"Gutes Gefühl": Die USA-Bilanz des BVB-Geschäftsführers

Watzke: Stürmersuche wird nicht forciert

Hans-Joachim Watzke

Zufrieden mit dem Trip in die USA: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. imago images

Über die US-Tour des BVB berichtet Matthias Dersch

"Sportlich hat mir vieles gut gefallen. Die Reise war gut aufgebaut. Und man merkt, dass die schwarzgelbe Community in Amerika größer wird. Es lohnt sich also auch monetär", sagt Watzke. In Dortmund allerdings, das betont er explizit, herrsche in dieser Saison "das Primat des Sports". Man versuche, "dem möglichen sportlichen Erfolg alles unterzuordnen". Auch deshalb verzichtet der BVB in der Woche vor dem Trainingslager in Bad Ragaz (ab dem 27. Juli) auf ein weiteres Freundschaftsspiel. "Wir hätten das machen können, um Geld zu verdienen", sagt Watzke, "aber wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir nur trainieren wollen."

Auch in den USA hatten die Verantwortlichen viele Zeitslots für den Sport eingeplant. Lucien Favre trainierte sein Team unter anderem auf dem Klubgelände der Seattle Seahawks und dem Campus der Universität von Notre Dame. Zwei erfolgreiche Tests gegen die Seattle Sounders (3:1) und den FC Liverpool (3:2) rundete den sportlichen Teil des Programms ab. Zur Freude Watzkes. "Wir können die Ergebnisse natürlich einschätzen", sagt er, "aber ich habe schon gemerkt, dass der Test gegen Liverpool mehr war als ein Freundschaftsspiel."

So wie der Champions-League-Sieger, der vom früheren BVB-Trainer Jürgen Klopp gecoacht wird, in den letzten 15 Spielminuten attackiert habe, "habe ich nicht den Eindruck gehabt, dass das Ergebnis zweitrangig war, insofern war das ein sehr guter Test". Der durchaus schon zeigte, welche Qualität in diesem Dortmunder Kader steckt.

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Der BVB-Boss jedenfalls ist zufrieden mit dem Stand der Dinge und der bereits erledigten Arbeit. Er habe ein "gutes Gefühl" auf der Aufnahmeseite. Dieses Gefühl werde von Sportdirektor Michael Zorc, Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl und auch von Matthias Sammer, dem externen Berater der Borussia, geteilt. "Ich glaube, dass unser Kader ausgewogener ist als in der Vorsaison", sagt Watzke, der sich "sicher" ist, dass sich die Rückkehr von Mats Hummels "bezahlt machen" werde. Jetzt gelte es, den Kader zu verkleinern. "Hinter den Kulissen laufen die Gespräche, Michael Zorc ist da sehr fleißig bei der Arbeit."

Stürmersuche wird nicht forciert

Die Stürmersuche dagegen wird - wenn man Watzkes Worten folgt - erst einmal nicht mehr forciert. Der Klub habe in Paco Alcacer einen gelernten Mittelstürmer und damit exakt so viele wie der große Meisterschaftskonkurrent FC Bayern. "Paco Alcacer hat jetzt in den Testspielen immer getroffen. Er ist dieses Jahr deutlich straffer, weil er die gesamte Vorbereitung mitmachen kann", lobt Watzke den früheren Barcelona-Stürmer, der seit dem vergangenen August für den BVB auf Torejagd geht. Außerdem habe der Klub in Mario Götze, Thorgan Hazard und Jacob Bruun Larsen drei weitere Spieler, die im Sturmzentrum spielen könnten. "Deswegen ist die Stürmer-Diskussion eine, die überwiegend von den Medien geführt wird, nicht von uns."

Anders sieht es mit der Meisterfrage aus. Ganz bewusst hatte Watzke bereits nach dem letzten Spieltag der Vorsaison den Titel ins Visier genommen. "Damals war es wichtig, weil wir wahrscheinlich eine Sommerdepression ausgelöst hätten, wenn wir defensiver an die Sache herangegangen wären", sagt Watzke. Es herrsche innerhalb des Klubs die Überzeugung, es in diesem Jahr packen zu können. "Wir werden alles versuchen, um Meister zu werden."

"Die Bayern haben wirklich eine Topmannschaft"

Als Hauptkonkurrent hat der 60-Jährige wenig überraschend den FC Bayern ausgemacht. Die Unkenrufe, die die Münchner vorzeitig abschreiben, kann er nicht nachvollziehen. "Ich habe fast schon geglaubt, was die Presse so schreibt, aber dann habe ich mal aufgeschrieben, wer da in der ersten Elf steht und wer nicht", erzählt Watzke. Man brauche sich gar nichts vormachen. "Die Bayern haben wirklich eine Topmannschaft. Und sie werden ja auch noch etwas tun, um quantitativ noch ein bisschen nachzulegen." Von der Qualität seien sie jetzt schon "sehr, sehr stark".

Ich habe fast schon geglaubt, was die Presse so schreibt, aber dann habe ich mal aufgeschrieben, wer da in der ersten Elf steht und wer nicht.

Hans-Joachim Watzke über den FC Bayern

Das erste Duell der beiden Titelfavoriten steigt bereits im Supercup am 3. August. Im Dortmunder Signal Iduna Park treffen die Teams dann vor ausverkauften Rängen aufeinander. Watzke blickt voller Vorfreude auf das "richtige Pflichtspiel", das insbesondere im Ausland "einen hohen Stellenwert genießt", aber auch national in der Bedeutung zugenommen habe. "Das Spiel war ruckzuck ausverkauft. So ein Interesse hat es am Supercup noch nie gegeben."

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