Int. Fußball

"Nur auf den Sieg konzentrieren": Algerien und das lange Warten

Verband appelliert nach den Ausschreitungen an seine Fans

"Nur auf den Sieg konzentrieren": Algerien und das lange Warten

Riyad Mahrez und Mitspieler

Den Titel vor Augen: Algeriens Riyad Mahrez und seine Mannschaftskameraden. Getty Images

Es war ein Moment für die Geschichtsbücher: Im umkämpften Halbfinale zwischen Nigeria und Algerien stand es kurz vor Schluss 1:1, als sich Riyad Mahrez den Ball bereitlegte, um einen Freistoß aus rund 18 Metern auszuführen. Die vier zusätzlichen Minuten der regulären Spielzeit waren eigentlich schon abgelaufen, als der Offensivmann von Manchester City vier entschlossene Schritte Anlauf nahm und den Ball unhaltbar ins linke Eck zimmerte. Momente später war die Partie abgepfiffen und Mahrez der Mann des Tages.

Der gefeierte Star Algeriens ist drauf und dran, den Afrika-Cup zu seinem Turnier zu machen. Schon im ersten Gruppenspiel gegen Kenia und im Achtelfinale gegen Guinea trat der Rechtsaußen als Torschütze in Erscheinung. Sein Team führt er fast schon selbstverständlich als Kapitän an.

Die Spieler sind sich über die Herangehensweise und die Bedeutung im Klaren.

Algeriens Trainer Djamel Belmadi

Auftrumpfen soll er nun auch im Finale gegen den Senegal, dessen Hoffnungen ebenfalls auf einen Premier-League-Star ruhen: Sadio Mané vom FC Liverpool. Das erste (Langzeit-)Duell der beiden Offensivmänner entschied Mahrez mit seinem Verein bereits für sich. ManCity gelang am Ende eines engen Meisterrennens die Titelverteidigung auf der Insel. Mané blieb "immerhin" der Champions-League-Titel mit den Reds. Den Henkelpott würde der 27-Jährige jetzt aber nach eigener Aussage für den ersten Titel seines Landes eintauschen. Das Finale hat große Bedeutung, auf beiden Seiten.

Auf das bittere WM-Aus 2014 folgten weitere Enttäuschungen

Welchen Tausch Mahrez bereit wäre einzugehen, ist nicht überliefert, doch der Einsatz wäre wohl nicht zu gering, schließlich lechzen die fußballverrückten Fans der Nordafrikaner seit Jahren nach Erfolg und einem Titel. Auf die bittere Enttäuschung bei der WM 2014, als Deutschlands Torhüter Manuel Neuer die starken Algerier im Achtelfinale quasi im Alleingang entzauberte, folgten böse Schlappen: Zweimal schieden die Wüstenfüchste beim Afrika-Cup in der Vorrunde aus, einmal scheiterten sie im Viertelfinale. Für die WM 2018 qualifizierten sie sich überhaupt nicht.

Der letzte Titel liegt 29 Jahre zurück: 1990 triumphierte Algerien beim Afrika-Cup im eigenen Land. Das Warten ist zur Qual geworden, der Druck auf der heutigen Spielergeneration enorm. "Die Spieler sind sich über die Herangehensweise und die Bedeutung im Klaren", sagte Algeriens Trainer Djamel Belmadi, der zu seiner aktiven Zeit (1996-2009) selbst 20 Länderspiele für sein Land absolviert hat. "Da muss man gar nicht viel erklären." Die nach Kairo gereisten Fans skandierten schon in den vergangenen Tagen fest entschlossen: "Dies ist unser Titel."

Algerische Fans in Paris

Algerische Fans feiern nach dem Finaleinzug in Paris. Getty Images

Die Fans sind in diesen Tagen eines der bestimmenden Themen - im negativen Sinne. Denn so euphorisch die Nordafrikaner Siege und ihre Mannschaft feiern, so schnell schlug die Freude auch in Gewalt um. In Ägypten ermittelte sogar der Kontinentalverband nach Ausschreitungen im Halbfinale. Und in Frankreich, in dem viele algerische Auswanderer leben - auch Mahrez kam vor den Toren von Paris zur Welt -, wuchsen die Sorgen mit dem Finaleinzug der Wüstenfüchse an. Schon nach dem späten 2:1-Sieg über Nigeria hatten französische Sicherheitsbehörden über 280 Personen festgenommen. Die Feierlichkeiten waren in Ausschreitungen umgeschlagen.

Es soll nur um das Sportliche gehen

Auch deshalb richtete sich der algerische Verband in einem öffentlichen Appell an seine Fans im Inland und die "mehreren tausend" Anhänger, die nach Kairo gefahren sind: Der Erfolg der Nationalmannschaft mache "das algerische Volk stolz und glücklich", was "sehr legitime Gefühle seien". Dennoch müsse die Freude unbedingt "mit Respekt und guter Laune zum Ausdruck" gebracht werden.

Es soll nur das Sportliche nach dem Abpfiff am Freitagabend Thema sein - und natürlich der ersehnte Titelgewinn. Wie der Senegal zu schlagen ist, weiß das Belmadi-Team: In der Vorrunde schlug es die Westafrikaner mit 1:0 und sicherte sich im zweiten Spiel den Einzug in die K.o.-Runde. Der Trainer warnt aber eindringlich: "Das Gruppenspiel und das Finale sind total unterschiedlich. Das erste Match war nicht entscheidend." Was er den Spielern schließlich kurz vor dem Anpfiff im "Cairo International Stadium" mit auf den Weg geben wird, verriet er nicht: "Aber sie können sich sicher sein, dass wir uns nur auf den Sieg konzentrieren."

pau