Die Nachlese zum Deutschland-Grand-Prix

Vettel hat recht: Was für ein Rennen!

Robert Kubica

Holte den ersten Punkte seit seinem Comeback: Robert Kubica. picture alliance

Robert Kubica: Der rührige Pole, der trotz seiner schweren Verletzung an der rechten Hand nach neun Jahren in die Formel 1 zurückkehrte, holte seinen ersten WM-Punkt nach dem Comeback. Auf der Strecke Zwölfter, profitierte er vom nachträglichen Ausschluss der beiden Alfa Romeo, bei denen Unregelmäßigkeiten an der Kupplung entdeckt worden waren. Gleichzeitig war dies auch der erste Meisterschaftszähler für Williams, ein Team, das in seiner besten Zeit als nahezu unschlagbar galt und 16 WM-Titel einheimste (9 bei den Konstrukteuren, 7 bei den Fahrern).

Mercedes-Motor: Am Beispiel Williams lässt sich nachvollziehen, welch geringen Anteil am Ergebnis der Motor hat. Schlusslicht Williams verwendet identische Motoren wie das hochüberlegene Mercedes-Team. Unterschiede von teilweise mehr als drei Sekunden pro Runde zwischen den beiden Rennställen gehen zu wesentlichen Teilen auf aerodynamische Gründe zurück. Dies ist auch der Grund, warum neue Aeroregeln ab 2021 dafür sorgen sollen, dass die Differenz zwischen einzelnen Autos dann kaum noch mehr als zwei, drei Zehntel pro Runden betragen soll.

Ferrari-Debakel: Ähnlich schlecht wie die Ferrari-Startplätze 10 und 20 war die Scuderia zuletzt in Austin 2015. Seinerzeit fuhr Sebastian Vettel noch von Platz 13 auf 3 nach vorne, während Kimi Räikkönen nach Platz 18 am Start mit einem Fahrfehler ausschied. Die Ferrari-Kombination aus Räikkönen (18.) und Fernando Alonso (16.) blamierte sich nach Kräften auch im Training zum British Grand Prix 2014.

Mercedes-Minus: Zwei WM-Punkte für Mercedes nehmen sich nach den überragenden ersten zehn Saisonrennen fast schon jämmerlich aus. Und selbst die waren ja nur durch die nachträgliche Disqualifikation beider Alfa Romeo möglich. Das schwächste Mannschaftsergebnis der bisherigen Saison war für die Silbernen der Österreich-GP mit 25 Punkten nach den Plätzen 3 (Valtteri Bottas) und 5 (Lewis Hamilton). Eine "Null" gab es zuletzt in Österreich 2018 durch den technischen Ausfall beider Silberpfeile.

Punkte-Vielfalt: Erstmals in dieser Saison teilten sich acht Hersteller die Punkte, nur Renault und Alfa Romeo gingen leer aus. Mit nur fünf Marken in den Top 10 - dies ist bei zwei Startern je Team das absolute Minimum - ragt der Österreich-Grand-Prix nach unten heraus.

Überhol-Action: Zwar gab es bei den Rennen in Bahrain (54) und Aserbaidschan (50) noch mehr Überholmanöver als in Hockenheim. Trotzdem sorgten - neben dem Wetter - die 49 gelungenen Überholvorgänge für das unterhaltsamste Rennen des Jahres bisher.

Boxengassen-Stress: Die durch wechselnde Wetterbedingungen notwendigen 78 Boxenstopps sind einsame Spitze in der Saison 2019. Die meisten Besuche an der Teamgarage gab es bis dahin in Schanghai und Barcelona (je 37).

19 verlangsamte Runden und sieben Ausfälle

Charles Leclerc

Einer von sieben Ausfällen: Ferrari-Pilot Charles Leclerc. picture alliance

Safety-Car: Erstmals in diesem Jahr musste das Safety-Car öfter als einmal in einem Rennen ausrücken. Gleich viermal führte Bernd Mayländer im Mercedes-AMG GT R das Feld an, zusätzlich zweimal wurde die Meute durch das virtuelle Safety-Car eingebremst. Zu in diesem Jahr bisher insgesamt 23 Safety-Car-Runden bei sieben Grand Prix kamen jetzt auf einen Schlag 19 verlangsamte Runden in einem einzigen Rennen hinzu. Ohne Safety-Car verliefen die Rennen in Melbourne, Montreal und Spielberg.

Ausfall-Quote: Sieben Fahrer (Perez, Ricciardo, Norris, Leclerc, Hülkenberg, Bottas, Gasly) sahen die Zielflagge nicht. Vier Ausfälle (in Bahrain und Aserbaidschan) waren bislang der höchste Wert. Keinen einzigen verzeichnete übrigens Ende Juni das Österreich-Rennen, eine absolute Seltenheit. Nur neunmal in 1008 Rennen seit 1950 wurden alle Fahrer gewertet, erstmals 1961 beim GP der Niederlande in Zandvoort und dann erst 44 Jahre später wieder beim Italien-GP in Monza.

Honda-Speed: Schnellster Fahrer von Hockenheim 2019 war der Franzose Pierre Gasly. Mit einem Top-Speed von 344,9 km/h wurde der Red-Bull-Honda-Pilot gemessen, ehe er drei Runden vor dem Ende nach einer Kollision ausschied. Ungewöhnlich daran ist sein Abstand zu den anderen: Erst mit sieben km/h weniger folgte Alexander Albon vom Schwesterteam Toro-Rosso-Honda.

Hülkenberg geht auch im 167. Anlauf leer aus

Nico Hülkenberg

Trauer-Spiel: Nico Hülkenberg verpasste auch im 167. Anlauf den Sprung auf das Podium. picture alliance

Trauer-Spiel: Zwischen der 31. und der 37. Runde sprach einiges dafür, dass ausgerechnet vor heimischem Publikum eine der dunkelsten Serien der Formel 1 endlich der Vergangenheit würde angehören können. In keinem seiner bis dahin 166 Rennen war es Nico Hülkenberg gelungen, aufs Podium zu fahren. Doch sein zwischenzeitlicher 2. Platz in Rennen Nr. 167 wurde erst zu einem 3. (überholt von Bottas in Runde 37), dann zu einem 4. (überholt von Hamilton, 38./39.) - und danach zu einem Ding der Unmöglichkeit: Auf dem spiegelglatten Asphalt des Randstreifens in der Zielkurve verlor der Renault-Pilot sein Auto und schlug heftig ein. Zweiter in diesem Negativranking ist übrigens auch ein Deutscher: Adrian Sutil, der es in 128 Rennen kein einziges Mal in die Nähe des Siegeschampagners brachte.

Stefan Bomhard