Spieler entspannen einen Tag - Zorc arbeitet durch

BVB: Das sind die fünf sportlichen Erkenntnisse der US-Tour

Mats Hummels

Zeigt Präsenz auf und neben dem Platz: Dortmunds Mats Hummels. imago images

Über die USA-Reise des BVB berichtet Matthias Dersch

Erstens, der BVB ist flexibler geworden

Qualitativ und quantitativ hat sich der BVB in dieser Sommerpause verstärkt. Allein für die Offensive kamen in Thorgan Hazard und Julian Brandt zwei vielseitige einsetzbare und torgefährliche Spieler, die der Bundesliga in der vergangenen Saison ihren Stempel aufdrücken konnten. Zur Folge hat die Verdichtung in der Leistungsspitze, dass Lucien Favre seine Mannschaft künftig noch variabler agieren lassen kann. So spielte Hazard, der laut seines Trainers auf allen Offensivspositionen spiele könne, sowohl gegen Seattle als auch gegen Liverpool in der zweiten Hälfte als Stürmer in einer 4-2-3-1-Formation. Brandt agierte mal auf dem Flügel (Seattle), mal als Teil einer Doppel-Zehn (Liverpool). Paco Alcacer lief beide Male als zentraler Stürmer in einer offensiven 4-3-3-Grundordnung auf. Aber: Feste Positionen soll es künftig während des Spiels nicht mehr geben. Jeder soll sich bewegen, mit den Kollegen tauschen, sein Revier erweitern. Geht das Rezept auf, ist der BVB künftig für seine Gegner noch schwerer auszurechnen.

Zweitens, der Konkurrenzkampf belebt bislang

Ob Marius Wolf, Liverpool-Torschütze Jacob Bruun Larsen oder Youngster Mateu Morey - sie alle konnten während der USA-Reise sportliche Duftmarken setzen, gleiches gilt für die beiden U19-Spieler Giovanni Reyna und Immanuel Pherai. Der Konkurrenzkampf, der durch die fünf Neuzugänge noch einmal verschärft wurde, löst bislang keine Leistungshemmungen hervor. Im Gegenteil. So überzeugte beispielsweise Wolf sowohl gegen Seattle als auch gegen Liverpool als wuchtiger und dynamischer Außenbahnspieler, der immer wieder ins Zentrum zog und Tore vorlegte. Der technisch beschlagene und ballsichere Morey, dessen Ausbildung beim FC Barcelona klar erkennbar ist, agierte zweimal furchtlos in der Viererkette - wenn auch nicht fehlerlos. So verschuldete er gegen Liverpool ungestüm einen Elfmeter, der nicht nötig war.

Drittens, Paco Alcacer ist fit

In der vergangenen Hinrunde war Paco Alcacer Jokerkönig und Überflieger in Personalunion. In der Rückrunde allerdings geriet der Motor des Spaniers ins Stocken. Ständige Wehwehchen und eine schwerere Armblessur brachten den damaligen Neuzugang aus Barcelona immer aus dem Rhythmus bzw. sorgten dafür, dass er ihn gar nicht erst aufnehmen konnte. In dieser Sommer-Vorbereitung allerdings wirkt der Stürmer so fit wie nie, seit er im August 2018 zur Borussia stieß. Der 25-Jährige verpasste bislang keine Einheit, traf zudem in beiden Testspielen. Ein Manko der Vorsaison besteht indes nach wie vor: Alcacer beteiligt sich phasenweise zu wenig am Spiel seiner Mannschaft. So ließ er sich gegen Liverpool zwar fallen, als Mario Götze kurz die Sturmmitte übernahm, setzte beim folgenden Angriff der Liverpooler allerdings nicht entschlossen genug nach und ermöglichte dem Champions-League-Sieger so eine Torgelegenheit.

Viertens, Mats Hummels ist zum zweiten Mal angekommen

"Es ist, als wäre er nie weggewesen!" Gesagt hat diesen Satz über Mats Hummels ausgerechnet einer der Spieler, die ihn in seiner ersten Zeit in Dortmund gar nicht erlebt hatten: Axel Witsel. Was der Belgier meint: Hummels hat sich schnell wieder eingefügt in die Mannschaft der Borussia. Hummels führt, indem er seine Mitspieler dirigiert, ihnen Kommandos oder aufmunternde Worte zuruft. Auch im Spielaufbau läuft bereits vieles über ihn. Gegen Liverpool kämpfte er zu Beginn zwar etwas mit den Bedingungen und dem Gegner und kassierte eine frühe Gelbe Karte, sorgte später aber zwei seiner öffnenden Außenristpässe für höchste Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Und auch abseits des Platzes zeigt der 30-Jährige Präsenz - wenn auch nicht in den Medien. Hummels war einer der Borussen, die stets am längsten Autogramme gaben und Fotowünsche erfüllten.

Fünftens, der Kader ist noch deutlich zu groß

Die Dortmunder Spieler bekommen nach der Rückkehr aus den USA am Sonntagmorgen erst einmal frei. Sportdirektor Michael Zorc dagegen wird durcharbeiten und einige Gespräche führen müssen. Der Dortmunder Kader - das ist nun keine Überraschung - ist noch deutlich zu groß, das war auch in den Staaten zu spüren. So spielte Maximilian Philipp, an dem der VfL Wolfsburg stark interessiert ist, in beiden Tests nicht, weil er leicht angeschlagen war und sich partout nicht verletzten sollte. Die Youngster Immanuel Pherai und Giovanni Reyna, die beide einen guten Eindruck hinterließen, werden sich wieder in der U19 eingliedern. André Schürrle, dessen Berater mit russischen Klubs verhandelt, Shinji Kagawa und der ab Montag gesundgeschriebene Sebastian Rode werden aller Voraussicht nach weiter individuell trainieren. Zum Kader hinzu stoßen dagegen die Nationalspieler Mahmoud Dahoud und Achraf Hakimi, auch Manuel Akanji wird nach überstandenen Muskelbeschwerden in dieser Woche wieder zurück im Mannschaftstraining erwartet. Ein paar Tage länger könnte es noch bei Marcel Schmelzer (leichte Muskelverletzung) dauern, bis zum Start des Trainingslagers in Bad Ragaz/Schweiz am 27. Juli soll allerdings auch der Linksverteidiger wieder voll belastbar sein.

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