Bittere Zahlen für die Konkurrenz bei den Majors seit 2003

Die Drei vom anderen Stern: 67 Chancen, 54 Titel

Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal

Fast nicht zu bezwingen, wenn es um die großen Titel geht: Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal. imago images (3)

Als Pete Sampras 2002 bei den US Open seinen letzten von insgesamt 14 Grand-Slam-Titeln einheimste, ging eine Ära zu Ende. Wer sollte diesen US-amerikanischen Ausnahmespieler jemals überflügeln können? Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic.

Dieses Trio erschuf - jeder für sich und auf seine ganz spezielle Weise - gleich drei dominante Epochen. Seit 2003 wurden insgesamt 67 Grand-Slam-Titel in Melbourne, Paris, London und New York vergeben - und 54-mal schnappte sich einer der drei die jeweilige Trophäe des Siegers.

Federer: Zwei Mega-Serien und ein irres Comeback

Federer, der mittlerweile 38-jährige Schweizer, hat bisher 20 Major-Titel eingefahren. Als Sampras 2002 von der großen Bühne abtrat, sprang Federer direkt in dessen große Fußstapfen und gewann 2003 erstmals Wimbledon. Ab 1999 war er bei den Major-Turnieren im Hauptfeld vertreten, doch nie kam er über das Viertelfinale hinaus. Wenige Wochen vor seinem ersten Triumph an der Church Road flog er noch in der ersten Runde bei den French Open raus.

Doch dann folgten für Federer unglaubliche Triumphzüge. Wimbledon wurde sein Wohnzimmer, fünf Mal siegte er auf Rasen, ehe er 2008 von Rafael Nadal gestoppt wurde. Dieses Finale galt bis zum jüngsten Wimbledon-Endspiel zwischen Federer und Novak Djokovic als bestes Tennis-Spiel aller Zeiten. Der Spanier verhinderte damit, dass Federer die Rasen-Legende Björn Borg, der ebenfalls fünf Wimbledon-Siege (1976 bis 1980) aneinanderreihte, überflügelte. Mit acht Titeln auf dem heiligen Rasen ist Federer dennoch der Rekordgewinner. Am Sonntag verpasste der 37-Jährige durch die Final-Niederlage gegen Djokovic als ältester Grand-Slam-Sieger in die Annalen einzugehen. Auch bei den US Open reihte er fünf Erfolge aneinander (2004 bis 2008). Seine bis dato drei letzten Major-Erfolge fuhr Federer in Wimbledon (2017) und bei den Australian Open (2017, 2018) ein - ein irres Comeback nach fünf Jahren ohne Major-Titel.

Nadal: Das galaktische Dutzend

Nadal, der 33-jährige Mallorquiner, sammelte zwölf seiner insgesamt 18 Grand-Slam-Titel in Paris. Nicht umsonst trägt er den Beinamen "Sandplatz-König". Doch genauso wie Nadal 2008 Federer in Wimbledon in die Suppe spuckte, so verhinderte der Schweizer 2009 in Paris indirekt den absoluten Triumph des Linkshänders in Roland Garros. Ohne das nicht für möglich gehaltene Achtelfinal-Aus gegen den Schweden Robin Söderling hätte sich Nadal nämlich zehnmal in Folge zum König von Paris küren können. Nach zwei titellosen Jahren 2014 und 2015 hieß der Triumphator bei den French Open aber in den vergangenen drei Jahren wieder Nadal. Das volle Dutzend an Titeln bei einem Turnier sind bislang unerreicht, das bei einem Grand Slam zu schaffen, erscheint galaktisch.

Djokovic: Das Fitness-Wunder ohne Nerven

Novak Djokovic, der 32-jährige Serbe, hat die jüngste Vergangenheit dominiert. 2018 und 2019 holte er mindestens zwei der vier möglichen Grand-Slam-Titel. Nach den diesjährigen Siegen in Melbourne und Wimbledon greift er in Flushing Meadows nach dem dritten großen Titel. Es wäre sein 17. Grand-Slam-Titel. Bedenkt man, dass das Fitness-Wunder aus Belgrad für die bisherigen sechzehn Major-Titel nur acht Jahre brauchte, ist er im Vergleich zu Federer (13 Jahre für 20 Major-Titel) und Nadal (elf Jahre für 18 Major-Titel) der gierigste Sammler von Grand-Slam-Trophäen.

Zudem stand Djokovic weitere vier Mal in einem Major-Finale, das er gegen Tennis-Profis verlor, die nicht Federer oder Nadal hießen: 2012 bei den US Open und 2013 in Wimbledon jeweils gegen Andy Murray sowie 2015 in Paris und 2016 in New York jeweils gegen Stan Wawrinka.

Folglich hätte Djokovic in der Sammlung von Major-Titeln schon mit den 20 von Federer gleichziehen können. Federer (2009 bei den US Open gegen Juan del Potro) und Nadal (2014 bei den Australian Open gegen Stan Wawrinka) verpassten Siege gegen andere Tennis-Profis jeweils nur einmal.

Für nachrückende Konkurrenten wie Alex Zverev, Dominic Thiem, Stefanos Tsitsipas oder Karen Khachanov sind das beängstigende Zahlen. Angesichts der Leistungen, die das Ü-30-Trio jetzt in Wimbledon auf den Rasen zauberte, ist es schwer vorstellbar, dass auf Sicht andere in Sachen Nervenstärke (Djokovic), Spielstärke (Federer) und Physis (Nadal) in deren Phalanx einbrechen können.

Was den Herausforderern Mut machen könnte? Möglicherweise zwei Dinge: Erstens, es stehen die US Open an und im New Yorker Stadtteil Queens hatten es die drei Tennis-Könige bisher am schwersten. Federers Dominanz endete nach fünf Triumphen in Folge im Jahr 2008. In den nachfolgenden zehn Jahren gab es immerhin viermal andere Sieger - 2009 del Potro, 2012 Murray, 2014 Marin Cilic und 2016 Wawrinka.

Und zweitens, im Jahr 2002, als Sampras abtrat, glaubte auch keiner an eine neue Ära. Oder drei.

bst

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