Thomas de Buhr im kicker-Interview

DAZN-Chef: "Bundesliga-Rechte nicht um jeden Preis"

DAZN-Werbung in der Bundesliga

DAZN-Werbung gab es in der Bundesliga schon - ab August bietet der Streaming-Dienst auch Live-Spiele. imago images

Herr de Buhr, wie genau ist es dazu gekommen, dass DAZN bereits 2019/20 Bundesligaspiele live zeigt?

Wir beobachten natürlich jedes Recht, das im Markt ist - vom Champions-League-Finale bis zum Feldhockey-Turnier. Und bei jedem Recht betrachten wir, wie sehr das unser Portfolio erweitern und neue Konsumenten ansprechen würde. Und dann haben wir festgestellt, dass das Programm von Eurosport sich zu unserem sehr, sehr komplementär verhält. In der Logik haben wir dann Gespräche begonnen, die jetzt erfolgreich beendet wurden. Im Tennis runden die Grand-Slam-Turniere unser bestehendes Tennis-Angebot sehr gut ab, im Radsport oder Skisport waren wir noch gar nicht vertreten, beides ergänzt unser Programm sehr gut. Beim Fußball haben wir die Champions League, die Europa League, verschiedene europäische Ligen und die MLS live, dazu die Bundesliga-Clip-Rechte. Da passen natürlich die Bundesliga-Liverechte hervorragend dazu.

2020 werden die Bundesliga-Rechte für vier Jahre neu vergeben, beginnend mit der Saison 2021/22. Ist die Übertragung von 45 Spielen 2019/20 (Bundesliga, Relegation, Supercup) für Sie also eine Art Testlauf?

Ich habe ja immer gesagt, dass die Bundesliga für uns einfach ein extrem spannendes Recht ist. Es ist das größte Sport-Recht, das es in Deutschland gibt. Aber wir werden da nicht um jeden Preis reingehen. Es muss am Ende für uns Sinn ergeben. Wir werden jetzt natürlich mit den Bundesliga-Livespielen ein bisschen Erfahrung sammeln. Aber ob wir bei der Ausschreibung im nächsten Jahr erfolgreich sein werden oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab.

Die Premier League hätten wir schon gerne behalten.

Thomas de Buhr

Hat DAZN derzeit noch weitere Ligen oder Sportarten im Blick?

Es ist ja momentan nicht so viel verfügbar. Wir haben die MLS und die Chinese Super League vor kurzem dazugeholt. Das sind eher kleinere Rechte. Am besten erklärt man unsere Denkweise, wenn man über die NBA nachdenkt: Wir haben die NBA und danach die NCAA, also den College-Basketball, gekauft. Einfach, um demjenigen, der sich für die NBA interessiert, ein noch tieferes Erlebnis zu bieten. Und so versuchen wir auch unser Portfolio im Fußball immer weiter zu verbreitern.

Nicht mehr zu Ihrem Portfolio gehört die Premier League. Wie sehr hat es Sie getroffen, dass DAZN die Rechte zur neuen Saison an Sky verloren hat?

Jeder Fußball-Fan mag die Premier League, das ist spannender, hochklassiger Fußball. Da müssen wir gar nicht drum herumreden: Wir hätten sie schon gerne behalten. Das haben wir nicht - aber wir haben schnell einen Haken dahinter gemacht.

Wir hätten auch versuchen können, in eine höhere Preisregion zu gehen.

Thomas de Buhr über die Erhöhung der Monatsgebühr

Gibt es Gespräche mit Sky über eine mögliche Kooperation, um doch einzelne Premier-League-Spiele in der kommenden Saison bei DAZN zu zeigen?

Dazu gibt es im Moment nichts zu sagen.

Ab August kostet DAZN 11,99 Euro statt wie bisher 9,99 Euro. Können Sie dem Zuschauer versichern, dass diese Gebühr wieder auf längere Zeit stabil bleiben wird? Oder ist das allein abhängig davon, welche Rechte Sie in Zukunft eventuell noch dazugewinnen?

Mit dem neuen Jahresabo (119,99 Euro, d.Red.) gibt es ja weiterhin die Möglichkeit, DAZN für zehn Euro im Monat zu schauen. Ich glaube, dass man das als Signal verstehen kann: Wir hätten auch versuchen können, in eine höhere Preisregion zu gehen, haben das aber nicht getan. Wir versuchen, dem Fan immer das bestmögliche Angebot zu bieten für einen fairen Preis. Wir haben unsere Produktionsstandards und die Streaming-Qualität über die vergangenen drei Jahre stetig verbessert. Und wenn man unser Rechteportfolio von 2016 mit dem von 2019 vergleicht und bedenkt, dass der monatliche Beitrag nur um zwei Euro nach oben gegangen ist - das ist schon gewaltig. Da sieht man, dass wir nicht versucht haben, den Preis auf eine maximale Höhe zu treiben.

Interview: Jörn Petersen

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