Turbulenzen in Stuttgart - Dietrich bleibt vorerst im Amt

"Schwarzer Tag": VfB bricht Mitgliederversammlung ab

Wolfgang Dietrich am Sonntag in Stuttgart

Wurde mit Pfiffen empfangen: Wolfgang Dietrich am Sonntag in Stuttgart. imago images

Wolfgang Dietrich bleibt vorerst Präsident des VfB Stuttgart - doch nicht, weil er am Sonntag die Abstimmung über seine Abwahl überstand, sondern weil die Mitgliederversammlung nach einer beispiellosen Panne abgebrochen wurde.

Als Dietrich diese Entscheidung nach rund sechs Stunden den über 4500 anwesenden Mitgliedern mitteilte und von einem "schwarzen Tag in der Vereinsgeschichte" sprach, waren bereits Ordner aufmarschiert. Die Mercedes-Benz-Arena kochte förmlich vor Wut.

Zu diesem Zeitpunkt war nicht mehr ausgeschlossen, dass die Dietrich-Kritiker die nötige Mehrheit von 75 Prozent zusammenbekommen könnten, um den ungeliebten Präsidenten gut ein Jahr vor dem Ende von dessen Amtszeit zu stürzen. Eine WLAN-Störung rettet Dietrich vorerst den Posten - dieser Eindruck drängte sich nach dieser turbulenten Versammlung auf.

Der VfB hatte für diesen Tag extra ein neues WLAN installiert

Sie könnte nicht mehr "ordnungsgemäß" fortgeführt werden, erklärte Dietrich kurz nach 19 Uhr und entschuldigte sich "in aller Form". Der Grund: Als sich Tagesordnungspunkt 5, die allgemeine Aussprache, angesichts von 28 Wortmeldungen in die Länge gezogen hatte und via Abstimmung vorzeitig beendet werden sollte, zeigte sich, dass das gar nicht funktioniert: Obwohl der VfB für die Mitgliederversammlung eigens ein neues WLAN installiert und erfolgreich getestet hatte, konnten sich die Anwesenden nicht wie geplant via Handy einwählen. Auf diese Weise hätten sie später auch über Dietrichs Zukunft entscheiden sollen.

Es gibt den Spruch: Wenn die Mannschaft gewinnt, dann war es der Trainer, wenn die Mannschaft verliert, der Präsident.

Wolfgang Dietrich

Stattdessen verließ der 70-Jährige, zu dessen Abwahl 65 Anträge vorlagen, die Arena unter gellenden Pfiffen durch den eigens ausgefahrenen Spielertunnel. "Unverzüglich" soll eine neue Mitgliederversammlung einberufen werden, hieß es zunächst, normalerweise ist das frühestens drei Wochen später möglich. Doch weil dann Schulferien sind, plant der VfB, die Veranstaltung erst Mitte September nachzuholen. Außerdem werde geprüft, den Dienstleister in Regress zu nehmen.

Hitzlsperger vermeidet Aussagen zu Dietrich - und wird gefeiert

Dietrichs Chancen, sein vorzeitiges Aus im Herbst zu verhindern, sind nach diesem Tag nicht gestiegen. Schon vor der Panne war die Atmosphäre ziemlich eindeutig gewesen: Während etwa Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, der jegliche Positionierung in der Causa Dietrich geschickt vermied, genau wie Trainer Tim Walter mit viel Applaus bedacht wurde, musste sich Dietrich und jeder, der sich öffentlich hinter ihn stellte, immer wieder lautstarken Unmut anhören; teilweise auch Gelächter, etwa als Dietrich meinte: "Es gibt den Spruch: Wenn die Mannschaft gewinnt, dann war es der Trainer, wenn die Mannschaft verliert, der Präsident."

Mit nur 57,2 Prozent der Stimmen war der Unternehmer am 9. Oktober 2016 zum Präsidenten gewählt worden. Die sportliche Bilanz seitdem: Mit Walter ist aktuell der vierte Cheftrainer im Amt, mit Hitzlsperger der dritte Sportvorstand, und zwei Jahre nach der Ausgliederung ist der VfB erneut in die 2. Liga abgestiegen. Zusätzlich sorgten Dietrichs Verwicklungen in der Causa Quattrex für Schlagzeilen.

Doch trotz des massiven Gegenwinds, der im Internet zum Teil zur Hetze ausgeartet ist, hatte Dietrich einen vorzeitigen Rücktritt immer wieder ausgeschlossen und vor klubinterner Unruhe und Unordnung im Falle seiner Abwahl gewarnt. Das Geschehen am Sonntag sprach jedoch nicht gerade für das Gegenteil.

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jpe/gem

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