Überangebot im Abwehrzentrum

Rapp: Unions Aufstieg ist "Schnee von gestern"

Nicolai Rapp

"Ich will angreifen und mich hier durchsetzen": Nicolai Rapp. picture alliance

Der 28-Jährige konnte bereits seit dem Kurztrainingslager in Bad Saarow zu Monatsbeginn nicht mehr am Mannschaftstraining teilnehmen, laut Klubangaben plagen den Abwehrspieler muskuläre Probleme. "Es ist eher die Kapsel im Knie betroffen, der Muskel auch ein bisschen. Ich denke nicht, dass es etwas Schwerwiegendes ist und ich länger ausfalle", sagte Hübner am Freitag im Teamhotel in Windischgarsten.

Seit Montag bereitet sich Union in Oberösterreich auf die Premierensaison in der Bundesliga vor. Hübner versuchte, zu Wochenbeginn ins Mannschaftstraining einzusteigen. "Das", musste er einsehen, "war nicht so gut". Seit dem Rückschlag arbeitet er wieder individuell, am Freitagvormittag standen beispielsweise Fahrradfahren im Kraftraum und Aquajogging auf dem Programm. "Es gibt für mich aktuell nichts Schlimmeres, als im Kraftraum zu stehen und den Jungs beim Training zuzugucken. Das ist schon ein bisschen bitter. Aber es hilft nichts, mich jetzt runterziehen zu lassen. Arbeiten, arbeiten, damit ich schnell wieder auf den Platz komme", sagte Hübner, der in den kommenden zwei, drei Tagen einen weiteren Trainingsversuch auf dem Rasen unternehmen möchte, um dann auch möglichst schnell den Konkurrenzkampf aufzunehmen.

Rapp: "Mit einem Wechsel beschäftige ich mich aktuell nicht"

In der Aufstiegssaison bildete der frühere Hannoveraner, der sich die aktuelle Blessur wohl bei einem Zweikampf mit Grischa Prömel zugezogen hatte, in der Regel das Innenverteidiger-Duo mit Marvin Friedrich. Da Union den Kader für die Debüt-Saison im Oberhaus aufrüstete, ist aber auch die Konkurrenz im Abwehrzentrum erheblich größer geworden. Neben Hübner, der auch schon vor einem Jahr in der Vorbereitung mit einer Verletzung zu kämpfen hatte, bewerben sich die Neuzugänge Neven Subotic und Keven Schlotterbeck, Rückkehrer Friedrich, Routinier Michael Parensen, die Youngster Lars Dietz und Lennard Maloney sowie Nicolai Rapp um die Startelfplätze. Aufgrund des Überangebots auch im Abwehrzentrum könnten Maloney, der zur Vorbereitung eines Vereinswechsels nicht mit ins Trainingslager reiste, und wohl auch Dietz verliehen werden. Rapp, der in einigen Medienberichten ebenfalls als möglicher Abgang gehandelt wurde, will sich jedoch bei den Eisernen durchbeißen.

"Für mich heißt es, Vollgas geben", sagte der 22-Jährige und betonte: "Mit einem Wechsel beschäftige ich mich aktuell nicht. Ich fokussiere mich aufs Training und die Spiele. Das andere steht für mich nicht zur Debatte."

Rapp war im Januar aus Aue nach Berlin gekommen - mit einem zweifachen Bänderriss im Sprunggelenk, der mit dazu beitrug, dass er bis Saisonende Friedrich und Hübner meist den Vortritt lassen musste. Hinzu kam eine Rote Karte genau in dem Moment, als sich aufgrund einer Verletzung von Hübner eine Chance bot. Beim 1:1 in Fürth flog Rapp am 30. Spieltag vom Platz. Ausgerechnet Fürth, könnte man sagen. Sein Ex-Klub, für den er zwischen Februar 2016 und Juni 2017 gespielt hatte, war in der vergangenen Spielzeit "kein gutes Pflaster" für ihn, wie Rapp sagt. In der Hinrunde verletzte er sich noch in Diensten des FC Erzgebirge in Fürth. In der Rückrunde folgte dann der Platzverweis im Spiel mit Union in Franken. "So ist Fußball, das gehört dazu, da muss man weitermachen", sagt Rapp.

Mit seinem ersten halben Jahr in Berlin ist der in Hoffenheim ausgebildete Defensivspieler nur eingeschränkt zufrieden. Einerseits "war die Rückrunde unter meinen persönlichen Erwartungen", sagt er. Andererseits habe man mit dem Aufstieg "Großes geschafft". Fast sieben Wochen ist dieser historische Tag nun her. Eine Ewigkeit im schnelllebigen Fußballgeschäft, zumal bei Union, wo derzeit der Konkurrenzkampf tobt. Der Aufstieg ist "Schnee von gestern", sagt auch Rapp, der als Youngster zu Hoffenheimer Zeiten ein paar Mal im Bundesliga-Kader stand, damals aber nicht in der Bundesliga zum Einsatz kam. "Jetzt bin ich wieder in der 1. Liga - diesmal will ich mich der Herausforderung stellen. Ich habe Erfahrung im Profigeschäft gesammelt und glaube, dass ich mich dieses Jahr hier durchsetzen kann", sagt Rapp.

Jan Reinold