DFB-Präsidium votiert einstimmig für die Anträge zur Strukturreform

Koch weist die Kritik am Auswahl-Verfahren zurück

Dr. Rainer Koch

Die Suche nach einem neuen Präsidenten oder einer neuen Präsidentin sei ein "ein höchst demokratischer Prozess": Dr. Rainer Koch weist Kritik am Verfahren zurück. imago images

"Die Vorgehensweise wurde auch von Hermann Winkler gutgeheißen, das belegen die Sitzungsprotokolle", sagte der sichtlich verärgerte DFB-Interimspräsident zur Kritik des Präsidenten des sächsischen Fußballverbandes und bezeichnete das Auswahlverfahren als "einen höchst demokratischen Prozess". Mit Hilfe einer Personalberatungsagentur hatte eine sechsköpfige Findungskommission zunächst ein Stellenprofil und danach eine Longlist mit Kandidaten erstellt, die später zur einer sogenannten Shortlist verkleinert wurde. Wie viele Personen diese umfasst und welche Namen darauf stehen, bleibt ein Geheimnis. Koch deutete lediglich an, dass die Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich liege und sprach auffällig oft davon, dass es um einen Vorschlag zur Wahl "einer Präsidentin oder eines Präsidenten" gehe.

Am 21. August soll in Berlin allen 27 Institutionen, die laut DFB-Satzung einen Kandidaten aufstellen, ein Wahlvorschlag unterbreitet werden. Die 21 Landesverbände und fünf Regionalverbände des DFB sowie die DFL haben danach acht Tage Zeit, den Kandidaten der Findungskommission oder einen eigenen Kandidaten zu nominieren. Ursprünglich wollte der momentan kommissarisch von den Vizepräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch geführte Verband bis zum 26. Juli einen Vorschlag für das vakante Präsidentenamt erarbeiten und diesen am 1. August öffentlich machen. Aufgrund von Absagen wurde diese Frist verschoben.

Einen neuen Drive erhoffen sich Koch und Co. nun von der Tatsache, dass an diesem Freitag alle Anträge zum Bundestag das DFB-Präsidium einstimmig passierten. In diesem Gremium sitzen auch Vertreter der Liga, so dass sich der neue Verbandsboss sicher sein kann, dass die Strukturreform vom Profilager befürwortet wird.

In den neuen Paragraphen 33 bis 37 der Satzung wird festgelegt, welche Aufgaben der DFB e.V. künftig übernimmt beziehungsweise welche in die DFB GmbH ausgegliedert werden, allerdings sind die steuerrechtlichen Prüfungen noch nicht abgeschlossen. "Bei einem Budget von über 400 Millionen Euro müssen die wirtschaftlich Aktivitäten in modernen Unternehmensformen abgearbeitet werden", skizziert Dr. Koch die angestrebte Trennung zwischen den ideellen Aufgaben auf der einen und unternehmerischen Tätigkeiten des Verbandes auf der anderen Seite.

Die Aufgabe des Verbandschefs soll es künftig sein, die unterschiedlichen Interessen im weltgrößten Sportfachverband zum Ausgleich zu bringen. Damit soll verhindert werden, dass der Nachfolger des im April zurückgetretenen Reinhard Grindel wie die letzten vier Präsidenten vor dem Ende der Legislaturperiode ausscheidet. Es wird der erst 13. Präsident in der knapp 120-jährigen DFB-Geschichte sein, aber schon der fünfte innerhalb von nur 15 Jahren.

Michael Ebert