Nico Hülkenbergs Teamkollege bei Renault

Ricciardo: Ein Lächeln gegen alle Krisen

Daniel Ricciardo (re., mit Nico Hülkenberg)

Daniel Ricciardo (re., mit Nico Hülkenberg): Wichtig ist, "dass das Team happy ist mit deiner Leistung". imago images

Sein Deutsch? Nun, denn... "Wunderbar, super. Mein Äksent is sehr kraftig." Dazu noch ein paar Kraftausdrücke, das ist alles, was blieb von seiner Fahrerpartnerschaft mit Sebastian Vettel bei Red Bull. Und in den sieben Monaten der Kooperation mit Nico Hülkenberg ist seit Jahresanfang nicht allzu viel hinzugekommen. Doch das, was Daniel Ricciardo in seiner Muttersprache zu erzählen hat, ist ohnehin interessanter.

Zum Beispiel, wenn es um seine Leidenschaft für Tattoos geht. Vor Silverstone hat er sich auf den Unterarm, den er eigentlich freihalten wollte von jedweden Körperbemalungen, einen Cupido stechen lassen. Weil die Zeit knapp war, fehlt dem Liebesgott aus Tinte noch der Bogen. Allenfalls halbfertig ist aber auch das, was Ricciardo bei Renault vorfand, wohin er im Winter nach sieben Jahren mit 150 Rennen für Toro Rosso und Red Bull gewechselt war. Die simple Frage "Wo liegt das Problem" bringt den immer lächelnden, dabei aber nicht aufgesetzt wirkenden Aussie ins Reden: "Silverstone zuletzt war schon viel besser, lag ungefähr da, wo wir eigentlich glaubten zu stehen." Sechs Punkte gab es da als Siebter im Rennen für ihn, einen auch noch für den Teamkollegen. Doch für ein Team, das sich im vierten Jahr eines Fünfjahresplans befindet, der zur Krönung idealerweise den Titel bringen sollte, ist das zu wenig. Deutlich zu wenig.

"Wenn ich sage, es war viel besser, dann ist es noch lange nicht das, wo wir hinwollen", räumt Ricciardo unumwunden ein, "wir wollen doch nicht auf Dauer im Mittelfeld kämpfen. Unser Ziel für dieses Jahr haben wir bisher klar nicht erreicht, bis zum Saisonende aber halte ich es noch für möglich, wenigstens Best of the Rest zu sein." Ein Podium aber gegen die schier übermächtigen Mercedes, Ferrari und Red Bull "ist nicht wirklich realistisch".

Klingt da Bedauern über den Abgang bei Red Bull durch? Im Gegenteil. Ricciardo verteidigt seinen Entschluss, bei Renault angeheuert zu haben. "Ja, wir hatten einiges erreicht bei Red Bull", sagt er und meint damit seine sieben Siege, die er mit dem austro-britischen Team einfuhr. "Aber ich fühlte, dass für mich persönlich nicht mehr viel dazukommen konnte. Deshalb habe ich mich entschieden, mit neuen Leuten hier bei Renault zusammenzuarbeiten. Ich habe mehr über mich selbst erfahren und gelernt, wie man ein komplizierteres Auto in kleinen Schritten ein Stück nach vorne bringen kann. Ich habe jetzt intensivere Beziehungen zu meinen Ingenieuren. Ganz persönlich empfinde ich das als großen Gewinn, ich habe mich über nichts zu beklagen."

Blick nach vorn, das ist von jeher im Rennsport die beste Art des Handelns. "Siege, Podien, das alles hatte ich schon", sagt der 30-Jährige und hält sich mit der Rückschau nicht lange auf. Bei Renault warten neue Aufgaben, wie etwa im vorletzten Rennen in Österreich, wo es für ihn und Hülkenberg mit einer Runde Rückstand nur zu den Plätzen 12 und 13 reichte. "Mein Hunger ist jetzt wahrscheinlich größer als vorher. In dem Rennen hatte ich jede enge innerlicher Frustration. Das aber brachte mich umso mehr dazu, wieder zumindest auf dem Level zu fahren, das wir in Silverstone hatten. Solche Rückschläge bringen dich nach vorne."

Auch wenn es hier und da um lediglich einen einzigen WM-Punkt geht, muss das die Motivation nicht schmälern. "Wenn es das an diesem Tag beste Rennen ist, das du abliefern kannst, dann kann auch das dich zufrieden machen. Es ist vielleicht nicht dieselbe Freude, die du auf dem Podium hast. Aber ich hatte auch Podien, da habe ich mich als Dritter nur darüber geärgert, nicht Zweiter geworden zu sein."

Was also ist wichtig? Die Zähne blitzen, als Ricciardo sagt: "Wenn du weißt, dass das Team happy ist mit deiner Leistung. Es gibt ganz viele kleine Ziele, die ich im Kopf habe und die ich erreichen möchte." Das meint er ernst, der Spaßmacher vom anderen Ende der Welt.

Stefan Bomhard