Ein Kommentar von kicker-Redakteur Chris Biechele

Spannung: Ja - Ende der Dominanz: Nein

Team Ineos

Am Ende dominant wie eh und je: Das Team Ineos stellte den Toursieger und den Zweiten. picture alliance

Das Spektakel begann mit einem großartigen Julian Alaphilippe, dessen Kampf im Gelben Trikot etwas Episches hatte, setzt sich über den bereits erwähnten Allgäuer Buchmann fort, der sich spektakulär unaufgeregt in der absoluten Weltspitze festsetzte, geht weiter über das sportliche Drama des französischen Tourfavoriten Thibaut Pinot, und endet, nachdem man viele, viele andere Facetten unterschlagen hat, bei einem Sieger der Superlative. Der Kolumbianer Egan Bernal ist mit 22 Jahren der jüngste Gesamtsieger der Nachkriegszeit und der erste, der aus Südamerika stammt.

Was diese Tour allerdings ganz und gar nicht war - ein sich abzeichnendes Ende der erdrückenden Dominanz des britischen Edelrennstalls, der einst als Team Sky nüchtern analytisch alles in Grund und Boden fuhr und seit Mai unter dem Namen Ineos unterwegs ist. Der Name hat sich geändert, nicht aber die finanziellen Möglichkeiten. Sie sind die mit Abstand größten im Peloton geblieben. Und auch das Programm wie die Herangehensweise haben sich nicht geändert. Beides hat seine Wurzeln in der vor gut zehn Jahren ins Leben gerufenen Großoffensive im Radsport der britischen Regierung.

Zugegeben, gerade in den Pyrenäen schien die rein unter dem Aspekt Toursieg zusammengestellte Equipe mit ihren Edelhelfern zu schwächeln, die bei anderen Teams als Kapitän auf Frankreichs Straßen unterwegs wären. In den Alpen jedoch hatte sie alles wieder im Griff, zwar nicht mehr ganz so fest wie einst, doch richtig in die Bredouille geriet sie zu keiner Phase. Mit vier, fünf Mann hielt sie in den Anstiegen das Tempo hoch, hatte dabei mit dem Vorjahressieger Geraint Thomas und seinem Nachfolger Bernal gleich zwei Trumpfkarten, die sie ausspielen konnte.

Kein Wunder also, dass sich das Endergebnis, vermeintlich knappe Abstände hin oder her, doch verdammt vertraut ausmacht. Das britische Team stellt zum siebten Mal in acht Jahren nicht nur den Gesamtsieger, sondern auch den Zweiten.

Bei der Tour 2020 könnte Ineos das Toptrio Bernal, Thomas, Froome aufbieten

Das Ende einer Dominanz liest sich gemeinhin anders - und auch die Aussichten für die Konkurrenz sind nicht gerade rosig. Bernal ist unverschämt jung, Thomas mit einer verkorksten Vorbereitung in den Beinen angetreten, und Chris Froome, der eigentliche Topfavorit, nach einem Horror-Sturz bei der Dauphine ausgefallen. Wie die Tour im nächsten Jahr verläuft, wenn die Briten mit diesem, sich in Bestform befindenden Trio antreten, da bedarf es keiner Fantasie und keines Fachwissens.

Chris Biechele

Die Bilder zur Tour 2019: Fan-Spektakel, Badespaß und Wetterchaos