Sportwagenschmiede vor dem Formel-E-Debüt

André Lotterer wechselt zu Porsche

André Lotterer

Wechsel perfekt: André Lotterer. picture alliance

Mit André Lotterers Verpflichtung ist die Fahrerriege bei Porsche komplett. Der Deutsche tritt dort gemeinsam mit dem bereits im Dezember 2018 verpflichteten Schweizer Neel Jani (35) an. Lotterer war seit 2017 schon Porsche-Werksfahrer und bestritt für die Sportwagenmarke die 24 Stunden von Le Mans an. Nach drei Siegen mit Audi steuerte Lotterer in diesem Rennen erneut auf Siegkurs, ehe der 919 Hybrid um die Mittagszeit mit weggebrochenem Öldruck ohne Vorwarnung auf der Strecke liegenblieb und ausfiel. Dritter Fahrer neben Lotterer und dem Briten Nick Tandy war Neel Jani. Porsche setzt demnach in der Formel E auf ein bereits eingespieltes Fahrerduo.

Mehr Erfahrung als Lotterer kann ein Rennfahrer kaum in ein neues Projekt einbringen. Dies könnte rasch zum Vorteil geraten, denn während der stadtinterne Konkurrent Mercedes in der am Sonntag zu Ende gegangenen Saison auf ein Lehrjahr in Kooperation mit dem monegassischen Venturi-Rennstall setzte, trieb Porsche seine Entwicklung des Autos fernab des Rennbetriebs voran.

"André für das zweite Porsche-Formel-E-Cockpit die absolut richtige Wahl"

Lotterer bringt neben seiner immensen Sprachbegabung (fließend und akzentfrei Französisch, Englisch, Spanisch) ein dickes Paket an Rennerfahrung mit: Nach einem Jahr als Formel-1-Testfahrer (2002 für Jaguar) zog es ihn nach Japan, wo er parallel die Formel Nippon (heute Super Formula) und die Super-GT-Serie bestritt. In beiden Serien gelangen ihm Titelgewinne. Porsches Konzernschwester Audi holte den gebürtigen Duisburger 2009 in die Langstrecken-WM. Dort gelangen ihm neben dem WM-Titel 2012 die Le-Mans-Triumphe in den Jahren 2011, 2012 und 2014. Als Aushilfe im Caterham-Team bestritt Lotterer 2014 bei einem einmaligen Gastspiel in Spa-Francorchamps einen Formel-1-Grand-Prix.

Für Fritz Enzinger, den Leiter Motorsport bei Porsche, ist "André für das zweite Porsche-Formel-E-Cockpit die absolut richtige Wahl. Er ist seit drei Jahren Porsche-Werksfahrer und kennt das Team und Neel sehr gut. Auch von den Erfahrungen, die André aus den vergangenen zwei Formel-E-Saisons mitbringt, können wir nur profitieren."

Lotterer lässt keinen Zweifel an der Entscheidung pro Porsche

Lotterer selbst, dem sein bisheriges Formel-E-Team DS Techeetah zuletzt ein lukratives Angebot nach dem anderen unterbreitete, um ihn zum Bleiben zu bewegen, lässt keinen Zweifel an seiner jetzt getroffenen Entscheidung: "Seit 2017 bin ich Teil der Porsche-Familie und habe viele schöne Erinnerungen an gemeinsame Erfolge - insbesondere auch an die Zusammenarbeit mit Neel. Wir sind 2017 gemeinsam im Porsche LMP1-Team sowie in den letzten zwei Jahren für Rebellion Racing in der WEC (Langstrecken-WM, d. Red.) gefahren. Dass wir nun die Fahrerpaarung für das Porsche-Formel-E-Team bilden, ist eine tolle Sache. Ich freue mich auf die neue Aufgabe."

Damit haben zwei der insgesamt vier deutschen Hersteller in der Formel E ihre Fahrerbesetzungen für die kommende Saison abgeschlossen. Noch vor Porsches Bekanntgabe der Lotterer-Verpflichtung hatte Audi am Rande des Saisonfinales in New York verkündet, wie bisher an Lucas di Grassi (34, Brasilien) und dem 26-jährigen Daniel Abt aus Kempten festzuhalten. Von BMW und Mercedes fehlen die endgültigen Cockpitbesetzungen noch. In der abgelaufenen Saison griffen für BMW der Portugiese Antonio Felix da Costa (27) und der Engländer Alexander Sims (31) ins Lenkrad. Das mit Mercedes-Triebwerken agierende HWA-Team, das ab sofort ein reinrassiges Mercedes-Werksteam ist, vertraute seine Boliden dem Engländer Gary Paffett (38) und dem Belgier Stoffel Vandoorne (27) an.

Stefan Bomhard