BVB-Trainer will "unforced errors" vermeiden

Favre ungewohnt offen: "Wir können jetzt nicht sagen..."

Lucien Favre

Nimmt sich in den USA viel Zeit für Fans und Medienvertreter: Lucien Favre. picture alliance

Von der US-Tour des BVB berichtet Matthias Dersch

Lucien Favre ist gut gelaunt in diesen Tagen. Und dafür gibt es ja auch nachvollziehbare Gründe: Der Kader ist weitgehend komplett, die Neuzugänge sind bereits im Training und auch die Bedingungen während der USA-Reise stimmen - abgesehen vom Jetlag. Besser als auf der Anlage der Seattle Seahawks, wo der BVB am Dienstag gastierte, lässt es sich kaum arbeiten als Trainer.

Wann immer es der eng getaktete Zeitplan zulässt, nimmt sich Favre Zeit für kurze Gespräche mit den Mitgliedern des Reisetrosses. So plaudert er bei der "Black And Yellow Night" im Pop-Museum von Seattle mit einem Fan, der etwas zu feiern hat: Zum 50. Mal in Serie begleitet er den BVB zu einer mehrtägigen Reise. Trainingslager und PR-Touren ohne ihn kennt in Dortmund nur Sportdirektor Michael Zorc.

"Natürlich wollen wir Titel gewinnen", sagt Favre

Doch auch für die mitgereisten Journalisten und US-amerikanischen Medienvertreter nimmt er sich Zeit und versucht, alle Wünsche zu erfüllen. Selbst auf Englisch antwortet er, als er darum gebeten wird. Die Worte verlassen nicht fließend seinen Mund, manchmal mischt sich ein deutscher oder französischer Begriff in seine Sätze. Aber das Bemühen ist ihm, dessen Pressekonferenz oft so trocken sind wie ein zu lange gegrilltes Steak, nicht abzusprechen.

Ungewohnt offen äußerst er sich auf kicker-Nachfrage auch zu den öffentlich genannten - und diesmal deutlich mutiger formulierten - Zielen der Borussia. "Wir wissen, dass wir am Ende der vergangenen Saison Zweiter waren. Deswegen können wir jetzt nicht sagen, dass wir in dieser Saison Vierter werden wollen", sagt der 61-Jährige. "Natürlich wollen wir Titel gewinnen." Das aber - und da ist er dann doch wieder, der Favre aus der Vorsaison - komme nicht von heute auf morgen. "Als ich gekommen bin, habe ich gesagt, dass wir eine Mannschaft aufbauen müssen und das ein wenig Zeit braucht." Das gelte auch heute noch.

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Das erste Testspiel wird gleich zur echten Prüfung

Konkret denkt Favre dabei an das, was beim Tennis "unforced error" genannt wird: individuelle Fehler, oft nicht aus der Not geboren, sondern fehlender Konzentration oder erhöhter Nervosität geschuldet. "Wir haben in der Rückrunde zu viele unnötige Gegentore kassiert", benennt Favre das Manko, das letztlich den Titel kostete. Dafür aber sei die Offensivleistung über die gesamte Saison "immer da" gewesen. Jetzt gelte es, "die richtige Balance zu finden zwischen Offensive und Defensive".

Bereits am Mittwoch wartet diesbezüglich eine erste Prüfung auf den BVB. Zumal der Test gegen die Seattle Sounders (4.30 Uhr deutsche Zeit) unter ungleichen Vorzeichen stattfindet. Während die Bundesligisten alle noch in der Vorbereitung stecken, ist die MLS in vollem Gange. Und für Seattle läuft es gut bislang. Der Klub steht in der Western Conference auf Rang zwei. Entsprechend groß ist das Interesse an dem Testspiel. 40.000 Zuschauer werden im CenturyLink Field erwartet.

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