"Genau dafür ist die Regel geändert worden"

Elfmeter-Kontroverse in Bielefeld: Referee Dankert bezieht Stellung

Daniel Buballa springt der Ball an den Arm, Referee Bastian Dankert überprüft die Szene

Elfmeter oder nicht? Bastian Dankert sieht sich die Videobilder von Daniel Buballas Handspiel an an. Getty Images/picture alliance

Fabian Klos stand schon bereit. Bielefelds Angreifer hatte sich den Ball zurechtgelegt, im Begriff, in dieser 73. Spielminute zum Elfmeter anzutreten. Dann aber erhielt Schiedsrichter Bastian Dankert noch einen Hinweis des Videosassistenten. Er, Dankert, solle sich die Szene doch noch einmal in der Review Area anschauen. Also lief der Unparteiische an den Spielfeldrand - und nahm seine Strafstoß-Entscheidung schließlich zurück. Klos durfte nicht schießen, Bielefeld blieb die große Chance zum 1:1 gegen St. Pauli verwehrt.

Und auch wenn die Arminia durch Manuel Prietl in der Schlussminute doch noch zum Ausgleich kam und sich letztlich mit einem Unentschieden von St. Pauli trennte, so war die Elfmeter-Szene nach der Partie am Montagabend doch das allgegenwärtige Gesprächsthema.

Daniel Buballa hatte eine Flanke von Jonathan Clauss zunächst mit dem Oberschenkel, dann mit dem Arm berührt. Ein strafwürdiges Handspiel? Oder eines, das keinen Strafstoß rechtfertigt?

Mir ist die Entscheidung unbegreiflich.

Bielefelds Kapitän Fabian Klos zur Elfmeter-Situation

"Der Videobeweis ist - wenn er so genutzt wird -, sinnlos", fand etwa Bielefelds Kapitän Klos am Sky-Mikrofon und führte aus: "Wenn man als Schiedsrichter die Möglichkeit hat, sich das beliebig oft anzugucken, dann ist mir die Entscheidung unbegreiflich." Sein Trainer Uwe Neuhaus, der sich offen als Videobeweis-Gegner outete, pflichtete ihm bei und betonte: "Für mich ist es ein Elfmeter. Ich habe gehört, dass alles einfacher sein soll mit der Handregelung, da habe ich heute natürlich nicht den Eindruck."

Spielbericht

Dankert: Das kann kein Handspiel sein

Gleichwohl stützt das Regelwerk Dankerts Entscheidung, den Strafstoß zurückzunehmen - denn in Paragraf 12 ist neuerdings festgesetzt: Es liegt kein Vergehen vor, wenn der Ball "direkt vom Kopf oder Körper (einschließlich des Fußes) des Spielers an dessen Hand/Arm" springt.

Das erklärte auch Dankert selbst noch einmal. Nach den Regeländerungen sei eindeutig, "dass das dann kein Handspiel sein kann". Nach Ansicht der Videosequenz "war mir schnell klar, dass das eine Fehlentscheidung von uns war. Deswegen habe ich dann auf Weiterspielen entschieden und den Elfmeter zurückgenommen. Genau dafür ist die Regel geändert worden, denn noch unabsichtlicher kann man sich den Ball nicht an die Hand spielen."

Eine Ansicht, die Buballa selbst natürlich teilte. "Nach der alten Regel wäre es wahrscheinlich gepfiffen worden", sagte St. Paulis Linksverteidiger, doch "wie die neue Regel besagt, ist das kein Handspiel". So kam Buballa zu dem Schluss: "Super Schiedsrichterleistung". Und St. Paulis Kapitän Christopher Avevor führte aus: "Uns wurde in der Belehrung vor der Saison ganz klar gesagt, dass es kein Elfmeter ist, wenn man sich den Ball selbst mit einem anderen Körperteil an die Hand schießt."

Acht Kameras in der 2. Liga, mehr als doppelt so viele in der Bundesliga

Der Videobeweis wurde in der 2. Bundesliga zum Start der Saison 2019/20 eingeführt. In den Stadien der Zweitligisten befinden sich acht Kameras, um "klare Fehlentscheidungen", wie es im Regelwerk heißt, zu verhindern. In der Bundesliga sind es mehr als doppelt so viele - bei Spielen mit großer Brisanz bis zu knapp über 20.

lei

Das Original: kicker-Sonderheft 2019/20

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