Fehlende Alternativen werden zum Problem

Kohfeldts Sorge: "Jetzt darf nicht mehr viel passieren"

Florian Kohfeldt

Die Personalsituation in der Defensive gibt Grund zur Sorge: Florian Kohfeldt. imago images

Grundsätzlich ist Florian Kohfeldt mit dem Stand der Vorbereitung zufrieden. Zwar konstatierte der Werder-Coach nach dem Blitzturnier gegen Köln (1:0) und Osnabrück (0:1) am Samstag, sein Team sei "noch weit weg vom Optimum". Doch vier Wochen vor Saisonstart ist das der erwünschte Normalfall. Es fehlt die Frische, dazu noch einiges an Abstimmung - alles business as usual. Grund zur Sorge gibt zum aktuellen Zeitpunkt aber die Personalsituation in der Defensive. Erstmals überhaupt konnte Kohfeldt gegen Köln die Viererkette auf den Platz bringen, die es auch zu Ligabeginn gegen Düsseldorf richten soll. Und "von jetzt an", hält der Trainer fest, "darf da hinten nicht mehr viel passieren."

Zum Quartett Theo Gebre Selassie, Marco Friedl, Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson steht nämlich weiterhin keine Bundesliga taugliche Alternative zur Verfügung. Dass dies streng genommen schon jetzt ein Problem darstellt, belegten die zweimal 30 Minuten gegen Osnabrück. Nicht, weil der Europa-League-Aspirant dem Zweitliga-Aufsteiger dabei hoch verdient mit 0:1 unterlag. Sondern weil Kohfeldt "keine Erkenntnisse für die Bundesliga ziehen konnte. Das hatte mit den Abläufen, die wir trainiert haben, nichts zu tun." Die Abwehrreihe bestand aus den U-23-Akteuren Benjamin Goller, Dominik Becker, Christian Groß und Niklas Wiemann, zentral davor begann Julian Rieckmann als Sechser. Allesamt Spieler, die sich individuell zwar spürbar positiv entwickeln, aber von einer ernsthaften Profi-Perspektive bei Werder (noch) meilenweit entfernt sind.

Unter mannschaftstaktischen Gesichtspunkten war der Test gegen Osnabrück also verschenkt. Zudem wurde einmal mehr offenbar: Ein weiterer bzw. neuerlicher verletzungsbedingter Ausfall in der Defensive brächte Werder auf dem Transfermarkt ganz akut in Zugzwang. Verstärkung für die Außenbahnen soll zwar ohnehin definitiv kommen. Doch bislang bemühen sich die Verantwortlichen um Hochkaräter à la Benjamin Henrichs (AS Monaco), deren Verpflichtung sich noch hinziehen könnte - wenn sie überhaupt realisierbar ist.

Beijmo und Bauer haben keine Zukunft bei Werder

Fürs Trainingslager in Grassau ab kommenden Freitag ist immerhin die Rückkehr von Innenverteidiger Sebastian Langkamp (nach Faserriss) avisiert. Auch Rechtsverteidiger Felix Beijmo soll nach muskulären Problemen dieser Tage wieder einsteigen. Doch der 21-jährige Schwede soll abgegeben werden und ist erkennbar völlig chancenlos. Trotz des Engpasses unternimmt Kohfeldt nicht mal mehr ansatzweise den Versuch, den Drei-Millionen-Euro-Einkauf des vergangenen Sommers als Alternative in Stellung zu bringen.

Ohnehin komplett aussortiert wurde Robert Bauer, der nach beendeter Leihe zum 1. FC Nürnberg noch ein Jahr Vertrag an der Weser besitzt. Der Ex-U-21-Nationalspieler, 2016 für 2,5 Mio. Euro aus Ingolstadt geholt, würde als Rechts- und Linksverteidiger nominell geradezu mustergültig das Anforderungsprofil erfüllen. Fußballerisch passt Bauer aber nicht ins Konzept, und offenbar auch atmosphärisch ist das Tischtuch zwischen ihm und Kohfeldt schon seit mehr als einem Jahr zerschnitten.

Thiemo Müller

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