich der Stürmer und seine Frankfurter Kollegen mit dem Einzug in die 3. Runde der Europa-League Qualifikation. Und Flora Tallin erlebte einen denkwürdigen, wohl einzigartigen Fußballabend.

Es fehlte nicht viel und beinahe hätte Goncalo Paciencia mit einem Fallrückzieher-Tor den ersten Europapokalabend der Saison in Frankfurt gekrönt - doch es fehlte ein knapper Meter. Weil die Frankfurter Eintracht zu diesem Zeitpunkt nach zwei Treffern des Portugiesen aber bereits mit 2:1 in Führung lagen, konnte der verfehlte Kunstschuss verkraftet werden. Die Luft war in der Folge raus, Tallin hatte sich seinem Schicksal nach der zweiten Führung der Hessen ergeben. "Immer wenn ich an meinem Geburtstag spiele, treffe ich auch. Das freut mich natürlich sehr, aber viel wichtiger war die gesamte Mannschaftsleistung. Als Stürmer ist es nun mal meine Aufgabe, zu treffen", zeigte sich der Matchwinner bescheiden.

Auf eine große Geburtstagsfeier musste der Angreifer jedoch verzichten, denn der Flieger zurück ins Trainingslager im österreichischen Windischgarsten stand quasi schon bereit. "Das Flugzeug ist zu klein, um eine Party zu veranstalten", sagte Paciencia lachend, "und selbst dann würde es nur Wasser geben, wir sind schließlich in der Vorbereitung." Die Präsente der Kollegen habe er ohnehin schon während der 90 Minuten erhalten, meinte Danny da Costa mit einem Schmunzeln auf den Lippen: "Der 'Gonce' hat mein Geschenk schon bekommen: Die Flanke auf den Kopf."

Diese verwertete Paciencia mit einem platzierten Kopfball neben den Pfosten. Das 2:1 folgte dann vom Punkt. Und erneut war da Costa der Überbringer des Geschenks. Dessen Schuss aus rund 20 Metern blockte Tallins Henri Järvelaid mit dem Ellbogen. Gewissermaßen auch eine Bewältigung der Vergangenheit, denn im letztjährigen Halbfinale gegen den FC Chelsea vergab der Torjäger noch im Elfmeterschießen.

In Tallin war ich nicht zufrieden mit ihm. Darauf hat er die richtige Reaktion gezeigt.

Adi Hütter über Paciencia

"In Tallin war ich nicht zufrieden mit ihm. Darauf hat er die richtige Reaktion gezeigt. Es war ein gutes Spiel von ihm", fand auch Trainer Adi Hütter lobende Worte. Ansonsten wusste der Österreicher die Partie richtig einzuordnen. "Wir freuen uns, dass wir weitergekommen sind. Das war die Vorgabe und Ziel. Dass noch deutlich Luft nach oben ist und etwas Sand im Getriebe war, hat wohl jeder gesehen. Wir können aber auch noch gar nicht dort sein, wo wir hinmöchten, weil wir im Trainingslager entsprechend trainiert haben."

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Auf eine Konstante der vergangenen Saison war auch im ersten Pflichtspiel der Saison vor heimischem Publikum wieder Verlass: die Fans der SGE. 48.000 Zuschauer und eine Choreographie vor Anpfiff erinnerten von der Stimmung her eher an ein Finale als an eine Zweitrunden-Qualifikationspartie. "Vor dem Spiel war ich etwas krank, habe mich schlecht gefühlt. Aber unsere Fans sind unglaublich und mit dieser Stimmung die beste Medizin", meinte der strahlende Paciencia.

48.000 statt 700 Zuschauer: Gänsehaut-Stimmung für Talinn-Spieler

Zu einem wirklichen Festtag machte der Frankfurter Anhang den Flutlichtabend aber insbesondere für die Gastmannschaft aus Estland. Unter Standing Ovations drehten diese eine Ehrenrunde in der ausverkauften Arena - ein denkwürdiger und emotionaler Abend für alle Beteiligten aus Tallin, die im Schnitt vor weniger als 700 Zuschauern auftreten. Mit der Übergabe von Trikots und der Kapitänsbinde bedankten sich die Talliner Akteure in der Frankfurter Fankurve, die den tapfer kämpfenden Underdog ins Herz geschlossen hatte. Keiner der beteiligten Esten, sei es die Spieler, der Staff oder der mitgereiste Anhang dürfte den vielleicht einmaligen Abend zu Lebzeiten vergessen.

Die Eintracht weilt nun wieder im Trainingslager, bevor am kommenden Donnerstag die 3. Qualifikationsrunde beim FC Vaduz ansteht. Gegen die Liechtensteiner, beheimatet in der zweiten Schweizer Liga, hat Hütter noch etwas gut zu machen. "Ich kenne Vaduz aus meiner Zeit in der Schweiz. Wir haben viermal dort gespielt und ich kann mich nicht daran erinnern, einmal gewonnen zu haben." Aus Frankfurter Sicht wäre es dann an der Zeit, die Serie zu brechen.

Moritz Kreilinger