Bärenstarke Aufholjagd beim Heimrennen in Hockenheim

"Regengott" Vettel erlebt eine Erlösung

Sebastian Vettel feiert gelöst den zweiten Platz in Hockenheim.

Sebastian Vettel feiert gelöst den zweiten Platz in Hockenheim. Getty Images

Max Verstappen im Red Bull feierte zwar eine Art Heimsieg vor Tausenden niederländischen Fans, Mann des Tages war aber Vettel. "Es war unglaublich, das hat extrem viel Spaß gemacht", sagte der Hesse mit sich überschlagender Stimme: "Die Bedingungen waren sehr schwer einzuschätzen, wann es wie stark regnet. Ich habe irgendwann angefangen, auf die Regenschirme der Fans zu schauen."

Ich habe irgendwann angefangen, auf die Regenschirme der Fans zu schauen.

Sebastian Vettel

Vettel las die Bedingungen letztlich perfekt. "Das hat Sebastian gebraucht. Das gibt ihm wieder Ansporn", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto mit Blick auf die bisherige Saison, die von Fehlern des Deutschen, von Pech und sogar von Gerüchten um den baldigen Rücktritt des viermaligen Weltmeisters geprägt war.

In Hockenheim kam er nun wie einst sein Vorbild Michael Schumacher deutlich besser durch den Regen als zahlreiche Konkurrenten - auch und vor allem besser als die favorisierten Mercedes-Silberpfeile, die bei ihrem 200. Formel-1-Rennen einen Albtraum durchlitten.

Denn unter dem Jubel der deutschen Fans versagten nicht nur Lewis Hamilton gleich mehrfach die Nerven, der Brite kam nach einigen Fehlern als Elfter ins Ziel, wurde nur dank der Degradierung der beiden Alfa Romeos letztlich noch Neunter. Auch sein Teamkollege Valtteri Bottas verlor in der Schlussphase die Kontrolle und schied aus. Dritter wurde damit sensationell der Russe Daniil Kvyat.

Ich weiß wirklich nicht, was heute passiert ist.

Lewis Hamilton

"Leben bedeutet Lernen", sagte Hamilton: "Ich weiß wirklich nicht, was heute passiert ist. Es war heute die Kombination von mehreren Faktoren." Hinter Hamilton (225) und Bottas (184) ist Verstappen (162) weiter Dritter des WM-Klassements, Vettel (141) bleibt Vierter. Für ihn hatte das Wochenende nach dem Qualifying schon wie ein verlorenes gewirkt, ein Problem mit dem Turbolader hatte ihn gestoppt, er musste vom letzten Rang ins Rennen starten.

Doch das Wetter wurde zu Vettels Verbündetem. Zwei Stunden vor dem Rennen setzte starker Niederschlag ein, alle Fahrer rollten mit Regenreifen in die Startaufstellung, es folgte der wildeste Nachmittag der bisherigen Saison.

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Hockenheim im Oranje-Rausch - Vettels irre Jagd