Sechs Gold- und zwei Silbermedaillen für den 22-Jährigen

Auf der Jagd nach Phelps: Durchstarter Dressel und ein Kopftuch

Caeleb Dressel

Himmelsstürmer: Caeleb Dressel jagt schon mit 22 Jahren die Rekorde des großen Michael Phelps. imago images

"Caelebration": Dressels Vorname bot sich für die englischsprachige Presse natürlich an. Seine acht Medaillen (sechsmal Gold, zweimal Silber) allerdings nicht minder. Nach sensationellen sieben WM-Triumphen 2017 erlebte der 22-Jährige durch die Leistungsbestätigung zwei Jahre später seinen endgültigen Durchbruch als neuer Superstar der Schwimm-Elite.

Acht Medaillen bei einer einzelnen WM sammelte noch nicht einmal Michael Phelps - der ganz große Triumph wurde es am Ende aber nicht: Phelps' Rekord von siebenmal Gold (2007), den er sich mit Sprinter Dressel teilt, hat weiterhin Bestand. Allerdings werde es "nie passieren, dass ich mit sechs Gold- und zwei Silbermedaillen unglücklich bin", grinste der in Green Cove Springs, Florida, geborene 1,91-Meter-Mann. Dessen endgültiger Aufstieg in den Schwimm-Olymp bereits durch dominante Olympische Sommerspiele 2020 erwartet wird.

Dreimal Gold in 104 Minuten - anatomische Vorteile

Freilich ist Dressel nicht nur Medaillen-, sondern auch (Welt-)Rekordjäger: Phelps‘ Bestzeit über 100m Schmetterling fiel im Semifinale des Wettbewerbs deutlich (49,50s). Und auch für den Moment der Weltmeisterschaften schlechthin war Dressel verantwortlich, als er binnen 104 Minuten jeweils Gold in drei verschiedenen Disziplinen gewann (50 m Freistil, 100 m Schmetterling und Mixed-Freistilstaffel).

Angesichts dieser Dominanz stellt sich auch beim "next big thing" des Schwimmsports die allgegenwärtige Dopingfrage. Dressels Leistungen lassen sich ein großes Stück weit damit erklären, dass er - wie Usain Bolt in der Leichtathletik oder eben Ikone Phelps - anatomische Vorteile zu haben scheint. Seine Schnellkraft in Armen und Beinen ist außergewöhnlich, die Explosivität überträgt er besser ins Wasser als die wiederholt deklassierte Konkurrenz.

Ich glaube, dass ihr Geist in diesem Tuch steckt.

Caeleb Dressel über "das wichtigste Ding in meinem Leben"

Ohne einen Gegenstand geht bei Dressel aber nichts. Weil ohne eine bestimmte Person vielleicht nie etwas von dem, was ihn aktuell auf zahlreiche Titelseiten bringt, gegangen wäre. "Es ist das wichtigste Ding in meinem Leben", sagt der US-Amerikaner über ein kleines schwarz-blaues Tuch, das seiner vor zwei Jahren an Krebs verstorbenen Mathe-Lehrerin gehörte. Claire McCool gibt Dressel als seine Mentorin, als seine wichtigste Bezugsperson an: "Ich glaube, dass ihr Geist in diesem Tuch steckt."

Unverzichtbar: Das Tuch seiner verstorbenen Lehrerin trägt der gläubige Dressel immer bei sich.

Unverzichtbar: Das Tuch seiner verstorbenen Lehrerin trägt der gläubige Dressel immer bei sich. imago images

McCool hatte es während ihrer Chemotherapie auf dem Kopf getragen - die Kraft, die der Kurzstrecken-Spezialist daraus zieht, sei laut ihrem Witwer immens. Vor jedem Rennen läuft Dressel mit dem Tuch an seinen Startblock, bei keiner Siegerehrung darf es fehlen. "Mrs. McCool wird bis zum Ende meiner Karriere dabei sein. Gewöhnt auch also daran."

Dressel hatte kurzzeitig aufgehört - die Suche nach dem perfekten Rennen

Phelps' Erbe, auch wenn die Fußstapfen weiterhin riesig sind, scheint angetreten. Ein würdiger Nachfolger ist, da sind sich viele Experten einig, gefunden. "Ich war nie derjenige, der diesen Hype befeuert hat", beschwichtigt der abseits des Beckens eher introvertierte Freistil- und Schmetterling-Spezialist, der wegen des Drucks sogar kurzzeitig mit dem Schwimmen aufgehört hatte.

Dank seiner Lehrerin McCool fand Dressel aber einen Weg aus dieser Sinnkrise und zu ungeahnten Stärken. "Es geht um mich, um meinen Trainer und darum, bereit zu sein. Und ich werde nächstes Jahr bereit sein", drohte der gläubige Dominator ("Ich lege mein ganzes Vertrauen in Gott") und fügte, falls die erste Ankündigung noch nicht genug gewesen wäre, an: "Ich hatte noch nie in meinem Leben ein perfektes Rennen."

nba/sid