Stürmer sieht seinen S04-Abschied selbstkritisch

Di Santo: "Vielleicht bin ich überstürzt gegangen"

Franco Di Santo

Blickt selbstkritisch zurück: Franco Di Santo. imago images

Er spielte beim FC Chelsea, bei Werder Bremen, Schalke 04 und in der ersten Hälfte dieses Jahres bei Rayo Vallecano - mit den Spaniern stieg er in die 2. Liga ab. Sein Europa-Abenteuer ist nun aber vorerst vorbei. Im Moment hält sich Franco Di Santo in seinem Heimatland Argentinien fit. Im kicker-Interview spricht der 30-Jährige, der 2015 für sechs Millionen Euro aus Bremen in den Pott kam, offen und kritisch über seine Zeit in Europa.

Womit verbringen Sie im Moment Ihre Zeit, Herr Di Santo?
Ich trainiere hart, während ich auf die beste Option warte. Ich vertraue darauf, dass etwas Gutes kommen wird, um zu meinem alten Leistungsniveau zurückzukehren. Es ist für keinen Südamerikaner einfach, 13 Jahre lang in Europas Topligen zu spielen. Auch wenn wir andere Angebote prüfen, fühle ich mich auch mit 30 Jahren fit genug für Europa.

Welche Eindrücke aus England, Deutschland und Spanien bleiben Ihnen besonders in Erinnerung?
Gott sei Dank hatte ich die Möglichkeit, in den besten Ligen der Welt zu spielen, und ich glaube, dass die Bundesliga keinen Grund hat, die Premier League zu beneiden. Beide haben einen sehr intensiven und dynamischen Stil. In Spanien hatte ich wiederum das Gefühl, mich nicht an den Stil bzw. die notwendige Kontinuität anpassen zu können.

Hat sich der halbjährige Wechsel zu Vallecano also nicht als richtiger Schritt für Sie herausgestellt?
Um ganz ehrlich zu sein, glaube ich, dass es ein Fehler war, am letzten Tag der Transferperiode abzureisen, ohne mich vorher genau darüber informiert zu haben, wohin es ging. Ich hätte dableiben sollen, wo ich gearbeitet habe, wie ich es immer für das Team getan habe, ohne die Schultern hängen zu lassen. Es blieb einfach extrem wenig Zeit, um mich an eine neue Liga, einen neuen Verein und Mitspieler anzupassen. Aber man lernt aus allem und gewinnt stets an Erfahrung.

Warum haben Sie keinen anderen Ausweg als eine Trennung von Schalke gesehen?
Ich wollte die Zeit bei Schalke in guter Erinnerung behalten. Wir haben gemeinsam als Mannschaft um einen Titel gekämpft und sind schließlich Vizemeister geworden mit dem für mich guten Gefühl, eine der Hauptpersonen gewesen zu sein. Ich sollte auf einer Position spielen, die nicht meine eigentliche war und mich persönlich beeinträchtigte, da ich weit vom Strafraum entfernt war. Aber zu dem Zeitpunkt war kein Platz für persönliche Belange, und es war das Beste für die Mannschaft. Das Wohl des Teams habe ich stets über meine eigenen Bedürfnisse gestellt. Ich habe mehr als 90 Prozent der Spiele absolviert, weshalb ich nicht verstehen konnte, warum ich meinen Stammplatz verloren hatte. Vielleicht bin ich überstürzt gegangen, aber so ist es jetzt eben.

Hohes Gehalt, wenig Tore: Wie wären Sie den Schalker Fans lieber in Erinnerung geblieben?
Oft werden Stürmer nur anhand ihrer Tore bewertet, aber ich bin sehr zufrieden mit der Tatsache, dass ich in Schalkes bester Saison seit vielen Jahren mehr als 90 Prozent der Spiele bestritten habe und mit der Mannschaft in die Champions League zurückgekehrt bin. Das Gehalt war ein Resultat meiner Zeit in Bremen, wo ich sehr glücklich war, immer auf meiner Position spielen konnte und zu den Toptorschützen der Saison zählte. Mir wäre es lieber gewesen, wenn die Leute anstelle des hohen Gehalts und der wenigen Tore meinen Teamgeist gesehen hätten, dass ich stets das getan habe, was der Trainer von mir verlangte, gelaufen bin ohne Ende und mich für die Mannschaft geopfert habe.

Bleiben Sie nun in Argentinien oder würden Sie gerne weiter in Europa spielen?
Ich fühle mich definitiv bereit dazu, in Europa weiterzumachen, mein Können unter Beweis zu stellen und zu zeigen, welcher Stürmertyp ich bin. Mit meiner Erfahrung und körperlichen Verfassung sehe ich mich nach wie vor in der Lage, in den großen Ligen anzugreifen. Und wenn ich nach 13 Jahren in Europa nun in Südamerika bleiben müsste, würde ich dies auch auf die für mich beste Art und Weise tun.

Interview: Toni Lieto

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