Bayern-Besuch im Holocaust-Museum von Los Angeles

Ein spezieller Moment abseits des Rasens

Joshua Kaufman und Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge

Überlebte fünf Konzentrationslager: Joshua Kaufman (hier mit Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge) Getty Images

Aus Los Angeles berichtet Frank Linkesch

Der Star des Tages war nicht Manuel Neuer oder Robert Lewandowski, sondern Joshua Kaufman. Fünf Konzentrationslager hat der 92-Jährige während des 2. Weltkriegs überlebt, davon berichtete er mit bewegenden Worten bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Kurt Landauer" im Holocaust-Museum von Los Angeles.

Hochrangige Mitglieder der jüdischen Gemeinde Kaliforniens sowie zahlreiche Politiker empfingen die Delegation des FC Bayern mit Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge an der Spitze. Besonders beeindruckt zeigten sich diese davon, dass der Deutsche Rekordmeister diesen Termin gleich zu Beginn seiner zehntägigen US-Reise wahrnahm. Die Botschaft: Geschichte vor Sport und PR.

"Vergangenheit mahnt, Gegenwart erinnert, Zukunft gibt uns Hoffnung", sagte Rummenigge in seiner Rede. Zuvor hatte Stadionsprecher Stephan Lehmann den geladenen Gästen kurz die Geschichte des Bayern-Präsidenten Landauer (1884-1961) skizziert, der die Münchner zur ersten Deutschen Meisterschaft 1932 geführt hatte, eher er kurz darauf von den Nazis vertrieben wurde. Dennoch kehrte er nach dem Krieg zurück und half entscheidend beim Wiederaufbau des Vereins.

Die Ausstellung über den 2013 posthum zum Ehrenpräsidenten ernannten Landauer existiert seit 2016, im ältesten Holocaust-Museum der USA ist sie nun zum ersten Mal außerhalb von Deutschland und Österreich zu sehen. "Das ist sehr speziell und wichtig für uns", sagte Rummenigge. "Viele unsere Mitglieder hätte den Holocaust nicht überlebt, hätte es nicht die Möglichkeit zur Emigration in die USA gegeben." Der FCB-Boss würdigte den kosmopolitischen Ansatz Landauers mit dem bayerischen Familiengedanken als Wurzel. "Wer bei dieser Zeremonie dabei war, muss sagen, dass es richtig war, hierher zu kommen", sagte Rummenigge. Ein Termin, der zur Völkerverständigung beigetragen hat, mehr als dies ein normales Fußallspiel normalerweise tut. Und bei aller PR ein lohnender Grund, diese Reise in die USA angetreten zu haben.

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"Sehr besonderer Termin" - Bayern-Besuch im Holocaust-Museum

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