Federer verliert längstes Finale der Turnier-Geschichte

Historischer fünfter Satz: Djokovic verteidigt Wimbledon-Titel

Novak Djokovic

Küsschen nach dem Krimi: Novak Djokovic behielt in einem epischen Tennis-Krimi an der Church Road die Oberhand und verteidigte seinen Titel. getty images

Novak Djokovic macht es sich weiter in Roger Federers "Wohnzimmer" gemütlich: In einem denkwürdigen Endspiel verwehrte die Nummer 1 der Welt am Sonntag dem Wimbledon-Rekordsieger den 21. Grand-Slam-Titel und wiederholte seinen Triumph aus dem Vorjahr: 7:6 (7:5), 1:6, 7:6 (7:4), 4:6 und 13:12 (7:3).

Nach seinem Gala-Auftritt im Halbfinale gegen Rafael Nadal hätte Federer mit beinahe 38 Jahren zum ältesten Grand-Slam-Sieger in der Geschichte des Profi-Tennis werden können, vergab aber zwei Matchbälle und musste sich letztlich denkbar knapp geschlagen geben. "Es wird eine Weile dauern, das zu überwinden - auch körperlich", gab der Schweizer im Anschluss zu. Er wolle dieses Match jetzt "schnell vergessen", scherzte er: Denn das wird wohl so schnell nichts.

Federers Comeback bleibt ungekrönt - er vergibt am Ende Matchbälle

Schon die "Anfangsphase", also die ersten vier Sätze, hatten es in sich. Nachdem er im ersten Satz eine 5:3-Führung im Tiebreak aus der Hand gegeben hatte, reagierte Federer im zweiten umgehend mit dem ersten Break des Tages, ließ im dritten jedoch einen Satzball bei 5:4 und Aufschlag Djokovic ungenutzt und machte im Tiebreak abermals mehr Fehler. Obwohl er noch nicht einmal einen Breakball zugelassen hatte, lag Federer nach 2:15 Stunden mit 1:2 nach Sätzen zurück.

Doch der 37-Jährige, der in Melbourne 2018 seinen 20. und bis dahin letzten Grand-Slam-Titel errungen hatte, war noch nicht geschlagen: Wieder breakte er seinen Kontrahenten entscheidend zum 3:2 und 5:2 - und "schenkte" den Zuschauern, die mehrheitlich zu ihm hielten, den fünften Satz.

Längstes Finale, erster Tiebreak: Ein Match für die Geschichtsbücher

Und der bot dann Dramatik pur: Abgewehrte Breakbälle, Break, Rebreak, dazu Netzroller, hauchzarte HawkEye-Entscheidungen und einen waschechten Becker-Hecht Djokovics - an der Church Road herrschte teilweise Fußball-Atmosphäre.

Federer sicherte sich das vermeintlich vorentscheidende Break zum 8:7, nur um anschließend bei eigenem Aufschlag gleich zwei Matchbälle zu vergeben. So kam Djokovic zum Re-Break - und der Tennis-Krimi der Extraklasse setzte sich fort. Beim Stand von 12:12 griff zum ersten Mal in der Geschichte des Turniers die neue Fünfsatz-Regel in Wimbledon. Es ging in den entscheidenden Tiebreak, in dem Djokovic nach 4:57 Stunden seinen ersten Matchball nutzte - es war das längste Finale in der Wimbledon-Historie. Zuvor hatte Federers Duell mit Nadal 2008 die Bestmarke inne (4:48 Stunden).

Tiebreak-König Djokovic hatte seinen 16. Grand-Slam-Triumph sicher, seinen fünften in Wimbledon. Und wie 2014 und 2015 jubelte er nach einem mitreißenden Finale gegen Federer. "Ich glaube, das war das spektakulärste Finale, das ich jemals bestritten habe", meinte Djokovic, der nach dem Matchball auffällig verhalten jubelte, aber natürlich wieder vom "Heiligen Rasen" kostete. "Leider ist es so, dass in so einem Finale einer verlieren muss."

jpe/mib

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Haleps Höhenflug auf dem "Heiligen Rasen"