Bundesliga

Bürkis ärgerliches Déjà-vu - Favre hofft auf Abgänge

Erkenntnisse nach Dortmunds Testspielsieg in Seattle

Bürkis ärgerliches Déjà-vu - Favre hofft auf Abgänge

Lucien Favre in Seattle

Zweiter Test, zweiter Sieg: BVB-Trainer Lucien Favre in Seattle. BVB

Von der US-Tour des BVB berichtet Matthias Dersch

Eigentlich war Roman Bürki mit der Leistung seiner Mannschaft im Test bei den Seattle Sounders zufrieden. Eine Sache aber, die gefiel dem BVB-Keeper beim 3:1-Sieg dann doch nicht so gut: Im ersten Härtetest der Sommer-Vorbereitung kassierten die Dortmunder direkt das erste Standardgegentor der noch so jungen Spielzeit - und knüpften damit in negativer Weise an die Vorsaison an, als das Defensivverhalten nach gegnerischen Ecken und Freistößen ebenfalls ein ums andere Mal Raum für reichlich Verbesserungen bot.

"Ich musste direkt an die vergangene Spielzeit denken, als der Ball im Tor landete. Aber wir sind noch ganz am Anfang der Vorbereitung. Ich habe mir vorgenommen, mich darüber nicht aufzuregen", sagte der 28-Jährige und ließ Milde walten mit seinen Vorderleuten. Trainer Lucien Favre sah es ähnlich - und verteidigte sein Team sogar: Durch die Einwechslung des Torschützen Jonathan Campbell habe der Gegner an Größe hinzugewonnen. "Weil Lukasz Piszczek nicht mehr auf dem Feld stand, fehlte uns dagegen ein Spieler, der köpfen kann." Stattdessen standen die eher klein gewachsenen Mateu Morey und Mario Götze in der Nähe des wuchtigen Sounders-Verteidigers - und waren machtlos, als dieser zum Kopfball hochstieg.

Pherai und Reyna werben für sich - und müssen das auch

Das Standard-Gegentor war für Favre, Bürki und Co. zu verschmerzen, weil die Partie aus Sicht der Gäste einen ansonsten überwiegend positiven Verlauf nahm. Vor fast 38.000 Zuschauern im Century Link Field präsentierte sich der BVB, für den Marius Wolf, Paco Alcacer und Jadon Sancho die Tore erzielten, trotz der zurückliegenden Reisestrapazen und des Jetlags, der einige Spieler plagt, als das bessere Team.

Insbesondere U-19-Profi Immanuel Pherai nutzte seine Einsatzzeit, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber auch der 19-jährige Tobias Raschl und sogar der gerade einmal 16-jährige US-Amerikaner Giovanni Reyna, der erst vor einigen Wochen in die Jugend des BVB gewechselt war, setzten in der ersten Hälfte Duftmarken, bevor im Verlauf der zweiten Hälfte bis auf Bürki das komplette Team ausgetauscht wurde und die Neuzugänge Nico Schulz, Thorgan Hazard und Julian Brandt zu ihrem Debüt im BVB-Dress kamen.

22 Feldspieler und drei Torhüter wären ideal.

Lucien Favre

Für die beiden Talente ist es umso wichtiger, einen guten Eindruck zu hinterlassen, da Dortmunds Kader noch immer deutlich zu groß ist. Die Chancen, sich zu beweisen, sind rar für Pherai und Reyna. Wollen sie auch in Zukunft regelmäßig oben mittraineren, müssen sie beweisen, dass sie besser sind als ihre zahlreichen Konkurrenten.

26 Profis reisten mit in die USA. Zum Tross hinzu kommen in Dortmund die derzeit angeschlagenen Manuel Akanji und Marcel Schmelzer, die verletzten Luca Unbehaun, Patrick Osterhage und Sebastian Rode sowie die derzeit noch im Urlaub beziehungsweise auf Reisen weilenden Nationalspieler Achraf Hakimi, Mahmoud Dahoud und Sergio Gomez. André Schürrle und Shinji Kagawa sind zwar freigestellt, besitzen aber gültige Verträge. Selbst wenn man Reyna und Pherai abzieht, zählen somit noch immer 34 Spieler zum Profi-Kader.

Notfalls würde Favre auch mit dem aktuellen XXL-Kader arbeiten

"22 Feldspieler und drei Torhüter wären ideal, die Jugendspieler wie Giovanni Reyna, Immanuel Pherai und Tobias Raschl nicht mitgezählt", berichtete Favre nach dem Sieg über Seattle von seiner Wunschgröße. Sollte sich nichts mehr tun, werde er auch mit dieser Kadergröße arbeiten. Noch aber sei Zeit bis Anfang September. "Vielleicht", so die Hoffnung des Schweizers, "haben wir bis dahin ja noch weitere Abgänge." Erst einmal geht es aber weiter nach South Bend, wo der BVB am Donnerstag zur zweiten und letzten Station des diesjährigen US-Trips Halt macht.