Audi-Pilot zum Ärger ums DTM-Safety-Car

Rockenfeller: "Das Problem ist der Pflichtboxenstopp"

"Jeder hat schon mal ein bisschen profitiert und auch Nachteile gehabt": Audi-Pilot Mike Rockenfeller. picture alliance

Timo Glock ist wahrscheinlich mit der freundlichste aller DTM-Fahrer, jemand, den man einfach gerne haben muss. Doch kann der BMW-Pilot und einstige Formel-1-Fahrer urplötzlich auch zum Schnellkochtopf werden, zu jemandem, dem im Ernstfall die Zunge davonläuft. So manches Mal musste Glock dann im Nachhinein das Gesagte relativieren. Dies ist nicht im Geringsten als eine Art Kritik zu verstehen.

Glock schimpft wie ein Rohrspatz

Am jüngsten Rennwochenende auf dem Nürnberger Norisring war es mal wieder soweit. Glock kam, wie vorgeschrieben, zur Medienrunde am Ende eines Rennens. Und weil er aus beiden Rennen lediglich zwei Pünktchen geholt hatte (einmal 9. Platz), hielt sich der Fragebedarf der anwesenden Journalistenschar in Grenzen. So entwickelt sich ein eher privates Gespräch mit dem kicker-Reporter, der aufgrund dieses Charakters gar nicht die Absicht hegt, ein Stück über Glock zu schreiben. Glock fängt indessen an, sich über das Safety-Car aufzuregen, das tags zuvor ausgerechnet dann ausrückte, als René Rast, der nach verschlafenem Start Letzter im Feld war, seinen Pflichtboxenstopp wegen eines nach der Kollision von Markenkollege Pietro Fittipaldi drohenden Safety-Cars so früh einlegte, dass er bald danach die Führung im Rennen übernehmen und auch souverän siegen konnte. Ohne Glock wörtlich zu zitieren, lässt sich sagen, dass er darüber schimpft wie ein Rohrspatz, es aber bevorzugen würde, wenn nicht er, sondern Verantwortliche der Teams und der Rennserie sich auf die Suche nach eventuellen Ungereimtheiten machen würden.

Dies ist die Vorgeschichte zu einer Frage an Glocks Audi-Konkurrenten Mike Rockenfeller, die der wiederum zu Wochenbeginn im Rahmen einer Telefonpressekonferenz beantwortet hat. "Timo Glock war heftig sauer über die Umstände des Safety-Car-Einsatzes am Norisring. Gibt es eigentlich noch die Vereinigung der DTM-Fahrer, die zumindest vor zwei Jahren in vielen Punkten klar Stellung bezogen hat zu wichtigen DTM-Themen? Werden die Fahrer gefragt? Geben Sie Ihren Rat an irgendwen weiter?", fragt ihn der kicker.

Rockenfeller: "Die Gegenseite muss den Wunsch haben, unsere Meinung zu hören"

Mike Rockenfeller, nicht nur mit einer perfekten Radiostimme ausgestattet, sondern auch mit der Fähigkeit, vollständige Sätze mit reichlich Inhalt zu formulieren, hat dazu eine klare Meinung: "Nein, die Vereinigung gibt es nicht mehr. Im Moment herrscht da wenig Kontakt. Das ist so von uns Fahrern nicht gewollt, und wir sind auch nicht die, die sagen würden, dass wir diesen Input nicht geben wollen. Es ist ein bisschen eingeschlafen, wir wären aber alle bereit, wenn es darum geht, dass eine Meinung gefragt ist, die dann auch kundzutun. Ich glaube aber, es macht Sinn, dann mit denjenigen Leuten zu sprechen, die es auch entscheiden können, und nicht unbedingt mit Ihnen, den Journalisten. Das wäre der falsche Weg. Grundsätzlich glaube ich, dass wir Fahrer einen guten Zusammenhalt haben, und natürlich sind wir auch alle Gegner. Aber wenn wir nicht im Auto sitzen, gibt es da viele vernünftige und clevere Leute unter den Fahrern, die mit all ihrer Erfahrung auch sicherlich gute Ideen haben. Aber auch die Gegenseite muss das fördern und den Wunsch haben, unsere Meinung zu hören."

Also fragen wir weiter, denn vor zwei Jahren haben die Fahrer ihre Ansichten in vielerlei Form sehr offen vertreten. "Rocky" sieht es ähnlich: "Ich glaube, dass wir viel angeschoben haben. Den Indy-Restart haben im Prinzip die Fahrer vorgeschlagen und im Detail ausgearbeitet. Auch das Thema Gewichte war ein Riesenfakt, bei dem wir Fahrer unsere Meinung klar vertreten haben. Sicher ist das Safety-Car auch so ein Punkt, aber im Moment, glaube ich, haben wir es eben so (wie es ist, die Red.) für dieses Jahr. Und dann muss man sich vermutlich zusammensetzen. Ich persönlich bin auch jemand, der gerne die Dinge anspricht und seine Meinung kundtut. Aber ich bin eher so unterwegs, dass ich mir den Gerhard (Berger, die Red.) schnappe und frage: Was können wir da machen? Wo seht ihr Verbesserungsbedarf? Ich glaube generell: Das Safety-Car ist gut. Die Art und Weise des Restarts ist gut. Das Problem ist der Pflichtboxenstopp und dass wir unter Safety-Car nicht stoppen können. Wenn man da etwas ändert, kann man das Thema gut umgehen, ohne dass jemand komplett einen Nachteil hat. Da muss man vielleicht ansetzen. Aber während der Saison wäre es Quatsch. Wir haben tolle Rennen. Wir haben eine gute Meisterschaft. Jeder hat schon mal ein bisschen profitiert und auch Nachteile gehabt. Am Ende glaube ich, dass der Beste auch gewinnen und Meister werden wird. Ideen hätte ich, aber die muss man mit den Entscheidern besprechen."

Stefan Bomhard