Vor dem Härtetest gegen den FC Liverpool

Delaneys Dilemma - Favre will Fortschritte

Thomas Delaney

Er wird um seinen Platz im Mittelfeld der Westfalen kämpfen müssen: Thomas Delaney. imago images

Von der US-Tour des BVB berichtet Matthias Dersch

Roman Bürki fehlte auf dem Platz, als sich der BVB nach der Ankunft in South Bend zum lockeren Aktivierungstraining auf dem gigantischen Campus der nahegelegen University of Notre Dame versammelte. Der Keeper, der am Tag zuvor 90 Minuten lang beim 3:1-Sieg gegen die Seattle Sounders das Dortmunder Tor gehütet hatte, fühlte sich schlicht müde, die um rund zehn Grad höheren Temperaturen in South Bend dürften ihr Übrigens zu diesem Gefühl beigetragen haben.

Ja, sie ist für die meisten Beteiligten durchaus beschwerlich, diese US-Tour des BVB. "Heute ist der erste Tag, an dem ich mich mal nicht müde fühle", gab etwa Mittelfeldabräumer Thomas Delaney vor der Einheit zu. Trainer Lucien Favre scheint von Jetlag-Problemen gänzlich verschont geblieben zu sein bislang. "Mir geht es gut", sagte der 61-Jährige mit einem feinen Lächeln auf den Lippen. Und wer den Schweizer auf dieser Tour erlebt, der kann das nur bestätigen.

Favre nimmt sich auffallend viel Zeit

Auffallend viel Zeit nimmt sich Favre für die Journalisten, ob sie nun mitgereist sind oder zu den örtlichen US-Medien gehören. Mal auf Deutsch, mal auf Englisch unterhält er sich mit ihnen. Fragt nach, hält Smalltalk und gibt sich spürbar Mühe, die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Ähnlich war es bereits in der Vorsaison, erst als die Zuhörergruppen größer und der sportliche Druck präsenter wurden, zog sich Favre mehr und mehr zurück.

Es wird durchaus spannend zu beobachten sein, wie es der BVB-Trainer in der neuen Spielzeit hält. Eins jedenfalls scheint derzeit definitiv der Fall zu sein: Favre, so wirkt es, ist sehr zufrieden mit der Qualität, die sein Kader dazugewonnen hat. "Wir haben eine große Konkurrenz. Aber wir werden ab September auch viele Spiele haben", sagt er.

Delaney wird noch mehr kämpfen müssen

Einer, der künftig noch stärker um seinen Platz wird kämpfen müssen, ist Delaney. Viel wird für den Sechser/Achter davon abhängen, in welcher Formation Favre künftig seine Mannschaft aufs Feld schickt. Bleibt es beim 4-2-3-1 aus der Vorsaison, besitzt der kampfstarke und dynamische Däne gute Chancen. Löst Favre allerdings die Doppel-Sechs auf, um einen Offensivspieler mehr aufs Feld zu schicken, droht ihm die Bank.

"Mir wurde nichts versprochen, als ich im vergangenen Sommer gekommen bin. In einem Klub wie Dortmund musst du damit rechnen, dass ein großer Wettstreit herrscht", blickt der 27-Jährige entspannt auf die Situation. "Um ehrlich zu sein: Ich wäre sogar enttäuscht gewesen, wenn keine neue Konkurrenz hinzugekommen wäre. Wir wollen als Mannschaft besser werden. Für jeden heißt es: Ellenbogen raus und kämpfen."

Favre will Leistung - auch in den Tests

Diese Mentalität müssen die Borussen bereits auf dem sechstätigen US-Trip an den Tag legen - denn geschont werden sie nicht. Zwar achtet Favre auf eine gute Dosierung der Belastungen, doch der Schweizer will in den Trainingseinheiten und Spielen Leistung sehen. Das war gegen die Seattle Sounders so. Und das wird - vielleicht sogar noch ein Stück mehr - auch gegen den FC Liverpool der Fall sein.

Gegen den amtierenden Champions-League-Sieger bestreitet der BVB am Freitagabend (Ortszeit, deutsche Zeit: Samstag, 2 Uhr) den zweiten und letzten Test der Tour. Es ist nicht nur ein Wiedersehen mit Ex-Trainer Jürgen Klopp, es ist vor allem ein sportlicher Vergleich auf sehr hohem Niveau. 50.000 Zuschauer werden dazu im riesigen Stadion der University of Notre Dame erwartet.

Wir freuen uns sehr auf dieses Spiel. Wir treffen auf eine der besten Mannschaften Europas. Ein gutes Ergebnis wäre ein Bonus, den man gerne mitnehmen würde.

Lucien Favre zum Spiel gegen den FC Liverpool

"Wir freuen uns sehr auf dieses Spiel. Wir treffen auf eine der besten Mannschaften Europas", sagt Favre, "aber wir sind auch mitten in der Vorbereitung, deshalb sind viele Spieler noch nicht bereit, über 90 Minuten zu spielen, auch nicht über 60. Wir werden deshalb darauf fokussiert sein, Fortschritte in der Vorbereitung zu machen." Das Zusammenspiel zwischen alten und neuen Kräften soll peu a peu besser werden, ebenso die körperliche Verfassung. Ein gutes Ergebnis wäre ein Bonus, den man gerne mitnehmen würde.

Im Vorjahr gelang das dem BVB. In Charlotte gewannen die Dortmunder 3:1 gegen das Klopp-Team. Geschadet hat der Test bekanntlich beiden Klubs nicht: Liverpool feierte anschließend den Triumph in der Königsklasse, Dortmund wurde Vize-Meister.

kicker.tv Hintergrund

"Ellenbogen raus und kämpfen!" - Der BVB im Angriffsmodus

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