Leipzigs Trainer spricht über das Trainingslager, Neuzugänge und gewollte Überforderung

Nagelsmann: "Sind mit einer gesunden Hektik ausgestattet"

Julian Nagelsmann

Julian Nagelsmann sieht noch Bedarf an ein bis zwei Neuverpflichtungen. Getty Images

Aus dem Leipziger Trainingslager in Seefeld berichtet Oliver Hartmann

... das Trainingslager: Die Umgebung ist sehr schön, das Hotel ist sehr gut, der Platz ist in einem sehr guten Zustand. Wir fühlen uns alle sehr wohl. Die Jungs ziehen gut mit, sie machen gute Entwicklungsschritte. Es sind kleine Steps, die man auf dem Platz geht, aber man sieht ein paar Steps. Es werden noch ein paar Schritte folgen müssen, und die werden auch folgen.

... das Leipziger Aufgebot im Vergleich zum Hoffenheimer Kader: Ich finde Vergleiche immer schwierig, deswegen mache ich das auch nicht. Ich bin zufrieden mit den Spielern, die ich habe. Sie haben eine extrem große Gier, was das Erobern von Bällen und das Umschalten angeht. Da sind wir mit einer sehr gesunden Hektik ausgestattet. Man sieht, jeder Spieler wurde jahrelang auf Balljagd getrimmt. Deswegen muss man auf die andere Komponente, dass man den Ball am Fuß hat, auch einen Fokus drauf legen. Das ist ein Prozess. Wenn das so weitergeht, werden wir gut präpariert sein.

... Neuzugang Christopher Nkunku: Christopher kann auf der Acht oder Zehn, aber auch Außenstürmer spielen. Es war ein Punkt, den ich unbedingt erfüllt haben wollte, dass ich einen Spieler für die Offensive bekomme, der nicht so fixiert ist auf eine Position, sondern der variabel einsetzbar ist und eine gute Qualität im Eins-gegen-eins hat. Gerade gegen tiefstehende Gegner braucht man solche Spieler. Außerdem passt er sehr gut in unsere Transferpolitik: Er ist ein junger, entwicklungsfähiger Spieler, der hungrig ist und noch Steps gehen kann.

.... den Bedarf an weiteren Neuzugängen: Eine Pauschalantwort können Sie nicht erwarten. Es hängt sehr viel vom Zustand der Spieler ab, die verletzungsanfällig sind oder verletzt gekommen sind. Ich habe die Befürchtung, dass wir ein paar Verletzungen in die Saison schleppen, dann werden wir sicher etwas machen müssen. Ich gehe schon davon aus, dass wir noch ein, zwei Spieler holen werden. Es kann sein, dass wir einen Außenverteidiger holen, der auch auf der Sechs spielen kann. Es kann auch sein, dass wir einen Zehner holen, der auf der Sechs spielen kann oder Zentralverteidiger. Das ist die Masterlösung im Transferbereich, dass man einen Spieler holt, der vieles spielen kann.

... Tyler Adams, der wegen einer Leistenverletzung weiter nur individuell trainiert: Es ist keine ganz einfache Verletzung, bei der man Geduld braucht, weil man schnell keine Schmerzen mehr hat und glaubt, dass es weg ist. Und wenn man dann trainiert, kommt es sehr schnell wieder. Das ist ein bisschen tückisch, erst recht bei einem jungen Spieler wie Tyler, der eine ähnliche Eigenschaft hat wie ich, und die Ungeduld heißt. Das muss man versuchen, ihn gesund einzubremsen. Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir einen guten Zeitpunkt für seinen Einstieg finden. Er ist ein wichtiger Spieler, den ich fix eingeplant habe in meinen Ideen.

... über den eigenen Nachwuchs: Wir haben einige Spieler dabei, darunter sind ein, zwei, bei denen ich Phantasie habe, dass sie gut Fuß fassen könnten im Kader. Die anderen brauchen noch mehr Zeit, um sich zu entwickeln. Namen nenne ich jetzt bewusst nicht. Grundsätzlich ist mir dieses Thema sehr wichtig, weil du eine extrem große Verbundenheit herstellst, wenn Spieler aus dem eigenen Nachwuchsbereich hochkommen. Das schafft eine ganz große Identität.

... Über die Zeit, bis seine Trainingsinhalte umgesetzt werden: Wir brauchen uns nicht das Blaue vom Himmel lügen. Wir werden nicht am Tag 1 gegen Osnabrück oder Union Berlin die besten Spiele machen können. Wir werden auch in der Wettkampfperiode Zeit brauchen, um uns zu entwickeln. Da wird es Theorieeinheiten geben, in denen wir über Situationen sprechen und sagen, wie wir es haben wollen. Und dann ist es die Kunst des Spielers, trotz mangelnder praktischer Umsetzung im Training das trotzdem im Spiel umzusetzen. Wir haben alles sehr spielintelligente Spieler. Ich habe bei keinem das Gefühl, dass er sehr große Probleme hat, die Vorgaben zu verstehen. Ich habe die nötige Geduld, weil ich weiß, wo es hinführen kann und wie schön der Fußball sein kann, den ich sehen möchte. Wichtiger ist, dass ihr auch ein bisschen Geduld habt.

Gewollte Überforderung? - Nagelsmann: "Mir ist die absolute Zahl wichtiger"

Julian Nagelsmann (Mi.) beim Training

Überforderung? RB-Coach Julian Nagelsmann beim Erklären an der Taktiktafel. imago images

... die von ihm gewollte Überforderung im Training: Es gibt absolute Zahlen und Verhältniszahlen. Wenn ich einem Spieler drei Informationen gebe, und er behält sie alle, sind wir im Verhältnis bei 100 Prozent und in absoluten Zahlen bei drei. Wenn ich einem Spieler zehn Informationen gebe und er merkt sich fünf, sind wir im Verhältnis nur bei 50 Prozent, absolut aber bei fünf. Mir ist die absolute Zahl wichtiger. Und die Prozente, die fehlen, werden wiederholt.

... seinen Karriereplan: Ich habe oft genug gesagt, dass ich nicht plane, das bis 60 zu machen. Ich weiß nicht, wie es dann tatsächlich kommt. Fußball ist eine Leidenschaft, ich habe aber auch viele andere Dinge, die mich begeistern. Ich habe nicht geplant, dass so lange zu machen, dass ich mich den anderen Dingen nicht mehr so widmen kann, wie ich es gerne machen möchte.

... den Austausch mit dem ebenfalls in Seefeld anwesenden Ralf Rangnick: Der Austausch war diese Woche noch recht lose. Wie ich schon bei der Vorstellung sagte, will ich erst die Mannschaft richtig kennenlernen. Ich habe extrem viel zu tun, habe mit jedem Spieler Gespräche. Ralf weiß, dass der Zeitpunkt kommt, wo ich den Austausch möchte, wo wir uns auch austauschen werden.

... die Kapitänsfrage: Ich werde die drei Kapitäne wählen lassen. Den Mannschaftsrat ergänze ich dann mit zwei Spielern meiner Wahl.

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